TEXTE UND ÜNTEKSUCHÜNGEN

ZUR GESCHICHTE DER

ALTCHRISTLICHEN LITERATUR

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION

DER KQL. PREDSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER

HERAUSGEGEBEN VON

ADOLE VON HARMCK und CAEL SCHMIDT

DRITTE REIHE, ZEHNTER BAND

DER GANZEN REIHE XL. BAND.

LEIPZIG

J. C. HINRlCHS'scHE BUCHHANDLUNG

1914

I

1

INHALT DES 10. BANDES DER DRITTEN REIHE

(DER GANZEN REIHE XL. BAND)

Bretz, Adolf, Studien und Texte zu Asterios von Amasea. IV, 1 „. ^

Heft 1 124 S. 1914. j

Heintze, Werner, Der Klemensroman und seine griechisclien ) n, ^ Quellen. VI, 144 S. 1914. j

Walther, Georg, Untersuchungen zur Gescliiclite der griechischen )

; Heft 3 Vaterunser-Exegese. VIU, 123 S. 1914. J

Sohrörs, Heinrich, Zur Textgeschichte und Erklärung von Ter- \ tullians Apologetikum. VI, 125 S. 1914. i

STUDIEN UND TEXTE

ZU

ASTEßlOS VON ÄMASEA

VON

Dk. ADOLF BRETZ

T^sDiV'

LEIPZIG

J. C. HINRICHS'scHE BUCHHANDLUNG 1914

Texte und Untersuchungen etc. Herausg. von Harnaek und Schmidt. 40,1

Verlag der J. C. HINRICHS'schen Buchhandlung in Leipzig.

TEXTE UND IINTERSUCHimGEN ZUR GESCHICHTE DER

ALTCHRISTLICHEN LITERATUR

ARCHIV FÜR DIE GRIECHISCHEN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER

DER ERSTEN DREI JAHRHUNDERTE

Herausgegeben von 0. von GEBHARDT(t), A. Haknack und C. Schmidt.

Inhalt der Dritten Beihe = Bd. 31 u. ff.

Barth, Carola: Die Interpretation des Neuen Testaments in der Valentinianischen Gnosis. IV, 118 S. 1911. (Bd. 37, 3J M. 4

Bidez, Joseph: La tradition manuscrite de Sozomene et la tripartite de Thfeodore le Lecteur. IV, P6 S. (Bd. 32, »b) M, •!

Bill, A.: Zur Erklärung und Textkritik des 1. Buches Tertullians ,,Adversns Marcionem". IV, 112 S. 1911. (Bd. 38, 2) M. 3.50

Bonwetsch, G. N.: Die unter Hippolyts Namen überlieferte Schrift über den Glauben. Kach einer Übersetzung der in einer Schatberder Bandschrift vorliegenden georgischen Ver- sion. 3ß S. Koch, H.: Vincenz von Lerin und Gennadius. Ein Beitrag zur Literatur- geschichte des Semipelagianismus. 22 S. Koch, H.: Virgines Christi. Die Gelübde der gottgeweihten Jungfrauen in den ersten drei Jahrhunderten. 54S. 1907. (Bd. 31, 2) M. 3.50

Dobschütz,E.v.:DasDecretumGela8iannmdelibris recipiendis etnon recipiendis. In kritisch. Text hrsg. u. untersucht. V1U,362S. 1912. (Bd. 38,4)

M. 13.50

Dombart, B.: Zur Textgeschichte der Civitas Dei Aügustins seit dem Entstehen der ersten Drucke. IV, 56 S. IflOS. (Bd. 32, 2a) M. 2

ßanschlnietz, Rchd.: Hippolytos' Capitel gegen die Magier. Refut. Haer. IV, 28-42. 77 S. 1913. (Bd. 39, 2) M. 2.50

Gebhardt, 0. v. : Die Akten der edessenischen Bekenner Gurjas, Samonas undAbibos. Aus dem Nachlaß von 0. v. G. herausgeg. von Ernst von Dobschütz. LXVIII, 264 S. 1911. (Bd. 37, 2) M. 12

Haase, Felix: Zur bardesanischen Gnosis. Lite- rarkritische n. dogmengeschichtliche Unter- suchungen. III, 98 S. l'.iio. (Bd. 34, 4) M. 3

Harnaclc, A.: Das Leben Cyprians von Pontius. Die erste christliche Biographie. VI, 114 S. 1913. (Bd. 39, 3) M. 4

- Ist die Rede d. Paulus in Athen ein ursprüng- licher Bestandteil der Apostelgeschichte? Judentum und Judenchristentum in Justins Dialog mit Trypho, nebst einer Collation der Pariser Handschrift Nr. 450. IV, 98 S. 1913. (Bd. 39, 1) M. 3

Kritik des Neuen Testaments von einem griechischen Philosophen d. 3. Jahrhunderts [die im Apocriticus des Macarius Magnes enthaltene .Streitschrift]. IV, 150 S. 1911. (Bd 37, 4) M. 5

Kautsch, Ernst: Die Evangelienzitate des Ori- genes. IV, 169 S. 1909. (Bd. 34, 2a) M. 5.50

Heikel, I. A.: Kritische Beiträge zu den Con- stantin-Schriften des Eusebius (Eusebias VPerke Bd. 1.) 100 S. 1911. (Bd. 36, 4) M. 3.50

Hellmann, S.: Pseudo-Cyprianus de XII abusi- ▼is saeculi. IV, 62 S. Slckenberger, J.: Frag- mente derHomilien desCyrill von Alexandrien zumLnkasevangelinm.46S.'09.(Bd.34,l) M. 3.50

Hippolyts Schrift „Über die Segnungen Jakobs" von C. Diobouniotis n. N. Beis. Hippolyts Daniel -Commentar in No. 673 der Hand- schriften des Meteoronklosters von C. Dio- bouniotis. Mit Vorwort von G. X. Bonwetsch. IV, 60 S. 1911. (Bd. 38, 1) .. M. 2.50

Holl, K.: Die handschriftliche Überlieferung des Epiphanius (Ancoratus u. Panarion). IV, 98 S. 1910. (Bd. 36, 2) M. 3

Jordan, H.: A.rmeniscbe Irenaensfragmente. Mit deutscher Übersetzung nach Dr. W. Lüdtke. Zum Teil erstmalig herausgegeben und unter- sucht. IX, 222 S. 1913. (Bd. 36, 3) M. 10

Irenaeus' gegen die Häretiker. "EXfyx''<i "al dva-

ipoTiij T^; ifitvöuvv fiov yrüaiMi, BuCh IV U. V in

armenischer Version entdeckt von Lic. Dr. Karapet Ter-Mekerttschian. Herausgeg. von Lic. Dr. ErwandTer-Minaasiantz. VIII, 264 S. 1910. (Bd. 35,2) M. 10

des hl., Schrift zum Erweise der apostoli- schen Verkündigung. i'J? IxlSa^iV r»v i.no-

aroLxov xr,f'yfiaTo?. In armenischer Version entdeckt, hrsg. und ins Deutsche übersetzt von Licc. Dr. Karapet Ter-Mekerttschian und Erwand Ter-Minassiantz. Mit einem Nach- wort und Anmerkungen von Ad. Harnack. Vni, 69 u. 68 S. Iii07. (Bd. 31,1) M. 6

Ein Jüd.-Christl. Psalmbuch aus dem ersten Jahrb.

[The ödes of Solomon, now flrst pu-

blislied from the Syriac Version by J. Rendel Harris, 1909.] Aus dem Syr. übers, von Job. Flemming, bearb. u. hrsg. v. Adolf Harnack. VII, 134 S. 1910. (Bd. 35, 4) M. 4.50 ; geb. M. 5.50

Koch, Hugo: Cyprian und der römische Primat. Eine kirchßn-u.dogmengesehichtliche Studie. IV, 174 S. 1910. (Bd. 35, 1) M. 5.50 ; geb. M. 6.50

Lietzmann, Hans: Das Leben des heiligen Symeon Stylites. In Gemeinsch. mit den Mitgliedern d. kirchenhist. Seminars d. üniv. Jena bear- beitet. Mit einer deutschen Übersetz, d. syr. Lebensbeschreibung u. der Briefe v. Heinrich Hilgenfeld. VIII, 256 S. 1908. (Bd. 32, 4) M. 9

Martin, Jos.: Studien und Beiträge zur Erklä- rung und Zeitbestimmung Commodians. Gressmann, H.: Nonnenspiegel und Mönchs- spiegel des Evagrios Pontikos. Zum ersten Male in der Urschrift herausgegeben. VIII, 165 S. 1913. (Bd. 39, 4) M. 5.50

Reichardt, Walther: Die Briefe des Sextus Julius Africanus an Aristides u. Origenes. IV, 84 S. 1909. (Bd. 34, 3) M. 3

Schalkhausser, G.: Zu den Schriften des Makarios vonMagnesia. V,218S. '07. fBd.31,4) M. 7

Schermann, Th.: Der litarg. Papyrus von Der- Balyzeh. Eine Abendmablslitnrgie des Oster- morgens. VI, 45 S. 1910. (Bd. 36, ib) M. 1.50

Propheten-undApostellegenden. NebstJün- gorkatalogen des Dorothcus und verwandter Texte. VII, 368 S. '07. (Bd. 31,3) M. 11.50

Griechische Zauberpapyri u. das Gemeinde- nnd Dankgebet im I. Klemensbriefe. VI, 64 S. 1909. (Bd. 34, 2b) M. 2

Schmidt, C: Der erste Clemensbrief in altkopti- scher Übersetzung. Mit Lichtdruck-Faksimile derHandschrift.IV,160S.1908.(Bd.32,l)M.9—

Fortaetzong s. 3. Umsehlagaeite.

STUDIEN UND TEXTE

ZU

ASTERIOS VON AMASEA

VON

Dr. ADOLF BRETZ

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LEIPZIG

J. C. HINRICHS'scHE BÜCHHANDLUNG 1914

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TEXTE UXD UNTERSUCHUJn^GEN

ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER -C0MMI8SI0N

DER KGL. PREUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER

HERAUSGEGEBEN \'0N

ADOLF HARNACK und CARL SCHMIDT

3. REIHE 10. BAND HEFT 1 40. BAND HEFT 1

WEIMAR. HOF- BUCHDRUCKEREI.

A'orwort.

Die vorliegenden Untersuchungen sind hervorgegangen aus einer von der philos. Fakultät der Universität Straßburg im Februar 1910 genehmigten Dissertation. ISIachdem ihre Druck- legung zunächst durch Hindernisse persönlicher Art verzögert worden war, entschloß ich mich, das Ergebnis der deutschen Athosexpedition abzuwarten, die ich gebeten hatte, mehrere Handschriften mit zwei bisher unveröffentlichten Predigten zu photographieren. Diese Photographien gingen mir im Frühjahr 1912 zu und konnten für eine genauere Charakteristik der asterianischen Predigt verwendet werden. Inzwischen waren die Dissertationen von Schmid und Bauer über Asterios von Amasea erschienen. Über ihr Verhältnis zu meinen Unter- suchungen gibt die folgende Einleitung Aufschluß; im übrigen konnte ich mich darauf beschränken, in einigen Anmerkungen zu ihnen Stellung zu nehmen.

Für die liebenswürdige Unterstützung, die meine Arbeit bei meinen verehrten Lehrern Bruno Keil und Richard Reitzenstein und nicht weniger bei Herrn Prof. D. von Dob- schütz jederzeit fand, sei auch an dieser Stelle verbindlichst gedankt.

Schloß Dittersbach bei Sagan. im November 1913.

Adolf Bretz.

IiihaltsYerzeicliiiis.

Seite Einleitung 1

Erster Teil: Die Überlieferung.

1. Kapitel: Die Handschriften 5

■2. Kapitel: Die Zeugnisse 16

3. Kapitel: Das Enkomion auf Basileus und andere offenkundige Fäl- schungen. Ergebnis und Fragestellung 26

Zweiter Teil: Über die Echtheit der nur von Photios für Asterios bezeugten Reden.

1. Kapitel: Geschichte der Echtheitsfrage. Methode der Kritik . . 32

2. Kapitel: Charakteristik der asterianischen Predigt nach ihrem Inhalt.

I. Die allgemeinen geschichtlichen Voraussetzungen .... 33

II. Kappadokische Einflüsse 34

III. Der geringe dogmatische Gehalt und das vorheiTSchende

kultische Interesse 39

IV". Die Art der Exegese 43

V. Der ethische, speziell kynische Grandcharakter .... 46 Exkurs über die Predigten slg rör oiy.ovöf^iov xfjg abiy.iag

und y.aTo. jiXeovs^iag 55

3. Kapitel: Beweis der Echtheit der Reden.

I. Die Lobrede auf Stephanus '71

IL Die Bußpredigt 75

III. Die Fastenpredigt 80

4. Kapitel: Die Stellung des Asterios zur paganen Rhetorik und

einige charakteristische Eigentümlichkeiten seiner Sprache . 85

Dritter Teil: Texte.

I. 'O/MiUa etg rovg ovo viovg rovg aaoä tm Aovy.ä 107

II. Aöyog £ig xb "Avdoco:TOi ovo äriß/joav slg ro ieqov xov jrooosv^aadai,

6 eig ^aQiaaTog y.ai 6 sxsgog xeXmvtjg . . - 116

Register 122—124

Einleituno-.

o*

In der hagiographischen. religions- und kunstgeschichtliclien Forschung der letzten Jahrzehnte^ fiel bisweilen ein Streiflicht auf einen Mann, dessen Xame vorher nur in größeren kirchen- ü-eschichtlichen Darstellungen und Enzyklopädien kurz erwähnt zu werden pflegte: Asterios, Bischof von Amasea im Pontus. In neuester Zeit ist er nun Gegenstand einiger Dissertationen geworden, die fast gleichzeitig und unabhängig voneinander ent- standen sind. Zuerst erschien die Arbeit von M. Schmid. Bei- träffe zur Lebens2:eschichte des Asterios von Amasea und zur philologischen Würdigung seiner Schriften, Borna-Leipzig 1911. In ihrem ersten und letzten Abschnitt erweist sie sich als ein Versuch, das über Asterios bisher Bekannte zu sam- meln und wissenschaftlich zu begründen ^ ; in der Hauptsache aber ist sie eine sprachliche Untersuchung, als deren Ergebnis der Verfasser selbst im Vorwort die Beobachtung feststellt, daß der Stil des Asterios ganz unter dem Einfluß der sog. zweiten So- phistik steht, und daß sich Asterios mit dem Studium griechi- scher Klassiker beschäftigte. Dieses Urteil kann im einzelnen hier nicht nachgeprüft werden; nur darauf sei hingewiesen, daß es auf unsicherer Grundlage beruht. Nicht nur. weil der Ver- fasser darauf verzichtet, die Analyse der asterianischen Sprache auf einer Darlegung der Weltanschauung und der Bildungs- prinzipien des Asterios zu basieren, sondern vor allem wegen der völligen Unsicherheit des Textes der Migneschen Samm- lung, der aus den ersten Ausgaben nur abgedruckt ist und ledio^lich die Lesart einer, höchstens zweier Hdss. wiedergibt.

1) Vgl. A. Ehrhard, Rom. Quartalscbrift XI. S. 74: H. Usener. Relig. Unters. I. 1 (das Weihnachtsfest) S. 252f. ; Lucius- Anrieh. Die Anfange •des Heiligeukultes S. 333 fi'. : J. Strzygowski, Orient und Rom S. 118 f. ; E. von Dobschütz, Christusbilder S. 255 u. a.

-) Der darüber hinausgehende Anspruch des Verf. ist unbegründet, wie ich in der Besprechung der gleich zu nennenden Bauerschen Disser- tation in der Berl. philol. Wochenschr. 1913 Sp. 900 ff. erwiesen zu haben glaube.

T. u. U. '13 : Bretz. 1

ßQ .T3

2 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Der Blick auf die Überlieferung- dieser Reden zeigt aber noch einen anderen Mangel der Dissertation. Es werden ihr alle bei Migne Patr. Gr. 40, 155 478 unter dem Namen des Asterios ver- einigten Predigten zugrunde gelegt, wiewohl für einen großen Teil die Hdss, andere Namen nennen. Zu dieser Tatsache hat der Verfasser nur bei zwei Predigten Stellung genommen, bei einer hat er sie völlig übersehen, bei anderen sie ohne sorgfältige Prüfung beiseite geschoben^. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind daher nur mit Vorsicht zu benutzen^.

Den gleichen Ausgangspunkt wie die Dissertation von Schmid hat auch die von M. Bauer, Asterios, Bischof von Amasea. Sein Leben und seine Werke, Würzburg 1911^ Doch wird hier die chronologische Frage ungleich sorgfältiger, ja soweit es auf Grund der Schriften des Asterios, den einzigen uns dafür zur Verfügung stehenden Quellen, möglich ist, erschöpfend behandelt. Freilich führen auch die scharfsinnigen Vermutungen von Bauer nicht wesentlich über das hinaus, was etwa seit Tillemont über die Lebenszeit des Amasener Bischofs feststeht. Manches Neue bringt dagegen der 2. Teil, der sich mit den Schriften des Asterios beschäftigt. Bauer gibt darin einen Überblick über das Fortleben des Asterios bis auf die Zeit der ersten Ausgaben und registriert dann seinen literarischen Nach- laß mit Berücksichtigung der Hdss., Ausgaben und Übersetzungen. Doch ist dieses A^erzeichnis nur für die ersten fünf Reden voll- ständig. Auf die Frage der abweichenden Überlieferung der eben erwähnten Predigten wird auch hier nur kurz eingegangen ; mit der üblichen Berufung auf Photios wird die Echtheitsfrage für alle Reden bejaht und nur für die Psalmenhomilien einer besonderen Untersuchung vorbehalten*.

*) Als Grund für die Zuweisung der sieben Psalmenhomilien erwähnt er nur die vom ersten Herausgeber behauptete, von anderen geleugnete Stilverwandtschaft; dann fährt er fort: „Auch unsere nachfolgenden Unter- suchungen führen zu dem Ergebnis, daß zwischen den allgemein aner- kannten Homilien des Asterios und denen über die Psalmen Stilunter- schiede bestehen, aber diese sprachlichen Abweichungen sind nicht so schwerwiegend, daß sie die Echtheit der Psalmenhomilien in Zweifel stellen könnten."

2) Auf Schmid stützt sich jetzt 0. Bardenhewer, Geschichte der alt- christlichen Literatur III (1912), S. 228—230.

^) Beide sind angezeigt von Weyman in der Byz. Ztschr. XX S. .569 u. XXI S. 294.

*) Von einer Rede (auf Ps. 4 bei MPG 55, 539 ff.) , die von Schmid ganz übersehen wurde, kennt Bauer den Text nicht, bei einer anderen

Eiuleituug. 3

Somit kann als gcineinsamor Grundfehler beider Disser- tationen bezeichnet werden, daß sie an einer Frage vorüber- ffinsi'en, die vor ieder anderen zu stellen und zu lösen war. Mit ihr man kann sie die philologische Grundfrage nennen beschäftigen sich die folgenden Untersuchungen, die bei dem Erscheinen der vorgenannten bereits abgeschlossen waren.

Asterios, der Amasener Bischof, ist nicht der einzige, nicht einmal der bedeutendste Träger dieses Namens. Aber von den 26 Autoren, die Fabricius-Harles, Biblioth. Gr. IX p. 51 3 ff. mit dem Namen Asterios aufzählt, hatte er allein das Glück, daß sein literarischer Nachlaß nicht ganz dem Untergang ver- fiel. Die Kirche hat ihm den Schutz gewährt, den sie den Schriften seines älteren, ungleich bedeutenderen Zeitgenossen, des Arianers Asterios versagte.

Schon die Mitwelt scheint von dem Leben und Wirken des Asterios von Amasea keine Notiz genommen zu haben. Was darüber feststeht, mußte aus den wenigen Andeutungen zeit- geschichtlicher Ereignisse erschlossen werden, die sich in seinen Predigten finden. So wird einmal auf den Abfall Julians (or. III M 40, 208 AB), ein anderes Mal auf das Glück und Endo mehrerer hohen Würdenträger, besonders der Konsuln Rufinus (t 395) und Eutropius (f 399) angespielt (or. IV M 40, 220 D). So erhalten wir das Jahr 400 als einziges festes Datum für das Leben des Mannes. Sonst überliefert uns Photios aus einer verlorenen Rede noch die Notiz, daß Asterios einen Skythen zum Lehrer gehabt habe (cod. 271), und aus anderen uns un- bekannten Predigten ein Selbstzeugnis des Asterios, wonach er ein hohes Alter erreicht habe (vgl. Quaest. Amphil. 312 bei M 40, 477 B). Damit erschöpft sich unsere Kenntnis von dem Leben des Mannes^.

(or. XV) nur den Anfang ihres lateinischen Textes (S. 72). Trotzdem führt er letztere auf Grund des Zeugnisses eines jungen Athous (s. unten .'S. 27) unter den zweifellos echten Predigten auf. Von theologischer Seite wird anderes vermißt: „Auf den kulthist. und theol. Inhalt ist Verf. nicht eingegangen. Eine homiletische Würdigung ist ebenfalls nicht versucht. Gelegentliche Werturteile, die sich nach diesen Dichtungen hin bewegen, sind meist ohne besondere Begründung niedergeschrieben und erwecken in ihrer all- gemeinen Fassung den Eindruck des Willkürlichen." P. Joh. Chrysost. Schulte in Theolog. Revue Nr. 15 (1912), S. 452.

^) Auch dieses Wenige wird von neueren Forschern manchmal über- sehen. Radermacher: „St. Phokas", Archiv f. Relig. VII (1904) p. 447

4 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Unsicher ist auch der Bestand der Sammlung von Pre- digten, die unter dem Namen des Asterios bei Migne (a. a. O.) abgedruckt sind^. Diese Zusammenstellung steht nämlich bei einer ganzen Reihe von Predigten im Widerspruch mit dem Zeugnis ihrer Handschriften, die sie unter Gregor von Nyssa, Johannes Chrysostomos oder Proklos überliefern. Nur die Auto- rität des Photios, der in den Exzerpten einiger dieser Predigten Asterios von Amasea als Verfasser nennt, und ebenso die doch sehr zweifelhafte Glaubwürdigkeit der Katenen, welche Zitate aus jenen Homilien mit dem Lemma Asterios enthalten, bestimmte die Herausgeber, sie dem Amasener Bischof zuzu- weisen. Ein vollgültiger Beweis für ihre Echtheit ist aber bis heute noch nicht erbracht.

Sollen also diese Predigten als Quelle für die wissenschaft- liche Forschung unserer Tage ihren vollen Wert erhalten, so muß vor allem ihre Autorschaft und die Zeit ihrer Entstehung mit allen Mitteln der Kritik außer Zweifel gestellt werden 2. Eine darauf abzielende Untersuchung wird sich nicht damit be- gnügen dürfen, die Zeugnisse der direkten und indirekten Über- lieferung nebeneinander zu stellen und etwa den ältesten den Vorzug zu geben. Die Prüfung ihrer Glaubwürdigkeit wird vielmehr ihre geringe Zuverlässigkeit erweisen und eigentlich erst die Fragestellung ermöglichen; die Entscheidung aber wird weniger durch äußere als durch jene inneren Kriterien ge- funden werden können, die aus einer gründlichen Analyse der echten und zweifelhaften asterianischen Reden nach Inhalt und Form gewonnen werden. Durch diese Erwägungen ist Ziel und Anlage der vorliegenden Arbeit bestimmt.

meint, die zweifellos echte Rede des Asterios auf Phokas gehöre dem 6. Jahrhundert an; die Angabe übernimmt unbesehen 0. Kern: „Der Robbengott Phokas'', Archiv f. Rel. X (1907^ p. 82. Mit der Annahme des 5. Jhrh. kommt Jaisle: „Die beiden Dioskuren", Tüb. 1907, der Wahr- heit näher.

1) Dazu gehört die Psalmenhomilie t. 55, p. 539 544. Über frühere Ausgaben vgl. Fessler-Jungmann, Institutiones patrologiae I '-, p. 624.

-) Diese Forderung erhob bereits vor einer Reihe von Jahren mein verehrter Lehrer Prof. Dr. Keil bei Strzygowski, Orient und Rom p. 718. als er bei Gelegenheit einer Übersetzung und Erklärung der Euphemia- rede auf mancherlei Irrtümer in der bisherigen Interpretation derselben stieß: ,. Diese Frage kann nur gelöst werden, wenn überhaupt einmal in dem Nachlaß des Asterios das Echte und Unechte geschieden ist und ein wirklich kritischer Text vorhanden ist. Der Schriftsteller fordert, aber lohnt auch philologische Arbeit."

Erster Teil.

Die Überlieferung.

l. Kapitel: Die Handschriften.

An Vorarbeiten für diese Untersuchung ist so gut wie nichts vorhanden. Nicht einmal das handschriftliche Material war bisher soweit bekannt, um für die Gestaltung des Textes der Homilien und für die Feststellung des Verfassernamens als Unterlage zu dienen. Die Notizen über die Handschriften in der ersten von Franz Combefis veranstalteten Gesamtausgabe des Asterios, die bis heute auch die einzige geblieben ist denn der Mignesche Text ist nur ein Neudruck des Combefisschen , können auch mit den von Fabricius-Harles (Bibl, Gr. t. IX p. 513) gegebenen Ergänzungen auf Vollständigkeit keinen An- spruch machen. Darum mußte unsere erste Aufgabe eine mög- lichst umfassende Zusammenstellung aller nachweisbaren Hand- schriften und ihrer Zeugnisse sein. Das Ergebnis der dahin- gehenden Bemühungen lege ich in folgender Übersicht vor, indem ich die Mignesche Reihenfolge der Reden beibehalte und dem Charakter der Überlieferung gemäß unter dem Titel jeder einzelnen Rede die zugehörigen Handschriften an- führe^. Nur die ersten fünf haben eine gemeinsame Über- lieferunor:

1) Als Führer durch die gedruckte Literatur der Kataloge diente mir V. Gardthausen: Sammlungen und Kataloge griechischer Handschriften, Byz. Archiv III (190-3). Zur genaueren Orientierung über meine Hilfs- mittel kann ich hier kurz auf diese Zusammenstellung verweisen und be- schränke mich im folgenden auf die Anführung derjenigen Kataloge, die neueren Datums sind. Den Nachweis einiger Hdss. in Bibliotheken, die noch keinen gedruckten Katalog haben, verdanke ich persönlichen Mit- teilungen der Herren Prof. von Dobschütz. Prof. Ehrhard und Liz. H. von Soden. Über den Inhalt der neugefundenen Asterioshdss. in den Meteora- klöstern, die der Katalog von Bees nach Dräsekes Auszug (N. Jahrb. f. d. kl. Alt. XXIX, S. 550 f.) verzeichnet, konnte ich eine genauere Auskunft noch nicht erhalten.

6 Bretz, Studien und Teste zu Asterios von Amasea.

I, Tov SV äyioig jiaTQog ij/ucöv 'Aoregiov enioxönov 'Ajuaoeiag öjiidia ex tov xarä Aovxäv Evayy6?Uov elg tov tiIovoiov y.nl tov Ad'QaQov.

IL Tov avTov öjiuUa ex tov y.üTa Aovxav evayye/uov sig TOV oixovöjuov rfjg ädixiag.

III. Tov nvTov xoTO. nleove^iag.

IV. Tov avTov Xoyog xaTi]yooiy.6g Tfjg eoQTJjg to)v KaXavdöiv.

V. Tov avTOv ofxiUa ex tov xwca MaTß^aiov svayyeUov elg TO' El e^eoTiv ärdocoTiq) oTtolvoai tijv yvvalxa avTOÜ. Dazu die Hdss. :

1. Berolinensis Phillip. 21, chart. s. XYI (Yielleicht das Apo- graphon des Sirmond '^).

2. Yaticanus Gr. 3S8, olim Sirletanus 301, chaut. s. XVI fol. 109. Die Vorlage beider ist wohl

3. Laurentianus plut. VTI cod. 1, membr. s. XI p. 447 bis 4712.

VI. AoTeoiov enioxonov 'A/uaoeiag Xoyog elg tov 7iooq^i]Ti]v Aavii]l xal elg ti]v Soiodvvav. Dazu die Hdss.:

1. Oxoniensis-Baroccianus 192 bombyc. s. XIV fol. 162 bis 169 (in)3.

2. Parisinus gr. 1199 membr. s. XI fol. 34^— 43^

3. Parisinus gr. 145S membr. s. XI fol. 185 ''—192. Daraus:

') Vgl. M. 40, 197, Anm. 22.

-) Diese Yeruiutung bestätigt jetzt Bauer S. 42. „Die Vergleichung der Codices ergab, daß Vaticanus uud Berolinensis auf den Cod. Lau- rentianus zurückgehen, beide unabhängig voneinander." Nach seinen sorg- fältigen Forschungen wurde jener durch Kardinal Sirleto, dieser auf Be- treiben Jac. Sirmonds im X\'I. Jahrhundert aus dem Laurentianus abge- schrieben ; der zweite Teil der zuletzt genannten Abschrift ging verloren und wurde im XVII. oder )CVIII. Jahrh. aus einem gedruckten Texte er- gänzt. Die Provenienz des Laurentianus konnte Bauer nicht sicher fest- stellen. Vermutlich waren die Asteriosreden in den Werken Gregors von Nyssa enthalten, welche Janos Laskaris in einem apulischen Kloster ge- funden und mit nach Florenz genommen hat. Andere Hdss. als die ge- nannten gab es nicht; was über solche gelegentlich berichtet wird, erweist sich als Irrtum. Aus einem gedruckten Exemplar stammt wohl auch der Text der or. III im Hierosolymitanus bibl. Patr. ex rfjg Aavga; tov Zäßßa 455, s. XVIII, iol. 2%\ iAaOt]naräoiov 'Jcodvrov tov iy. 'Paidsazov; vgl. Joh. Patusae encyclop. philol. vol. II p. 307.

^) Mit (m) sind diejenigen hagiographischen Handschriften versehen, die sich als sog. I\Iartyrologieu oder Menologien darstellen.

Die Überlieferung. 7-

4. Vaticaiuis-liivberiims 3(5 1, fol. 2 ^ und

5. A^aticanus-liarberiiius 137, fol. 105 2.

VII. 'AoTegiov eTiioxonov lAjuaoeiag eig zov tx y.oi/j'ag jvrp).6v.

1. Parisinus Coisl. 107, olim Seguierianus, mcmbr. s. XT. fol. 134^ 138 ^

2. Ronianus Angelicanus 125, olim Sfortianus 11, membr. s. XI. Daraus

3. Yatic.-Barb. 361, fol. 30 und

4. Vatic.-Barb. 437, fol. 110».

Kr. 2 ist Vorlage des Sirmond, die neben dem Seguieria- nus (Nr. l) Combelis für seine Ausgabe benützte: vgl. M. 40, S. 24V). Anm. 37. Ebenso stammt daraus der Text der Hol- steniushandschriften.

VIII. ^AoTEQiov enioxoTTov 'AjLiaoeiag iyy.cojuiov eig Tovg äyiovg y.OQVcfaiovg äjxooTolovg TIetoov xal IlavXov.

1. Atheniensis bibl. nat. 263, membr., a. 9V)1.

2. Paris.-Coisl. 107, membr. s. XL fol. 170^— ISO^'. Vor- lage des Combefis.

3. Romanus-Vallicellanus 1 00 (B 34) s. XII ff., fol. Wo^ ex rov äyiov 'Aoregiov excerpta; ine. ov /.np' eneiöi] /Jav=^^l. 40, p. 264B.

IX. Aoregiov eTrioxoTiov Auaoeiag eig rör uyiov leoojudQxvQa 0ojxi7r.

Diese Rede ist in einer ungewöhnlich großen Zahl von Hdss. in jener verkürzten Rezension überliefert, in der sie Sy- meon Metaphrastes in sein Septembermenolog aufgenommen hat*. Den von ihm weggelassenen Eingang haben uns nur 2 Hdss. bewahrt:

^) Dazu bemerkt H. v. Sodeu: ..eine Hds. des Lukas Holsteuius , in der er Homilien des Asterios im Originaltext mit eiuer von ihm selbst ge- fertigten lat. Übersetzung zusammengestellt hat. Über die Vorlage zu seinem griechischen Text fehlen Angaben; doch vgl. Cod. 4.37, der vielleicht die Ciadde ist.'" L. Hülsten, der bekannte Bibliothekar der Vatikana, plante eine große Ausgabe der Kirchenväter. In einem Brief an Tengnagel (ed. Boissonade p. 209) gibt er ein Verzeichnis von 80 für diese Ausgabe be- stimmten Predigten, darunter von Asterios eben die vier, die er im Barb. 437 zusammengestellt hat (Nr. VII., X., IX. und VI.) Im Barb. 361 fügte er diesen noch die Euphemiarede bei (Xr. XL).

-) Dazu am Rande: Ex Msto Regio CXLIL, d. i. der jetzige Paris, gr. 1458.

') Dazu am Rande: Ex Msto R. P. Sirmondi.

*) Vgl. A. Ehrhard, Festschrift zum 1000jährigen Bestehen des deut- schen Campe Santo in Rom, S. 49 und Rom. Quartalschrift XI, S. 74.

8 Bretz, Stuclieu und Texte zu Asterios von Amasea.

1. Marcianus 360, membr. s. XI (m); ine. y.a/J] y.al ov/ii(f€- Qovoa.

2. Parismu§ gr. 1177, membr. s. XI, fol. S6 88 (m); ine. y.ali] y.al ovju(peoovoa. Doch bricht der Text ab bei den Worten jLiövov vfieTg im 7j]g Tievr/oäg TarTi]g y.ara . . = M. 40, p. 308 A. Wahrscheinlich ist dieser Codex die Vorlage Combefis' ^. In allen übrigen Hdss. beginnt die Rede mit den Worten 'legög jiih yai deoTieoiog = M. 40, p. 304 A. Wir gruppieren sie nach der Fassung der Überschriften:

a) 14. i. \A. Eig tÖv uyiov rov Xgiozov jLidQivoa <PojyMi>

1. Ambrosianus 374 membr. s. X XI, fol. J30— 134(m).

2. Ambrosianus 840 membr. s. XIII, fol. 154^—185^ (m).

3. Constantinopolitanus Maurogord. bibl. 28, bombyc. s. XII bis XIII, fol. 1(37\

4. Cod. bibl. Thomae Gale Britanniens Xr. 44.

5. Hierosolymitanus bibl. Patriarchae 11, membr. s. X XI, fol. 142^—160 (m).

6. Cod. bibl. comitis de Leicester Britann. 91, chart. s. XYI, fol. 416-417^ (m).

7. Mosquensis 356, membr. s. X, fol. 12 J 141 (m).

8. Mosquensis 357, membr. s. XI, fol. 162 (m).

9. Mosquensis 360, membr. s. XVI, fol. 183 (m).

10. Oxoniensis - Barocc. 230, membr. s. XI, fol. 174'' bis 180 (m).

11. Parisinus 1492, membr. s. XI, fol. 134^—138 (m).

12. Parisinus 1521, membr. s. XII— XIII, fol. 202—206 (m).

13. Parisinus 1558, chart. s. XV, fol. 123—126^ (m).

14. Thessalonicensis gymnas. Gr. 28, membr. s.XII,Xr.20(m).

15. Thessalonicensis gymnas. Gr. 36, membr. s. XIV, fol. 61^.

16. Taurinus 86, s. XI, fol. 99^—114.

17. Vaticanus Gr. 794, s. XI, fol. 183^—187^ (m).

18. Vaticanus Gr. 796, s. XII, fol. 224-230^ (m).

19. Vaticanus Gr. 1643, s. XII- XIII, fol. 1 18^- 121^ (m).

20. Vaticanus Gr. 2044, s. XI. fol. 169-173 (m).

21. Vaticanus Barb. 361 (Holstenianus\ fol. 125.

22. Vaticanus Barb. 437 (Holstenianus), fol. 129.

23. Vaticanus-Palatinus 1, membr. s.X— XI, fol. 175— 179'(m).

1) Vgl. auch Bauer S. 63.

Die Überliefei-ung. ^

b) 'A. L A. ei^ Tov nyiov y.al evdo^or /.idorvoa tov Xo. 'ßco/iäv.

24. Laurentianus plut. XI, cod. 20, membr. s. XI, p. 143 bis 147.

25. Oxoniensis-Cronnvell. 20, membr. s. XI, p. 368 377 (m). 2(;. Parisimis 1515, membr. s. XI, fol. 126-130 (m).

27. Parisinus 1523, membr. s. XL fol. 156—160^ (m).

28.'Patmensis 217, membr. s. XII (m).

29. Yaticamis - Ottobonianus 219, chart. s. XVII, fol. 99 bis io:{^

c) 'A. i. 'A. eyy.cüjiuov elg tov äyiov leQOjudQTvga ^coxäv.

30. Messanensis 25, membr. s. XII, fol. 140^ iii"" Avaoiov pro Aoreoiov (m).

31. 3Iessanensis 31, membr. s. XII, fol. 137''' 140 "^ (m).

32. Messanensis 41, membr. s. XII, fol. 15S'' 162 (m).

33. Messanensis 54, membr. s. XII XIII, fol. 1S3 188 (m).

34. Yaticamis gr. 2047, membr. s. XI, fol. 100^—103 (m).

35. Yaticamis = Ottobonianus 421, membr. s. XI XU, fol. 191-196 (mj.

d) A. i. A. iyx. elg rbv äyiov y.al evdo^ov leQojuaQzvQa T. Xo. <Pcoy.äv.

36. Oxoniensis-Laudiauus 70, membr. s. XI, fol. 94 97\

37. Parisinus 1526, s. XIY, fol. 191^—197 (m).

3S. Romanus = Chisianus sign. R YII— 4S. membr. s. XI^ fol. 141.

39. Thessalonicensis gymn. gr. 26, membr. s. XI, fol. 137 (m).

40. Yindobonensis bist. 39, cliart. fol. 123^—126^ (m).

e) Mit anderen Titeln, z. T. anonym:

41. Constantinopolitanus-Maurogord. bibl. 143, chart. s. XY, fol. 63.

42. Cod. Brit. bibl. com. de Leicester 89 II, s. XII, fol. 130^ bis 134.

43. Parisinus 1489, membr. s. XI, fol. 161—165^ (m).

44. Parisinus 1479, membr. s. XI, fol. 154 (m); incip. . . . ?.o^eviag ixegdave tov = M. 40, 305 A.

45. Parisinus 1555, chart. s. XIY, fol. 102 (m).

46. Parisinus suppl. 240 membr. s. XI, fol. 1 3 (m): ine. . . yjiia y.al negl rijv.

10 Bretz. Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

47. Scorialensis 310 Y— II— 5, membr. s. XII. fol. 129 bis 133 (m).

48. Scorialensis 313=:Y-II— S. membr. s. XII. fol. 113 bis 117 (m).

49. Scorialensis 314 = Y— II— 9. membr. s. XII, fol. 133 bis 137 (m).

50. Yaticanus 795, membr. s. XI. fol. 154"^ 15S'^ (m).

X. ^Aozeglov ijiioy.ojiov "AjLiaoeiag eyndjuiov £ig rovg äyiovg juaQTVQag.

1. Parisinus 771, s. XIY, fol. 273^-280.

2. Yaticanus - Ottobonianus 12, olim Columnensis, membr. s. XI, fol. 88—97. Yorlage des Combefis: vgl. M. 40, 313, Anm. 49.

3. Yindobonensis bist. 115, chart. fol. 172=' 196^.

XI. 'A. i. 'A. dg fxaQTvgiov Trjg Jtavevcprj^uov judgTVQog Evq)!]- jbiiag ey,(pQaoig.

1. Atheniensis bibl. nat. 352, chart. s. XYI.

2. Athous 3586 = bibl. iLiov)~]g Aiovvoiov cod. 52 membr. s. XIII, Xr. 8 (m).

3. Athous 4548 = bibl. jiiovrjg '[ß/joojv cod. 428 membr. s. XI, fol. 70^ (m).

4. Berolinensis 277, membr. s. XII, fol. 41.

5. Cod. Britanniens bibl. comit. de Leicester 91, chart. s. XYI, fol. 413'— 414^ (m).

6. Marcianus 360, membr. s. XI (m).

7. Parisinus 950, chart. s. XY, p. 148 152 1 der Rede fehlt).

8. Parisinus 1177, membr. s. XI, fol. 41-42' (m).

9. Parisinus 1528, membr. s. XII, fol. 86'— 88 (m).

10. Scorialensis 262, chart. s. XIII (Sammlung rhet. Meister- werke), fol. 200'. Dazu kommt die wertvolle Xebenüberliefe- rung in den Konzilsakten über den Bilderstreit bei Mansi (Concil. €oll. XIII, p. 16^) und im Parisinus gr. 1115 s. XIII, fol. 264 1.

XII. 'Eyxcojuio}' eig rbv äyiov TiQCorojudQTVQa 2xecpavov. Als Autor wird in den Handschriften teils Gregor von Xyssa, teils Proklos von Konstantinopel, nie aber Asterios genannt.

^) Vgl. Tb. Sehermann. Geschichte der Dogmat. Florilegien, T. U. Bd . 28, 1 S. 75; ferner Br. Keil bei Strzj-gowski, Orient und Rom. p. 118ff.

Die Überlieferung. 11

1. Mcssauensis 5, membr. h. XII, fol. 149^ 155^ tov ayiov roijyooiou ETTioy.öjiov Nvoi]^; iyyAO/nov eig rov äyinv ZxH(iavov Tuv :iQ(OTO/iidQTvQa (in) (Anal, Boll. XXIII ^.

2. Vaticanus-Barberinus 555 = V 51, olim 59 (nach der älteren Numerierung), membr. s. XTII, fol. 92 95 (m). Titel wie vorher. Inc. 'üg legehg (sie) äh]d(Ji)g xal y.rddbg (sie) . . (Anal. ßoll. XIX).

:^. Vaticanus-Barberinus 497, s. XY— XYI, fol. 205 zov auzov (seil. IlQoy.Xov ägyiEnioxönov KcovoravxivovTioP^ecog) lynco- ßiov eig TOV uyiov jrgonojiidQTVQa Zrecpavov. Inc. 'Qg legog äh]- •äcog (Soden).

4. Vaticanus-Pianus 21 = Vat.-Alexandrinus 21 , membr. s. X XI, fol. 15—20'^ rov äyiov [IIqoxIov äg^ieTi. Kowor.J eyy.. ^Ig r. äy. tiq. Zt. Inc. "üg iegög ähjdcog y.al yalGig (sie), expl. £1 bl TiQÖg ri]v (sie) rov keyarrog öuva/Liiv . . . (BolL). Dazu notiert der Herausgeber des Katalogs: Quae in lemmate un- culis inclusimus, nianus recentior exaravit in rasura. Die ur- sprüngliche Lesart läßt sich mit ziemlicher Sicherheit herstellen. Wir haben offenbar nur die Wahl zwischen Asterios und Gregor von Nyssa. An ersteren zu denken verbietet das vor der Rasur erhaltene rov ayiov, denn nur derjenige Grad der Heiligkeit kommt ihm zu, der in juay.dgiog ausgedrückt ist^ Also folgte auf das rov ayiov ursprünglich wie im Messanensis 5 rQi]yooiov sji. N. Dann bleibt als einziger Zeuge für Proklos der junge Barberinus 497 übrig. Die anderen Handschriften, die dem ersten Herausgeber Vincentius Riccardi vorlagen und ihn ver- anlaßten, das Enkomion trotz ernster Bedenken dem Proklos zuzuweisen, sind für uns verschollen 2.

1) Vgl. van Bück, Act. Sauet. Octobr. XlII, p. 330. Neben rov ^a- y.agiov findet sich aber auch die Formel zov iv äyioig :jarQÖg rj^iön' 'A. in der Überlieferung. Sie ist also nicht, wie Bück meint, vom Herausgeber Combefis erfunden.

-) Vgl. S. Patris Prodi archiepiscopi Coustaut. Analecta a Yinceutio Riccardo edita, Komae 1630/e domo S. Andreae de Urbe p. 486ff. und den Kommentar p. 496: Haue orationem descripsi ex vetustissimo manuscripto Crj'ptaeferrat. A. K. et contuli cum alio pergameno vetustissimo meae bibliotheeae et est etiam in Scoriaci bibliotheca, ut ex indiculo a vere amico mihi misso accepi. Quam ut verum fatear, nisi Codices essent plus quam octingenti annoruui, vix Proclo ascriberem, cum nuUa fere anti- thesis Proclo satis familiaris, nulla parouomasia, non pressae sententiae nee sacrae Scripturae üosculis inspersae in ea reperiantur. Der zuerst genannte Cryptaeferratensis A. K. ist (nach Battifol: Le Vaticane de Paul III. 11 Paul V. p. 114) identisch mit dem Vaticanus 1553; dieser aber enthält

12 Bretz. Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

XIII. IJgorge:nriy.ög Jiegl jiieTavoiag. Die Handschriften kennen nur Gregor von Nyssa als Verfasser:

1. Anglicanus 294 (vgl. [Bernard] Catal. bibl. Angliae etc. I, 1697 p. 44) Greg. Xyss. de poenitentia.

2. Leidensis inter Codices inde ab anno 1741 comparatos Xr. 8, cod. XXIII, Chart, s. XYI. Gr. Xyss. tzq. ti. per.

'S. Marciamis fiS, membr. s. XII, Nr. 5. Greg. Xyss. adhor- tatio ad poenit.. Xr. 6: Greg. Xyss. eadem quae supra. Offen- bar Sirmonds Vorlage für

4. Parisinus suppl 399, chart. s. XVI, der ebenfalls die gleiche Rede zweimal enthiilt, aber unter verschiedenem Titel: fol. Sl— S7 (Greg. Xyss.) adversus eos qui alios iudicant et conversione indigent, fol. 206 213 in mulierem peccatricem.

5. Monacensis 47, chart. s. XYI, fol. 14S 155 rov avrov (seil. ro)]-/. T. JV.) Tioox. 71. jiiex.

6. Yindobonensis theol. 239 (Nessel) chart. antiquus fol. 118 bis 129^ eiusdem (seil. Greg. N.) tiooxo. n. juer. sive oratio ad- hortatoria de poen. „Ex hoc Caesareo edidit Gretser" (Nessel).

XIY. Äoyog elg rijv äg'/Jjv tcov vyjoreicöy. Auch diese Pre- digt bezeugen die Handschriften übereinstimmend für Gregor von Nyssa:

1. Ambrosianus 66 (A. 173 sup.), membr. s. XI, fol. 219 237. Greg. N. in transgressionem ss. ieiuniorum.

2. Atheniensis bibl. nat. 457, chart. s. XYI rov iv äyioig jiazQog tjjLixbv Pgijy. jSvog. eig tijv Tiageloßaoiv )) cbg slg elevoiv T(bv uyiüiv v7]OTeicoi'.

3. Athous 2751 = Moviig Ao^eiagiov 11 (Lampros), chart. s. XY, Nr. 1 3 Xöyog äve7iiygaq:og. Inc. ^vrdexov Qcöov.

4. Athous 4146 = bibl. /<ov?)? 'Ißvjgmv 2G (Lampros), membr. s. XI, Nr. 22 rgrjy. N. slg t. jiag. x. äy. v.

5. Athous 5593 =: bibl. fxovfjg navxe/.s)]jiiovog 87 (Lampros), membr. s. XI, fol. 36'*'' rg}]y. iV. etg x. Tiag. x. äy. v.

6. Athous 5708 = bibl. juoviig UavxeXeijjuovog 201 ( Lampros), chart. s. XIX (a. 181 1) Fgi-jy. N. eig x. Trag. x. äy. v.

kein Enkomion auf Stephauus, wie Franchi de Cavallieri auf Grund einer genauen Durchmusterung an Ort und Stelle feststellt. Der Scoriacus ist oÖenbar der Scorialensis ^ 111—20 (membr. s. IX) mit Väterhomilien auf Steph. von Job. Chrysostomos, Proklos u. Gregor von Nyssa. Doch ist nach den Angaben der Bollandisten (Anal. BoU. XX7I1I, S. 362 ff.) keine mit unserer Rede identisch.

Die Überlieferung. t3

7. Burneianiis-Britannicus 52 (Forshall), membr. s. XIII XIV S. Greg. N. Fgi^y. N. eig r. Tiag. t. uy. v.

8. Constantinopolitanus Maurogord. bil)l. S7 (Papadopulos- Kerameus, Parartema XYI), chart. s. XYI, fol. 301 roi]y. N. Xöyog elg x. Jiag. t. v.

9. Laurentiaiuis plut. YII, cod. 20, membr. s. XI, Nr. XIY, p. 139 147 Fo. eTTioxönov Nvoo}]g eig ri]v ei'oxaoiv (sie) t. ay. v. Der Schluß weicht von dem Mignesehen Texte etwas ab.

10. Matritensis bibl. palatii Kegii 4, s. XYI, fol. 318.

11. Parisinus gr. 773, olim Med.-Reg. 1S28, chart. s. XY, fol. 83 91 Greg. X. hom. in ingressum ieimi.

12. Parisinus gr. 1199. membr. s. XI, fol. 162—188. Ygl. oben YI 2.

13. Patmensis 186, membr. s. XI ex. Xr. 11.

14. Sinaiticus 330. bombyc. et membr. s. XIY. Gr. Xyss. €t? rr/v ßdoiv (sie) r. v.

15. Taurinensis 71, bombyc. s. XIY, fol. 310— 312.

16. Yaticanus-Alexandrinus 21 ^Planus 21, membr. s. X, fol. 134; vgl. oben XIT, 4.

17. Yindobonensis theol. 239 (Xessel), chart. antiquus, fol. 93^ 95 eiusdem (seil. Greg. X.) elg xi]v äox^p' t. v. „in fine mutila aliquot foliis"; fol. 96 107^ „eiusdem orationis S. Gr. N. in princ. ieimi. sive in ingressum ieiun. quadragesimalis exemplar aliud integrum e duobus diversis codicibus. Ex hoc Caesareo edidit Gretser^' (Xessel) ; vgl. oben XIII, 6.

XY— XXL Die 7 bei Migne 40, p. 390—477 abgedruckten Psalmenhomilien sind in Sammlungen von Predigten des lo- hannes Chrysostomos überliefert. Zuerst gab sie Cotelier^ aus einem cod. Regius 2402 unter folgenden Titeln heraus:

a) eis Tor e xpakf^ibv löyog a . S/j/iiaTd uov hcbnoag, Kvoie, ovveg Tjiy? xgavyfjg fiov y.ai i$i]g. Inc. Ol fiaxdoiov reXog (or. XY).

b) etg tÖv avrbv e ri'a/.jiidv ?.6yog ß'. Incip. Ol'/ ovTCog eojo- fpoQog (or. XYI).

c) etg zöv avTOV e y>a/.jnöv älXcog löyog y . Incip. "Qotisq ol rcao' f]fxiv kajuTigoregoi (or. XYII).

d) etg TÖv avxbv e y'a?.^aöv äXloig löyog ö' . Incip. g)]^aaTd juov evcoTioag Kvoie. UoTa . . (or. XYIII).

^) Mouumenta ecclesiae Graecae. Paris 16S1.

14 Bretz, Studieu und Texte zu Asterios von Amasea.

e) eig ri]v iQ/.ii]veiav tov e xpaAfxov löyog e, iv (o xal eig zbv 'IcoGrj(p. 'E?J'/ßi] Ti] jJLeydh] devrega. Inc. Evcpoaiviodoi xal vvv (or. XIX).

f) eig TOV g y}a/.[xbv ojm/Ja. Inc. 2roaTio'jxov nhififieltjoav- Tog (or. XX).

g) Etg TOV C rpaXjjiov. Kvgie, 6 deog fxov, im ool ip.Tiioa, ooj- Gov JUS. Inc. "Qoneo 6 T?)g . . (or. XXI).

Die Vorlage des Cotelier ist wahrscheinlich infolge Yer- schreibung der Nummer nicht mehr zu ermitteln; denn der frühere Regius 2402 ist der Paris. 915, für den Omonts Katalog nur „sermones anonymi exegetici" verzeichnet^. Eine weitere Handschrift dieser Ilomilien weist Montfaucon in der Vorrede zu seiner Chrysostomosausgabe nach (t. V, p. XVIII): Reg. 1962 = Parisinus 654, membr. s. X. Zahl und Anordnung der Pre- digten ist in dieser Handschrift nicht die gleiche wie in der vorgenannten: es fehlen ganz or. XVII und XX. Schließlich deutet Montfaucons Zusatz: Paene eaedem in bibl. Scorialensi auf einen Kodex des Eskurial, zu dessen Identifizierung die Angaben des Millerschen Katalogs nicht ausreichen.

XXn. 'OjuiUa eig tov d' ipali-iov oder eig tÖ' 'Ev -d/lxpei enlaTwag juoi. Inc. "Doneg 6 tij Jioixi/Ja (in der Chrystomos- Ausgabe des Savilius, t. VII p. 431 und Montfaucons, t. V p. 546, abgedruckt bei Migne PG- 55, p. 539 544). Die Predigt ist teils zusammen mit den vorgenannten, teils gesondert überliefert, aber immer unter dem Namen des Joh. Chryso- stomos:

1. Ambrosianus 41 (A 116 sup., olim I, 246\ membr. s. XII ex., fol. 108 TOV ai'Tov (seil. 'loidvvov Xovo.) in eundem psal- mum (r\^).

2. Athous 18 = bibl. UgonäTov 18, membr. s. X (Lampros), Nr. 11.

3. Oxoniensis miscell. 51 „complectitur Codices 22, quibus- opera continentur S. Chrys. omnia, exemplaria seil, archetypa, quae curante v. d. H. Savilio Etonae vulgata sunt".

4. Parisinus 654 = Reg. 1962, membr. s. X, Nr. 4, von Montfaucon kollationiert; vgl. oben XV XXI.

5. Patmensis 161, s. X, Nr. 3 tov avTov (seil. '/co. X^.) vno- jiivi]fiaTa eig Tovg ym?,juovg a , b' , eig tov avTOv äXloig, e , g, T »«cet ?/.

1) Auch Bauer vermag den Kodex des Cotelier nicht zu identifizieren, vofl. seine Dissertation S. 77 f.

Die Überlieferung. I5.

(Die Randbemerkung zur ersten Honiilie auf Psqilni 4, von einer etwas jüngeren Hand: yvtpiog ovxog xov Xqvoootojuov beweist, daß schon friilie die Frage der Echtheit der "2. Predigt auf diesen Psalm erörtert, bzw. verneint wurde.)

6. AHndobonensis theol. 105 (Nessel), chart. Nr. 9.

7. Angelicanus-Romanus 125, olim Sfortianus 11, membr. s. XI (Ötudi ital. IV, p. 164 und YI, p. 171), enthält die Rede unvollständig und zwar von Anfang bis zu den Worten tj)? diyMioovv7]g jliov (M. 55, 541 C) und dann wieder von vwv ioraoiaCov (M. 55, 542 A) bis zum Schluß; vgl. oben YII 2.

Soweit die Übersicht über die Überlieferung der bisher bekannten asterianischen oder mit Asterios in Beziehung ge- brachten Reden. Die Durchmusterung der Kataloge der Athos- Klöster förderte nun auch für zwei vermißte, nur durch Exzerpte des Photios bekannte Asteriospredigten Handschriften zutage, nämlich :

XXIII. 'AoTSQiov ETiioxoTiov "Afiaoeiag sig x6' "Av&qcojtoi ovo dveß}]oav elg legöv JiQOOEv^aoßai (vgl. Photios bibl. p. 500^) im,

Athous 4 1 46 = bibl. juov)~jg 'Iß/jQcov 26 (Lampros), membr. s. XI, Nr. 7; vgl. oben XIY 4.

XXIY. 'AoT. ETI. A/ii. slg Tovg ovo vlovg xovg Ttagä xco Aovxä (vgl. Phot. bibl. 501 b).

1. Athous 2751 = bibl. fiovijg Ao^eiagtov 11^ chart. s. XY (Lampros), Nr. 2.

2. Athous 4146 = bibl. jnovijg ''IßiJQCov 26, membr. s. XI (Lampros), Nr. 9; vgl. oben XIY 4 und XXIII.

XXY. Aus der verlorenen Predigt des Asterios elg xijv ai- jiioQQoovoav (vgl. Phot. bibl. p. 505^) ist handschriftlich ein Fragment erhalten im Ambrosianus 1041 (H. 257 olim A. 28), membr. s. XIII, fol. 143"^: (Ast. Am.) ex xov elg X7]v aljuoQovv (sie), ine. y.axajud^cojiiei' de /mitiov xvjg la&eioi'jg yvvaixög, expl. äveVie xov yalxovv ävdgtdvxa. Außer Photios zitiert die Stelle auch Nikephoros, Patriarch von Kpel., beide mit dem etwas abweichenden Schluß: äve'dexo xfjg 7ioXi'/vr]g xov laXxöv. Die Yermutung liegt nahe, daß das Asteriosfragment in der Hds. aus dieser Nebenüberlieferung stammt.

f6 Bretz. Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

2. Kapitel: Die Zeugnisse.

Die verwirrende Fülle der Hdss., die wir für die einzelnen Reden des Asterios zusammenstellten, vermag kein deutliches Bild von der Art und dem Charakter der Überlieferung zu geben. Hier helfen die meist älteren Zeugnisse weiter, in denen zugleich der Grad der Einwirkung des Asterios auf die Nach- welt deutlich wird. In chronologischer Anordnimg sind es folgende :

1 . Zum ersten Mal begegnet der Name des Asterios in den Xonzilsakten über den Bilderstreit. 3Ian kann sagen: Die Be- deutung, die er in diesem Kampfe der griechischen Kirche um ihre Eigenart gewann, ist es allein, die ihm und den meisten seiner Predigten ein Fortleben bis auf unsere Zeit sicherten; aber auch die Echtheitsfrage brachte der Streit bereits in Fluß :

a) In der 4. Sitzung des YII. ökum. Konzils zu Nicäa im Jahre 787 wird aus einem Kodex, den ein Mönch Thomas aus dem Kloster Xip'oldxxog herbeigebracht hatte, vor den ver- sammelten Tätern verlesen: rov juaxagiov IAoteqiov eTiioy.oTiov 'Ajuaoelag Ey.(pgaoig eig Eu(pi]juiav ri]v juaQzvQa (vgl. Mansi Conc. Coli. XIII, p. 16^ 17''). Die Rede machte einen gewaltigen Eindruck auf die Anwesenden ^.

b) Um den damit beabsichtigten Autoritätsbeweis für die Zulässigkeit der Bilderverehrung zu entkräften, stellen die Bilder- feinde dieser ey.cpgaoig eine abfällige Meinung des Kirchen- vaters über die Bilder entgegen , aus der Rede elg rov AdCagov xal tÖv TiXovoiov das Verbot: Mi] yodfpe rov XoiotÖv' ägyei y^Q avrcp i) uia Ti]g ivocojuajcüoeojg TaTieivcooig (vgl. Mansi 1. c. XIII, p. abö^'ff., MPG 40, 168''). Hierauf wird noch einmal die ex- (pgaoig ohne das Exordium verlesen (vgl. Mansi 1. c. XIII, p. 308^—309»' = MPG 40, 336=^11-337^1)2. Einen kurzge- faßten Bericht über diese Verhandlungen gibt Papst Hadrian I.

V Vgl. das Urteil des Bischofs Theodor von Katana: '0 fiaxdgio; y.al "dsocpÖQog diSdaxaXog 'Aoregtog wg dazyg (jasivog närton' jjfiiör rag y.aobiag y.axrjvyaoEv , &oxe ovh s^oj rov ely.ÖTog i) y.aüohy.ij ixx?.i]oia jiagi/.aßs rag ayiag xal oETcräg slxörag, d/.V do^iobioig xaXg xo)v dyiow naxtQcov tjuwv didaoxa/.iaig i^axoXovOovaa.

2) In dieser Gestalt gelangte die Rede aus den Konzilsakten in das •oben erwähnte Florilegium des cod. Parisiuus gr. 1115. Die Notiz des Barouius, auf dem nicänischen Konzil sei auch die Rede des Asterios auf

Die Überlieferung. 1 7

in einem IJrief an Karl d. Gr. (vgl. Mansi 1. c. XIII, p. 7'.»'.»'* MPL 98, 1283).

2. Gegen die Auffassnng, als ob Asterios die Bilder ver- biete, wendet sich in der folgenden Generation mit kühner Polemik Theodoros von Studien (ad filium Naucratem IIb. II, epist. XXXYI bei Sirmond, opera t. Y, p. 348 ft'.: 'H ovv tov 'AoTeoiov im /J^ecog Tuöe' fii] yodrpe Xgcardv etc.) ^

3. Nikephoros, der Patriarch von Konstantinopel, der als Sekretär des Kaisers selbst den Verhandlungen in Nicäa bei- gewohnt hatte, bestreitet in einem Bericht darüber, daß Asterios die Bilder habe verbieten wollen: Aemegoy jraodyovoiv ''AoTmioy Inioy.onov 'A/.iaosiag eniyocKpojiiEvov er tco 7i£7ioi)]fih'Cp avrqj elg r 6v Ttkovo lov y.al tov ÄdCagov Xoyov qxxoy.ovxa ovrcog' Mij

yQdq)e tov Xqiotov etc OvTog ö'ouv "AoTsgiog, öoov ix Tijg

imyQaq.v'jg tov AÖyov roeiv iy.didojoiv, ov qmlreTai 7iQOi]yovfj,evo)g ovde TOV Xqiotov äjisigyojv eiy.ovi'Qeodai etc. (Antirrhet. II bei Combefis Auctar. Nov. 1, p. 238, p. 267*=). Als Beweis führt er die Kede des Asterios auf das blutflüssige AVeib an, Avorin eine auf dieses AVeib gedeutete Statue in Jericho als Denkmal der Frömmigkeit dieser Stadt gelobt werde. Zugleich lehnt er es ab, auf die Frage einzugehen, ob der Verfasser dieser Rede mit dem der vorgenannten identisch sei: 'ErcojtiErMg de zovTOtg eioi'j/do) TidAiv 'AoTeoiog, ei /t/) Tiaod tov ev yßQolv eTeoog, f] ä/j'jdeia eideu] dv /.lov)]' f]f.ieTg de ovder tovtov ye dioiooueda' €1 de 6 ai'Tog ioTiv, ai'TO&ev ToTg oly.eioig To^evfiaoi ßalleodoiaav etc. (Comb. 1. c. p. 273'^). Endlich weist er auf die Bedeutung der Ekphrasis auf Euphemia für die Sache der Bilderfreunde hin: Ei de Jiov y.al tteoI tcov ieoäiv tcöv äyioyv fioocpa)[.idT€Ov äyio-

Phokas vorgelesen worden, hat schon Tillemont für irrtümlich erklärt. Trotzdem lesen wir bei Koch über ,,Asterius von Amasea'', Ztschr. f. prot. Theologie 41 (1871) 1, p. 83: .,Öehr gute Aufnahme fand in Nicäa auch die von Asterius auf den Märtyrer Phokas gehaltene Rede." Mit Recht warnt Krüger vor den vagen Behauptungen dieses Aufsatzes (bei Hauck. R. E. f. pr. Th.'' unter „Asterius").

^) Das genaue Datum dieses Briefes fehlt in der chronologischen Übersicht der Vorrede, die von Baronius stammt: die Briefe des II. Buches fallen aber in die Jahre 814 25. Eine Pariser Hds. dieses Buches (cod. Reg. 709) trägt die Randnotiz: ^lorsov wg eoitv 'Aoieoiog v:i6 zov ayioi- zdrov ^(oq^ooviov ev röig aviov ovvodiHoTg dvaßs/iari^öfievog fial vstö älXov natQog \4.no/.hvooko xal Evrvyei owraTTouevog. Solche Verwechslungen des Amasener Bischofs mit dem berühmteren Arianer Asterios begegnen immer •wieder.

T. u. U. 13: Bretz. 2

•jg Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

TioETiwv f]/nTv 'Aoreoiog öia/Jyerai, OTiold ioztv amg eig Tyv TT o ?.v ev (f 1)1^1 ov judoTVQa Evq?i]juiav e^icpQaoev, v7Teoy.eio&(o vvv, ov TioXlöj de vozegov ei'y.aioojg y.al y.arä xbv oiy.eXov na- ga/MjLißaveodo) totiov , otiÖxe y.al xarä tcTjv dyicov ol tcov äyicov e/dioTOi ri]v Tiaooiviav öiaoy.Evd'Qovoiv (Comb. 1. c. p. 277^). Combefis zitiert diese Stellen des 2. Antirrhetikus nach einem Manuskript des Allatius, dessen Vorlage unbekannt ist. Merk- würdigerweise finden sie sich in dem uns überlieferten Texte dieses Buches entweder gar nicht oder in stark verkürzter Fassung; es wird einmal das Zitat aus der Rede auf Lazarus und die Ekphrasis kurz erwähnt: ""O de ttuvtcov avrcov fidhora y.rnaioyvvEL t)]v ävoiav, ov ovvrjy.av ol öeilaioi. Ilaviayov ydo avToi ävd oröjiia eyovreg TiooocpeQovoi röv öiödoxalov 'Aoregtov TXQOOTdnovxa ri; ,21)] ygdcpe tov Xqiotov', ov /.ujv ,ju)] TieoiygacpE' öiay.elEvöfxevov ovro) ök y.ad'' yjuäg 'AoiEgiog iv tj] xard Tijv äyiav /.idgruga Evcfij^uiav Excf gdoEi. ,Eidor exeT yga- (pTjv Tiva (Antiri'het. II, cap. 16 bei Mai, Nova bibl. patr. Y, p. 69 = MPG 100, 364c-d)i. Dann wird im 3. Antirrh. ein- mal die Homilia Eig t))v aluöggovv angeführt mit einer kurzen Hindeutung auf die schwebenden Zweifel über ihren Verfasser: 'AoTEgiog de juvijjurjg ydg xal tovtov d^iovv rd vvv öixaiov eIte ov avTol diddoxaXoi Indyovrai i] öoztoovv Eiegog AoiEgiog ovv djucog Ev zw Eig zijv aijuoggovv iyxwjuio) etc. (Antirrh. III, cap. 6 bei Mai XBP V, p. 78 = MPG 100, 384 c-d).

Diese Berichte des kaiserlichen Sekretärs in Nicäa geben einen genauen Einblick in den Verlauf der Verhandlungen: Die Ikonoklasten brachten für ihre Sache das Argument aus der Rede auf Lazarus vor und bestritten die Autorschaft des gleichen Asterios für jene Reden, aus denen Gegenargumente geltend gemacht w^urden, nämlich für die Ekphrasis und die Predigt auf das blutflüssige ^Veib; zu einer Entscheidung scheint es nicht gekommen zu sein, da der Berichterstatter diese Frage offen läßt. Es fehlte dazu offenbar eine sichere Grundlage.

^) Combefis führt sogar Varianten für den Text der Euphemiarede aus Nikephoros an; dazu bemerkt Keil bei Strzygowski p. 118: .,Ich finde weder im 2. Antirrhetikus noch überhaupt im gesamten Nikephoros die Asteriosrede ausgeschrieben. S. 364 c. M. wird kurz nach dem Gedächtnis zitiert: stSov fy.el yQacpi]v riva, weiter nichts. Dieses Zitat steht allerdings im 2. Antirrhetikus. Entweder hat also C. eine völlig andere Fassung dieser Schrift gehabt oder er hat sich im Schriftsteller überhaupt geirrt." Statt Combefis ist hier sein Gewährsmann Allatius einzusetzen.

Die Cberlielening. \Q

Dies ist ein bedeutsames ZeicluMi fiii' (li(; Unsicherheit der Über- liet'eiuiig- jener Heden. Das Bestehen (jines «5;eschh)ssenen Corpus von Asteriospredigtcu kann Jedenfalls schon für jene Zeit nicht angenommen werden.

4. An der Lösung der Eclitheitsfrage versuchte sich der Nachfolger des Nikephoros auf dem Patriarchenstuhl, Photios. Mit klaiHir kritischer Methode argumentiert er für den Verfasser der Eupheniiarede: Die feine Kunst der Beschreibung des Bildes vom Martyrium der hl. Euphemia ist genau die gleiche, wie wir sie an der detaillierten Zeichnung des Auges in der zweifellos echten Rede des Asterios ^/s rov ix xoi/Jag xvqplov bewundern; also rühren beide vom gleichen Verfasser. Dies kann nur der Bischof von Amasea, nicht der Arianer Asterios sein; denn die zweite Rede enthält ein orthodoxes Glaubensbekenntnis (Phot. bibl. cod. 271, p. 503^ 12— 20 B). Die Frage berührt er noch einmal in den xVmphilochien (vgl. MPG 40, p. 477B), wo er Asterios, den Autor der Ekphrasis, von den Trägern des gleichen Namens nach Alter und Bekenntnis unterscheidet.

Aber nicht durch seine Kritik, sondern durch seine Tätig- keit als Exzerptor hat Photios jene zentrale Bedeutung ge- wonnen, die ihm in der Überlieferungsgeschichte des Asterios zukommt: ihm verdanken wir in erster Linie die Kenntnis dieser Überlieferung nach Umfang und Art. Unter den von ihm ex- zerpierten Homilien sind 4, die in vollständiger Gestalt bis heute noch nicht zum Vorschein kamen (siehe unten Nr. 3. 5, 7 u. 1 0), und 3 andere, die in der Hauptüberlieferung unter Gregor von Nyssa oder Proklos gehen (Nr. 1, 2 u. 8); möglicherweise kannte er noch andere, von denen sich sonst keine Spur mehr er- halten hat; er zitiert nämlich in den Amphilochien eine An- gabe, die Asterios über sich selbst in einigen Reden gemacht haben soll (vgl. MPG 40, p. 477 B (hg ev tloiv avrov imv Xoycov öiakafißävei., eig ßa&v yijoag rov ßiov y.aT}p>T)]GEv)^ ohne daß wir davon in den uns ganz oder dem Lihalt nach bekannten Reden ein Wort entdecken könnten. Aber ganz abgesehen von dem inhaltlichen Werte dieser Predigten fordert schon die bloße Tatsache, daß Photios zehn nacheinander nennt, eine besondere Beachtung: sie widerspricht dem verwirrenden Bilde, das uns die Übersicht über die direkte Überlieferung bietet. In dieser sind nämlich die einzelnen Reden in den verschiedensten Hand- schriften zerstreut. Nur selten sind zwei in einem Kodex ver- einigt; eine Ausnahme macht nur der Laurentianus plut. 7 cod. 1

2*

20

Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

mit den offenbar von ihm abhängigen beiden jungen Hdss.. wo die ersten 5 Reden zusammen überliefert sind, mid der Athous 4146, der 3 Predigten des gleichen Autors, allerdings mit anderen vermischt, enthält. Bei diesem Zustand der IJber- lieferung läßt sich die Existenz eines Sammelkodex, der den ganzen Nachlaß des Asterios einmal umfaßt habe, kaum denken. Hiergegen spricht auch die Tatsache, daß man bereits im Bilder- streit die Echtheit einer Rede bestreiten konnte. Sollte mm dennoch Photios in dem von ihm exzerpierten Kodex 271 eine solche Sammelhandschrift vor sieh gehabt haben?

Über die Art der Vorlage des Photios wird sich nur dann etwas Sicheres behaupten lassen, wenn in der Reihenfolge, in welcher die Asteriosreden bei Photios aufgeführt werden, ein bestimmter Plan entdeckt werden kann. Dies ist nun wirklich der Fall. Notieren wir nämlich zu jeder Predigt den ihr zu- grunde gelegten Text des Evangeliums und daneben in einer 3. Spalte den Tag des Kirchenjahres, auf welchen in den alten Synaxarien die Vorlesung der Perikope angesetzt ist^, so er- halten wir folgendes Bild:

I.

Reihenfolge der Redeu bei Photios cod. 271

II. Peri

kope

III. Tag des Kircbeujabres

1.

Tov fiaxagiov 'Aoregiov £:nr,y.6:iov

'AfiaoEiag EX TOV jTQOToemxzixov sh rijv /lerä-

voiav

[Luk. 7.

36— io]

[z. ß" T. d' Luc. (eßSojudg 21/J

2.

rov avTOv sig rov TtQOizofiäorvQa ^ts-

(pavov

3.

rov avzov elg x6 ""Aj'ßQWTiog rtg xazs-

xvQiaxi] 1] Luc.

ßaivev djiö ^Isgovoa?Jjfi eig 'legi/oj

Luc. 10,

25-37

(Eßho^i. 2b)

4.

TOV avTOv elg t6 '"Av{^qu>jioi ovo drs-

xvoiaxij id' Luc.

ßtjoav elg zo Ieqov :jQ0OEv'^aoßai

18,

10—14

(eßdofi. 31 j

5.

TOV avTOv TOV Zaxxaiov

19,

1—10

xvoiaxf] te' Luc. ^(Eßhoit. '62)

6.

TOV avzov Eig Tovg dvo vtovg zovg jzaQa.

xvoiaxij itf Luc.

TCO Aovy.ä

., 15,

11—32

'(eßdoit. 34y

7.

TOV avTov Eig tov dovXov tov kxazov-

aaßßäro) e Luc.

TUQyov, ov 6 KvQiog i&£Qä:JEvoEV

^,

3—10

(eßdofi. 22y

8.

TOV avTov sig tijv ^zaQEloßaoiv TÖiv

vrjOTEiöJr

9.

TOV avzov eig rov ix xodiag rv(fl6v

.lob. 9. 1

--3?

xvQiaxij e' Job.

10.

TOV avTov eig rör 'läeiQov xal Ttjv

aaßßdzo) ^'

ai/Lio(3^oovoav.

Matth. 9

. 1S-2G

Matth.

1) Vgl. das bei Gregory. Textkritik de,s N. T.. I (1900). S. 343 ff. ab- gedruckte Syuaxar.

Die Überlieferung. 21

Es 7,ei<;-t sich, dal.» die Gni|»|ii<'run^ der Asteriosreden in dem Kodex des Photios keine willlvüiliche ist; sie schließt sich zwar nicht der Reihenfolge der Texte im N. T., wohl aber der chronologischen Ordnung an, in welcher vom Beginn der Fasten- zeit an die Evangelien (Joh.. Mattli., Markus, Lukas) und inner- halb derselben die einzelnen Perikopen gelesen zu werden pflegten. Auch die Stellung der letzten Lukaspredigt (Nr. 7) stört diesen Plan nicht: sie ist als die einzige Predigt auf eine Sabbatperikope des Lukas aus der Reihe der Sonntagsperi- kopen herausgenommen und an den Schluß der Lukaswochen gesetzt worden. Die Stelle der ersten Predigt aber ist wohl nicht durch den Bibeltext, von dem sie ausgeht, sondern, wie der Titel zeigt, durch ihren Charakter als Büßpredigt bestimmt; als solche war sie überhaupt nicht festgelegt, konnte also inner- halb des Kirchenjahres mehr als einmal gelesen werden.

Haben wir nun in dieser Angabe wirklich die Anlage des von Photios benützten Kodex oder hat der Patriarch etwa selbst erst diesen ihm durch den kirchlichen Brauch an die Hand gegebenen Plan in die Sammlung gebracht? Die zweite Alter- native wird widerlegt durch die Beobachtung, daß auch die uns erhaltene handschriftliche l'berlieferung noch deutliche Spuren der gleichen Anordnung aufweist. Der Athous -4 146 = Jviron. 26. der schon darin eine Verwandtschaft mit dem Photioskodex erkennen läßt, daß er allein die beiden uns bis- her nur aus Photios bekannten Homilien 4 und 6 enthält nur in dem jungen Athous 2751 = Dochiar. 77 findet sich noch Xr. 6 . hat diese mit Nr. S auch in der gleichen Reihenfolge wie Photios: es folgen also im Athous 4146 aufeinander Nr. 4, Nr. 6 und Nr. 8. während die Nr. 5 und Nr. 7 des Photioskodex ausgelassen sind. Endlich gewähren auch die Handschriften der panegyrischen Reden, soweit sie mehr als eine derselben enthalten, das durchaus gleichartige Bild einer ähnlichen, durch den kirchlichen Gebrauch bestimmten chronologischen Anord- nung: die Reden sind in der Reihenfolge der Festtage des Kirchenjahrs aufgeführt, zu denen ihr Inhalt in enger Beziehung steht. Dies ergibt sich aus folgender Tabelle:

22

Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Aiuasea.

I. Auszug aus dem Festkalender

II. Festpredigten

III. Codices

1. 16. Sept. (11. Juli)

Euphemia

2. 22. Sept. ^22. Juli)

Phokas

3. 19. Dez. Daniel u.

Susanne

4. 26. Dez. Stepha-

nus

5. Beginn der Fa-

stenzeit.

G. Sonntag nach Pfingsten. Aller- heiligen

[6a y.voiay.f] s Joh. Joh. 9, 1—38

7. 29. Juni. Petrus u. Paulus

Ey.rpQaaig elg ri]r ayiav Ev-

qnjfiiar Ttjv fidoivQa Eyxojniov elg rot' legoiidg-

rvga ^Maär Aoyog eig zov :Tooq~i''jTt]r Aa-

viij). y.ai Swoäi'vm- 'Eyfcoj/ttov slg t6v ttocoto-

^täoTvga 2TE(pa%'ov Äöyog eh rip' jiaQei'aßaaiv

'Eyxo)/itov et? Tovg äyiovg ftäoTi'Qccg

Aoyog eig xov ex y.oi).iag zvcplöv]

'Eyy.difiiov eig rovg äyiovg yoovfpaiovg d::Toar6Xo}v IJetoov y.ai TTavÄov

[ l-|-2 Cod. bibl. Leicester. [91, Marc. 360, Paris. 1177

4+5 Vatic. Piau. 21

3-1-5 Paris. 1199

6a+7 Coislin. Paris. 107.

Somit können wir sagen : Sowohl für die Anordnung der panegyrischen als auch für die der exegetischen Predigten des Asterios ist in den Handschriften der chronologische Gesichts- punkt maßgebend, selbst dann, wenn einmal wie im Coislin. Paris. 1U7 (vgl. Nr. C und 1) beide Gattungen vermischt vor- kommen. Das Gleiche ist der Fall bei Photios. Seine Vorlage stellt sich demnach wie viele unserer Handschriften als ein Teil eines Homiliariums dar, d. h. einer Sammlung von Predigten auf die Sonn- und Festtage des Kirchenjahrs. Photios hatte also keinen eigentlichen , reinen Sammelkodex von Asterios- predigten vor sich, vielmehr eine Handschrift oder einen Hand- schriftenkomplex, worin, wie die gewtihnliche Anlage der Homi- liarien erkennen läßt, mehrere Grup})en inhaltlich gleichartiger Reden von verschiedenen Yerfasscrn zum Zwecke der Vorlesung an den betreffenden Sonn- oder Festtagen zAisammengestellt waren. Damit ist auch der Wert seines Zeugnisses für die Autorschaft der von ihm exzerpierten Reden bestimmt: es ist der Art nach nicht höher einzuschätzen als die Lemmata unserer Handschriften; denn auch für die Abschreiber eines solchen Homiliars war die Gefahr einer Verwechslung der Autornamen, welche die Glaubwürdigkeit unserer handschriftliehen Überliefe- rung beeinträchtigt, ebenso vorhanden. Wenn daher die Rede .auf Stephanos, die Büß- und die Fastenpredigt bei Photios

Die Überlieferung. 23

unter dem Namen desAsterios erscheinen, während sie dielland- sohrifton unter dem des Gregor von Nyssa oder des Proklos bringen, so hat jenes Zeugnis vor diesem im Grunde nichts als das höhere Alter voraus.

5. Xach einem ähnlichen Prinzi)) wie die gemischten Ho- miliarien i?ind die sog. Katenen angelegt, nur daß hier mit dem Zitat der bloße Xame des Verfassers, nicht der Titel der Pre- digt, aus der es genommen ist, angegeben wird. Es ist also gegenüber diesen Angaben noch größere Vorsicht am Platze als bei denjenigen der Homiliarien und Handschriften. Diese Vorsicht wurde nicht immer beachtet. So fand z. ]i. Cotelier in 2 Psalmenkatenen unter dem Lemma Asterios Zitate aus Psalmenhomilien, die unter des Chrysostomos Werken hand- schriftlich überliefert sind. Er bezog den Xanien ohne weiteres auf den Amasener Bischof und wies ihm die Bruchstücke mit- samt den Homilien zu (Cotel. Monum. graec. eccles. II, p. 516; vgl. Catena Corderii I, p. 84, 112, 113, 132\ Daraus sind sie jetzt bei Migne zusammen mit den übrigen Predigten des Asterius Amasenus abgedruckt. Xun findet sich aber sonst kein Beleg dafür, daß dieser auch Predigten auf Psalmen ver- faßt habe. Dagegen sind solche für den berühmteren Xamens- genossen des Amaseners, für den Arianer Asterios schon von Hieronymus bezeugt i. Ferner gibt es in sehr alten Hand- schriften zweier Psalmenkatenen Asteriosscholien, die mit dem unterscheidenden Zusatz 'Ageiavög versehen sind 2. Sie be- stätigen die Vermutung, daß Material aus jenem Psalmenkom- mentar des Arianers Asterios in die Katenen Aufnahme fand. Wohl findet sich gelegentlich auch einmal zu 'Aoreoiog der Zu- satz 'Ajiiaoeiag, aber nur in einer späten Hds. (Hierosolymit.

1) Hieron. de vir. ill. cap. XCIV, ed. Richardson T. U. XIV, 1, p. 46: Asterius Ariauae pliilosophus factionis scripsit regnante Constantino in epistuiam ad Romanos et in Evangelia et in Psalmos eommeutarios et multa alia, quae a suae partis homiuibus studiosissime leguntur.

-) Vgl. Vatic. gr. 1789, s. X f. 4 (zu Ps. 1, i) 'JoteoIov 'Aoeiavov. Inc. 'A:iö nanaotaiiov ijo^aio r/;c ri'a/.ucodiag 6 Aaveid. expl. ovrcog y.ai oi y.a>cö- (f^Qove; dasßsig <oi y.ay.ojg aeßötieroi. Corderius p. 8 hat hier einen etwas veränderten, z. T. verderbten Text. Vgl. ferner Paris.-Coisl. gr. 10, s. X. fol. 29^" 'Adgiarov yarä avTiOTOocfip'. Inc. 'Ert'ozs de y.ai 8ia iiayooTEoov Ttjy urTioTOOffijr (zu Ps. 20, 13) und fol. 189 v Adgiarov. Inc. 'Ey. usrarfooä; x6 rovg naoay.a/.ovuEvovg (zu Ps. 73, ii). Der Name Aöoiavög findet sich nach dem Katenenkatalog von Karo Lietzmann nicht mehr in den Katenen. Er ist also wohl hier aus 'JuEiavov entstellt.

2-i Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Patriarch, bibl. ly. rr/g ^irxvgag tov Zdßßa cod. SOS a. 1587), wäh- rend eine andere etwas ältere Hds. schwankt (Hieros. Patriarch. TOV Tijuiov Zxavoov cod. 1, s. XIV/XV), Erwägt man dazu noch, daß die abendländische Kirche ein Interesse daran hatte, den Xanien des Arianers zu unterdrücken, so erhalten die an- geführten Zeugnisse für diesen ihr volles Gewicht. Doch ist damit die Frage nach dem A'^erfasser jener Psalmenhomilien noch nicht endgültig entschieden: sie muß vielmehr einer be- sonderen Untersuchung vorbehalten bleiben, die erst geführt werden kann, wenn einmal das in den Psalmenkatenen erhaltene Asteriosmaterial publiziert ist und nachgeprüft werden kann.

Yon den in den Evangelienkatenen überlieferten Asterios- fragmenten sind alle mit einer Ausnahme sicher dem Amasener zuzuweisen. Seiner Herkunft nach zweifelhaft ist nur ein in der Matthäuskatene des Niketas stehendes Bruchstück. Es ist dort mit dem Kommentar des Katenenschreibers verschmolzen, konnte aber mit Hilfe einer andern Katene von Sickenberger (Titus von Bostra T. U. XXI. 1 p. 53) agnosziert werden. Es steht zu Matth. 2, 2 und lautet: Tdya de xal xf/g ävTixeiiuevi]g övvdjiieojg rfj ejiicfaveia rov Kvqiov ävoneoag XoiJibv yevoijLevrjg ahßojiisvoi y.axaoyov jj.EV)]g xrjg heoyeiag avxcoi' jiieyd?Jiv xi/v dv- vajiuv xcp xeyßEvxi 7ioooefJ.agxvoovv öid xovxo evgovxeg x6 Tiaidiov TiQOoey.vvYjoav avxcö ev öcogoig. Ob wir hier ein Zitat aus dem Evangelienkommentar des Arianers oder aus einer verlorenen Predigt des Amasener Bischofs vor uns haben, läßt sich nicht entscheiden. Dagegen sind zweifellos Eigentum des letzteren die in zwei Lukaskatenen überlieferten Asteriosscholien. Die eine enthält 4 Bruchstücke, von denen aber nur eins bereits abgedruckt ist: es steht zu Luk. 8,43 und erweist sich als ein verkürztes Zitat aus der Homilie eig xijv a{u6ggovv Ai'X)] de ioxlv fj ev Ilaveddi xcp Xgioxco oxi'joaoa xov yakxovv ävögidvxa eig dfxoißijV xvjg evegyeoiag^ ov y.al im Ma^tjLiiavov y.aOaige- dfjvai {(faoi?) xov dvooeßovg ngb xov jueyd/.ov Kcovoxavxivov ßaodevovxog ^. Die andere ist die Katene des Xiketas von Heraklea. Sie enthält 27 Asteriosscholien. die in der von Mai veranstalteten Teiledition gedruckt sind ^Script. Vet. Nov. Col- lect. IX, vgl. die lateinische Rezension dieser Katene. die Lukas-

1) Bei Mai, Nova patrum bibl. IV, 1, p. l'JS; benützt und besprochen bei E. von Dobschütz: Christusbilder p. 255 '^•. Vollständiger kehrt es wieder in der Niketaskatene zu Lukas.

Die Überlieferung.

25

katene des Conleriiis, Antwerpen H')2Si. Nach der Untersuchung Siokenbergors (Die Lukaskatene des Niketas von Ileraklea T. U. XXII, 4) benützte der Verfasser dieses KettiMikoninientars nicht immer die Originale, sondern vielfach Mittelquellen. Dies trifft auch für sein Verhältnis zu den Asterioshomilien zu. Von der Rede etg Tov iy. y.oi'/ua^ TvqAov sind große Al>schnitte unbenutzt ge- blieben; was benutzt ist wie MPCt 40, '252 d— 253 c, erscheint in stark verkürzter und umstilisierter Gestalt. Und zwar deckt sich die Auswahl der Stellen und die Art ihrer Yeränderung fast ganz mit der. die man bei Photius beobachtet, und ein genauer Vergleich ergibt, daß Xiketas nicht aus dem Original, sondern eben aus Photios geschöpft hat. Die peinliche Sorg- falt, mit der er sich an diesen anschließt, zeigt sich u. a. auch darin, daß er zu der bei Luk. IS, .c. ff. erzählten Blindenheilung das Photiosexzerpt aus der Rede elg röv ex xodiag TV(pl6v, der doch eine Perikope des Johannesevangeliums zugrunde liegt, ausschreibt, nicht ohne auf den Unterschied aufmerksam zu machen; vgl, p. 703 Mai "Etego^ ovxog sotiv 6 TvrfXog nagä röv tx yevETijg ov 7(odrr)]g /.lejinnjTai. Mit solchen erklärenden oder einführenden Zusätzen geht er öfters über den Photiostext hinaus. An einigen Stellen liegt aber eine wesentliche Er- weiterung vor; so in den Scholien p. 705 M, p. 690 M, p. 673 M. Also hat er entweder einen vollständigeren Photiostext gehabt als wir, oder er entnahm jene Stellen dem Original. Jene An- nahme könnte sich auf eine Tatsache stützen, auf die Br. Keil aufmerksam macht: es gibt in Venedig zwei Photioshandschriften, in denen gegenüber A Scholien erweitert sind. Aber die Be- obachtung Sickenbergers, daß Xiketas bei weitaus den meisten Scholien auf die Originaltexte zurückging, legt uns die andere Erkläiung näher. Sie wird uns bestätigt durch eine weitere Erscheinung: Xiketas zitiert auch zwei Stellen aus der Buß- predigt, aber nicht mit dem Xamen Asterios. sondern unter dem des Gregor von Xyssa, dem auch die Handschriften diese Rede zuschreiben, und zwar stimmt der Text nach Sicken- bergers Angabe (p. 75i mit dem Migneschen überein. Somit ist Xiketas der älteste Zeuge für diese Zuweisung. Ferner hatte er noch den vollständigen Text der uns verlorenen Reden eig TOV Zay.yaTov und eig jrjv atjuaogom' vor sich ; denn aus diesen stammen jene Zitate, die Photios nicht hat.

Aus der X'iketaskatene übernahm wahrscheinlich durch lateinische Zwischenquellen Thomas von Aquino eine Reihe von

26 Bretz, Studien und Teste zu Asterios vou Amasea.

Asteriosscholien in seine Catena Aurea, vielfach mit einem unbestimmten „Graecus" im Lemma.

6. Von den panegyrischen Reden des Asterios fand in der Zeit nach Photios nur eine, das Enkomion auf Phokas, größere Beachtung und Verbreitung. Symeon Metaphrastes hat es in verkürzter Fassung in die Sammlung seiner Heiligenviten auf- genommen nnd mit ihm der später vielvariierten Phokaslegende in ihrer ältesten Gestalt ein Fortleben gesicherte

Die IJberlieferungsgeschichte des Asterios wäre unvoll- ständig, wenn nicht auch jene Reden Erwähnung fänden, die vereinzelt in Hdss. oder in Zeugnissen unter seinem !Namen auftauchen, aber auf den ersten Blick sich als unecht verraten.

3. Kapitel; Das Eukoniioii auf den hl. Basileus und andere ottenkundige Fälschungen.

1. In der Untersuchung von Bauer S. 72 wird unter den zweifellos echten Asteriosreden eine Rede auf den Märtyrer Basileus oder Basilius genannt, die im Unterschied zu dem sog. Martyrium des Johannes Presbyter ^ auf diesen Heiligen in der Überlieferung als Enkomion bezeichnet wird. Sie ist zusammen mit diesem abgedruckt in Acta SS. April. III, p. LVI LX unter dem Titel: 'Eyy.oji.iiov elg tov äyiov leooudorvoa BaoüJa und beginnt mit den Worten: Ol t6 imyeiov y.odjog hr/ßvieq. Die Überlieferung ist meist anonym:

1. cod. S9I Britanniens bibl. com. de Leicester, membr. s.XII, fol. 192-201^ (Boll.).

2. Messanensis 26 membr. s. XIII, Xr. 10 (Boll.), fol. 160^ bis 168 (m).

3. Messanensis 27 membr. s. XII, Xr. 16 (Boll.). fol. 274^ bis 280^ (m).

1) Über die jüngeren Fassungen der Legende, die eine Weiterbildung der asterianischen darstellen, vgl. van de Vorst, Saint Phocas, Anal. Boll. XXX, S. 252ff. Besprochen von Ehrhard. Byzaut. Ztschr. XXI, S. 309 f.

*; Dieser soll nach Ehrhard bei Krumbacher, Byzaut. Lit. S. 205 um 1322 gestorben sein. Diese Angabe beruht auf einem Versehen. Ein Kodex des Martyriums, der Mosquensis 380, ist auf das Jahr 1022, ein anderer, der Yaticanus 1660, sogar auf 916 datiert.

Die Überlieferung. 27

4. Monacensis 524 bombyc. s. XTV, fol. 77 84 (m).

5. Mosquensis 377 niembr. s. XI (Wladimir), fol. 235 . . . Bn- adeiov fsic)

(i. Parisinus gr. 1()(I4 mcmbv. s. XT, fol. 1S()_2()4i (in).

7. Romaniis-Angelicanus 40, olim Sforzianiis 114, inembr. s! XII (St-udi ital. 4. p. 14 und C. p. 172): dio Vorlage der Ausgabe in den A. SS.

Dazu kommen Handschriften mit dem Namen des Asterios im Lemma:

8. Athous-Yatopedianus 548, membr. a. 1422, fol. 154 bis

166^ MnQJVQiov Tov äyiov isQo^udoTVQog Baoi/Jwg ovy-

ygacph' nagä 'Äoiegioi' äo/iemoy.ojTov rrjg ai'Tj)s 7T6?.eo)i;

'AnaoFiag (nach einer persönlichen Mitteilung von Prof.

Ehrhard).

9. Athous 2051 bibl. /wr. 'Eocpiyjuevov (Lampros) chart. s. XY (a. 1417) AoTeolov l. 'Ajti. eyxdjfuov eig t. ay. legofi. BaoiXea enioxonov rijs avrt'jg jiöXecoc: Auaoeiag.

10. Oxoniensis - Clarkianus 44 (Catal. bibl. Angl.), fol. 75 Asterii in Basilium encomium. Die Angabe des Alters der Hds. fehlt.

Nicht näher datierbar ist auch das einzige Zeugnis der Nebenüberlieferung, eine Stelle im Typikon des hl. Sabas, auf die zuerst Cotelier, Eccles. Graec. mon. II, p. 516 aufmerksam machte: Addo verba typici S. Sabae f. 49 ad Aprilis XXYI. Tov äyiov Isgoudorvoog Baoi?J(og ln:ioy.6.-Tov \4./iiaaeiag' etg tov ög^gov ävayivcöoy.oaev t6 tyy.o\uiov 'Aoiegiov en. 'Au. Bekannt- lich ist das Typikon des im Jahre 524 verstorbenen Sabes mehr- fach überarbeitet; welcher Rezension unsere Stelle angehört, läßt sich nicht feststellen. Nur soviel läßt sich sagen, daß sie in dem leider nicht vollständigen Text fehlt, den Kurz als ur- sprünglichen Bestandteil des Typikons publiziert hat (Byzant. Ztschr. HTl 68 170). Die Glaubwürdigkeit dieser Überliefe- rung kann also nicht weiter erwiesen werden. Die Entscheidung über die Verfasserschaft des Asterios ist aber von einer andern Seite aus leicht. Sowohl Inhalt als auch Stil des Enkomions

^) Es stand auch einmal im Paris. 1529 (membr. s. XII). wie aus dem an der Spitze des Kodex stehenden Verzeichnis seiner Viten hervorgeht; vgl. Ehrhard Festschrift p. 70 Anm. 2.

2S Bretz. Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

schließen die Annahme, daß Asterios sein Verfasser sei, völlig aus. Schon Tillemont (hist. eccles. X, p. 414) hat dieses Urteil ausgesprochen auf Grund seiner Beobachtung, daß die Rede nicht in Amasea gehalten ist und vom asterianischen Stil stark abweichte Dazu kommt ein anderes Argument: Die in dem Enkomion niedergelegte Legende erzählt, daß der Leichnam des Basileus in Sinope ans Land getrieben wurde und dadurch dieser Stadt eine besondere Weihe gab. Von dieser Bedeu- tung Sinopes weiß aber Asterios in dem Enkomion auf Phokas, wo er die Stadt als dessen Jiatgig lobt, nicht das geringste; er kennt dort nur pagane Philosophen aus Sinope und zwar denkt er ausschließlich an Kyniker (vgl. unten S. 49). Die entschuldigenden Bemerkungen, die er der rührenden Hervorhebung der nichtchrist- lichen Tugendhelden beifügt, hätte er nicht nötig gehabt, wenn ihm die Geschichte des Basileus, der sogar sein Vorgänger auf dem Bischofsstuhl von Amasea gewesen sein soll, bekannt ge- wesen wäre. Es ist demnach undenkbar, daß der Amasener Bischof diese Legende gestaltet haben könne; die uns vor- liegende Fassung ist vielmehr geraume Zeit nach dem Tode des Asterios entstanden, wie aus einer Angabe des Enkomions folgt, die sich als ein oraculum ex eventu erweist: Basileus hat in der Xacht vor seinem Tode eine Vision und hört dabei eine göttliche Stimme, die ihm u. a. weissagt: e7zioy.o:rrjg rov doovov diade/eiai ö rov Kalhoiodrov EvTV/iog (Act. SS. April. III, p. LVIII). Dieser Eutychios ist kein anderer als der spätere Patriarch von Konstantinopel (552 56 und 577 86), der vor- her Archimandrit in Amasea war (vgl. die vita des Eustratios MPG b6, 1-: p. 2273ff. und Krüger bei Hauck R. E. f. prot. Th.b\ p. 648, Jülicher bei Pauly-Wiss. R. E. XI, p. 15:^5). Zu Leb- zeiten dieses Kirchenfürsten kann allerdings die Tradition, daß ein in der Licinianischen Verfolgung umgekommener Märtyrer sein unmittelbarer V^orgänger in Amasea gewesen sei, nicht entstanden sein; sie ist frühestens um 6()() möo-lich. Der ter-

' Um dennoch das Zeugnis des Typikons, von dessen Überarbei- tungen er ofl'enbar nichts weiß, aufrecht zu erlialten, will es Tillemont auf ein von dem vorliegenden verschiedenes, verlorenes Enkomion des Asterios auf Basileus bezogen wissen. Dieser willkürlichen Annahme, der sich auch C'eillier, Histoire generale des auteurs sacres et ecclesiastiques VI, p. 308 anschließt, steht jedoch die Überlieferung in den beiden nicht anonymen Handschriften, vor allem aber der im folgenden geltend ge-

Die Überlieferung. 29

minus ante quem aber ergibt sich aus der Tatsache, daß um das Jahr UHM) die Lobrede von Symeou dem ^[etaphrasten in die Sammking seiner 1 [eiligen viten für den Monat April auf- genommen wurde.

2. Es bleibt nun noch eine kuriose Fälschung aus der späteren Humanistenzeit zu erwähnen. Von dem ausgezeichneten Bam- berger Gräzisten Joachim Camerarius gibt es in griechischer Sprache ein Andachtsbuch mit Predigten auf alle Festtage des Kirchen Jahrs: Homiliae qui sunt sermones habiti de eis, quae in Chrisrianis ecclesiis leguntvu- congregato populo diebus festis excerpta ex scripturis evangelicis auctore loachimo Camerario, Lipsiae 1573. Aus dieser Sammlung tauchen nun die Homilien 1 4 und 6 S in einem Faszikel von Handschriften des Hol- stenius, nämlich im Barberinus Gr. 553, unter dem Namen des Asterios auf. Am Rande ist jedoch zu jeder Predigt ihre Her- kunft lateinisch vermerkt. Herr von Soden, der die Homilien dort entdeckte, bemerkt dazu „die lateinischen jSotizen könnten von Holstenius sein, das Griechische ist nicht von seiner Hand'' und gibt denn folgende Beschreibung:

fol. 95^ rov ev äyi'oig jrarods yncTjv äoTegiov oudia Tijg /iivt]- iu)]g äjiooToXov ävdgea. juanD^. d'. Inc. 'H rfjg evayyeXiy.rjg Ttgay/ua- Tsiag. Dazu am Rande: Joachimi Camerarii habetur impressa in opere (?) homiliarum hinc falso et malitiosius S. Asterio ad- se(rt)ione ab homine haeretico, qui catholicis finem facere conatus est. Misit autem eas Roma Elias Chisi genus Augu- stanus.

fol. 97 '^ T. l. ä. 7X. }). ä. eig tIjv rrocor/yj' y.vQiayJ]r r)~jg y.akov- jiiey)]g Tiaoovoiag. t-iaxd. x . Inc. Ol ey.y.hjoiaoTixol ovlloyoi. lo- achimi Camerarii . . . Asterii, sub cuius nomine haereticus finera facere catholicis conatus est.

fol. 99* xrj devrega. rTjg y.akov^usvijg Tiaoovoiag. kovy.ä y.a . Am Rande: Joachimi Camerarii in opere homiliarum graece edit. Lipsiae in quarto. Inc. Au]yi]oig eri.

fol. 101* T/7 TOiTj] fiaxd. la. Inc. MaoxvQiov ry.y.eixai. Am Rande wie vorher.

fol. 103* xf] Tiob xcor yeve&'/Icov yvoiaHij. hoarr. a. Inc. "Oxl juev Ol lovd. Am Rande wie vorher.

fol. 105* xoTg yeved/Joig xov yv. koavv. ct. Inc. "Ev xovxoig ext. Am Rande wie vorher.

30 Bretz, Studien und Texte zu Asteiios von Amasea.

fol. 107^ rf] t;)s j^irijU}]^ tov äyiov Zxeffdvov. /-laiß. xy . Inc. TCov TiaibfVTiy.Cov ngoncov. Am Kaiide wie vorher.

3. Nicht auf bewußter Fälschung des Autornamens, son- dern auf einem Versehen der Handschriften- oder Katalog- schreiber beruht die Zuweisung anderer Reden an Asterios. So ist wohl ein Irrtum Montfaucons zu erklären : In seiner Biblio- theca bibliothecarum t. 1, p. 696^ registriert er aus einem alten Katalog der Bibliothek des Kardinals Sforza (= cod. Chisianus 1555) den Inhalt des Sfortianus 11 und notiert daraus nach der Rede des Asterios auf den Blindgeborenen (vgl. oben YII2): eiusdem homilia ex interpretatione evangelii secundum loannem: Erat quidam qui infirmabatur nomine Lazaro. Yon einer solchen Predigt des Asterios findet sich sonst nirgends eine Spur. Die Nachprüfung dieser Angabe, die Herr von Soden in Rom vor- nahm, ergab denn auch, daß diese im Sfortianus 11, d. i. im heutigen Angelicanus 1 25 fehlt und daß auch alte und zuver- lässigere Kataloge wie z. B. der Yaticanus 3958 (vgl. Piccolo- mini, Studi ital. 4, p. 13^) von ihrem Vorhandensein in der alten Sforziana nichts wissen. Offenbar hat man eine von den fünf auf jenen Bibeltext sich beziehenden Chrysostomospredigten, die sich im Sfortianus II zerstreut finden, versehentlich dem Asterios zugezählt. Nicht viel anders wird eine andere Notiz Montfaucons zu beurteilen sein, die er S. 1312'^ aus dem Cod. Mazarinus 44 gibt: 8. In dictum Evangelii; „Abeuntes Phari- saei consilium etc." volunt quidam Asterii esse.

Nach Ausscheidung dieser für Asterios nur ungenügend oder nachweisbar falsch bezeugten Schriften bleibt die Frage der Echtheit nur für jene Reden offen, die in den Exzerpten des Photios im Gegensatz zu dem Zeugnisse der Handschriften und der sonstigen Überlieferung unter dem Namen des Asterios erscheinen. Mit Hilfe der äußeren Kritik ist diese Frage nicht zu entscheiden. Ihrer Art nach sind nämlich die beiden ein- ander gegenüberstehenden Zeugnisse durchaus gleichwertig. So- weit sich die Textgeschichte zurückverfolgen läßt, fehlt jedes Anzeichen eines besonderen Corpus von Asteriosreden, viel- mehr geht der größte Teil der Überlieferimg, wie die Anlage der Hdss. erkennen läßt, ebenso wie die Nebenüberlieferung bei Photios auf Ilomiliarien und ähnliche Sammlungen von Predigten der Väter zurück. Demnach war die Gefahr einer Verwechslun": des Autornamens für die Abschreiber außer-

Die Überlieferung. 31

ordentlich groß. Wenn sicli also unsere auf solcher Überliefe- rung bcruhcnilen Zeugnisse in der Angabe des Ycn-fassers widersprechen, so kann keines unbedingte Glaubwürdigkeit be- anspruchen. Auch die Autorität des Photios entscheidet nichts. Seine Angaben haben vor denen der Hdss. nur den Vorzug des höheren. Alters. Die Echtheitsfrage der von ihm dem Asterios zugewiesenen Reden:

'Eyxd>j.uov f/'s Tov uyiov ::TO(oto/.idoTvoa ^je(favov (S), IlooToeTijiy.bi; Tieoi ueravoiag (P), ÄdyGg eig rijv Txaoeioßaon' nhr v)]oreicov (J) ^ ist also mit der Berufung auf ihn nur umgangen, nicht gelöst. Die Entscheidung ist hier nur durch innere Kritik möglich.

*) Es sei gestattet, in der folgenden Untersuchung die Reden durch die in Klammern beigefügten Buchstaben kurz zu bezeichnen.

Zweiter Teil.

Über die Echtheit der drei nur durch Photios für Asterios bezeugten Reden.

I.Kapitel: Geschichte der Echtheitsfrage. Methode der Kritik.

Die Aufgabe, das Zeugnis des Photios über den Verfasser der drei Reden, die in der handschriftlichen Überlieferung unter dem Namen des Gregor von Xyssa oder des Proklos von Kon- stantinopel gehen, nachzuprüfen, hat sich noch niemand ernst- lich gestellt. Die ersten Herausgeber hielten sich an das Zeug- nis ihrer Handschriften. Demgemäß erschienen P und J unter Gregor von Xyssas Werken^. S in einer Ausgabe der Werke des Proklos von Konstantinopel -. Erst Combefis macht auf die Photiosexzerpte mit ihren der handschriftlichen Überliefe- rung widersprechenden Angaben aufmerksam, übernimmt S in seine Gesamtausgabe des Asterios und macht für diese Zu- weisun<T auch eine gewisse Stilverwandtschaft o-eltend^. Seitdem wurde die Frage nur kurz in kirchengeschichtlichen Darstellungen gestreift, jedoch ohne irgendwie mit klaren Gründen gefördert zu werden. Es erübrigt sich deshalb, hier auf diese Literatur genauer einzugehen'^. Erwähnt sei nur aus neuerer Zeit Ceil-

^) Greg. Nyss. opera ed. Gretser, t. II, p. 165 und 247, Paris. 1638; vom gleichen Herausgeber auch schon früher ediert und zwar P^ 1618, Ji 1617, J-^ 1618.

-) S. Patris Prodi archiepiscopi Const. Analecta ed. Vinc. Riccar- dus 1G30.

»j Auctarium jS'ovum Bibl. Patr. t. I (1648). p. 238 ff.

*) Vgl. Du Pin, Nouvelles bibliotheques des auteurs ecciesiastiques t. III, p. 81 f. Tillemont, Memoires pour servir ä Thist. eccles. X, p. 418. Paniel: Pragmatische Geschichte der christliclien Beredsamkeit I, 1, p. 539, 542, 566 f. (recht unklar). Ceiilier, Histoire generale des auteurs sacres VI-, p. 304f. Vgl. auch Usener. Religionsgesch. Unters. I, S. 244 Anm. 11.

über d. Echtheit tl. drei nur d. Thotios f. Asterios bezeugt. Reden. 33

liers, auf Tillemonr fußcMidos Urteil: Das Zeugnis des Photios über S bestätigt sieh ihm durch die Beobachtung, daß darin in gleicher Weise wie in dem echten Enkomion auf Petrus und Paulus betont wird, nur Stephanus. nicht Paulus sei Christus in ^lenschengestalt erschienen. Zuletzt scheint die Frage über- haupt in Yergessenheit geraten zu sein. Seitdem die 3 Pre- digten zusammen mit dem übrigen bis dahin bekannten Xach- lalä des Asterios in der Migneschen Patrologie publiziert sind, gilt Asterios schlechthin als ihr Verfasser.

Hier hat also eine neue, mit allen Mitteln der Kritik zu füiirende Untersuchung einzusetzen, die an dem Bilde des Schriftstellers die markanten Züge feststellt, um so für die Ent- scheidung der Echtheitsfrage die sicheren Kriterien zu gewinnen. Zwei Methoden stehen dafür zu Gebote: Analyse und Yergleieh des Inhalts und der Sprache. Die zweite ist neben der ersten, wenn auch nur zur Kontrolle, unentbehrlich; denn der Bischof der Provinzialgemeinde Amasea ist wohl ein Typus von be- stimmtem Gepräge, aber kein originaler Geist, mehr ein Meister des Wortes als ein Schöpfer und Prediger tiefer Gedanken.

2. Kapitel: Charakteristik der asteriaiüschen Predigt nach ihrem Inhalt.

I. Die allgemeinen geschichtlichen Voraussetzungen.

Eine solche Erscheinung, die für den Geistesfortschritt der Menschheit wenig zu bedeuten hat, kann nur auf dem Boden ihrer Zeit und ihres Wirkungsortes verstanden werden. Damals, am Ende des 4. Jahrhunderts, war die Kirche in ein neues Stadium ihrer Entwicklung getreten^: unter dem Schutze des Staates hatte die Ausbildung ihrer Lehre und die Organisation ihrer Verwaltung einen raschen Abschluß gefunden: sie bildete einen Staat im Staate, und ganze Völker wanderten in ihre weiten Tore ein. als die Auflösung des Reiches begann. Bei dieser Art der Christianisierung wurde mehr der j^ame als das Wesen geändert, und heidnische Sitten und Anschauungen lebten unter den christlichen Formen kräftig weiter. Dem Bischofs-

') Vgl. Bonwetsch, Griechisch-orthodoxes Christentum uud Kirche, Kultur der Gegenwart I, IV, 1- (I909j, p. 161 ff.

T. u.V. 13: Bretz. 3

34 Bretz, Stuclieu und Texte zu Asterios von Amasea.

und Priesteramt erwuchs daraus eine besondere Bedeutung für die pädagogische Leitung der schnell anwachsenden Gemeinden. Aber für die Ausbildung zu diesem Dienst fehlten der Kirche eigene Schulen; sie war dafür auf die alten Rhetorenschulen angewiesen. Hier nährte sich der Geist des späteren Klerikers von dem reichen Erbe der antiken Kultur, vor allem erwarb er sich eine formale Bildung und lernte die Kunst, durch die Gewalt des Wortes auf die Massen zu wirken. Darum über- wog in der Predigt jener Zeit die Rhetorik stark den geistigen Gehalt. Dieser war um so dürftiger, je mehr das Dogma erstarrte und je geringer das Bedürfnis der Gemeinde und des Predigers war, die Lehre verstandesmäßig zu erfassen. Diese Entwicklung barg manche Gefahren in sich: die Kanzel- rede büßte ebenso die werbende Kraft und Frische der um die Einzelseele sich mühenden Missionspredigt wie die echte, im Kampf um die Weltanschauung entfachte Leidenschaft des apologetischen Traktates ein ; der ganze Hauch persönlichen Lebens, der über der Literatur des Urchristentums liegt, ging ihr verloren; ja die urchristliche Gedankenwelt selbst änderte sich, indem sich antikheidnische Vorstellungen in Frömmigkeit und Sittlichkeit einschlichen.

Damit ist bereits die allgemeine Signatur der asterianischen Predigt gegeben; wir können nun versuchen, ihre Stelle inner- halb des beschriebenen Rahmens genauer zu bestimmen.

II. Kappadokische Einflüsse.

Wir gehen aus von der durch einzelne Äußerungen des Asterios ^ beglaubigten Überlieferung, daß sein Bischofssitz die Metropolis Amasea in der Provinz Helenopontos war. Diese Landschaft war ehedem wie auch später wieder mit Kappa- dokien verbunden-; vielleicht hatte noch damals der Bischof von Cäsarea das Exarchat über die politische Diözese Amasea inne ^. Jedenfalls bestanden seit alters zwischen Kappadokien und dem Pontus enge Beziehungen, die eine besondere Be- deutung erlangen mußten, als durch die drei großen Kappa-

') In der Rede auf Phokas (or. IX) spricht er vom benachbarten Sinope (o04C) sowie von pontLschen Skythenvölkern (313 AB).

■-) üsener. Relig. Forschungen I, S. 250 Aum. 27; Nilles, Kalendarium Manuale II, S. 744.

^) Lübeck , Eeichseinteilung und kirchl. Hierarchie des Orients, Kirchl. Stud. 5, 4, S. 189 f.

über d, Echtheit d. drei nur d. Pliotios f. Asterios bezeugt. Reden. 35

dokicr Basilios, (n-cgcir von Nyssa und Gregor von Nazianz das Geistosloben dos ganzen Orientes am Ende des 4. Jahr- hundorts nene, starke Impulse erfuhr. Es ist schwer zu denJcen, daß sich der Bischof von Aniasoa dem gewaltigen EinHuß dieser Männer, die das goldene Zeitalter der altchristliclien Literatur begründeten, hätte entziehen können. Von persönlichen Be- ziehungen findet sich allerdings nirgends eine Spur; die lite- rarischen sind dagegen unverkennbar. Aus einer Predigt wird dies Verhältnis besonders deutlich; es ist das Enkomion auf Petrus und Paulus (or. VIII, M. 40, 264 Äff.). In der Ein- leitung spricht der Redner von der Bedeutung der Heiligenfeste und fährt dann fort: 7iavi]yvQEig doiv, ev alg ol ngöeögoi xcov exxh^oiöJv, özav Jigög x6 Xeyeiv äcpixcovtai, rag eavicöv övvd- jLisig ävTsierd^ovreg reo fxeye'ßei rc5v vjio'&eoecov Ev^vg h' TiQooiuioig Ttgög tj)j' ovyyvdjjU7]v xal n)v Tzagalri-joiv xara- qoevyovoiv xcd cpaoiv sXarrovv zijv rcov TiQay i^idrcov jusya- loTiQ eneiav rfj xov Xoyou /LUXQorijri. Ei d^ ixeTvoi rovg xad'' e'y.aoTOv rcöy /naoTuoojv Eyy.(j)[ud'Qeiv [^lElkovxEg äjiayoQEvovoi nqog xov l'nmvov y.al katxnoä xfj cpwvfj xijv ocpöjv avxcov ofxoAo- yovoiv äod'EVEiav, xig dv yEVoijmjv iyco oiiueqov usw.

Was Asterios hier beschreibt, ist nichts anderes als die alte Rhetorenregel, im Prömium der Lobrede von der Schwierig- keit der Aufgabe zu sprechen; aber er verweist für diesen Brauch auf das Beispiel der jiqoeöqoi xcöv ExxhioiMv. Wen er damit meint, ist nicht zweifelhaft; für Gregor von Nyssa und Gregor von ^N^azianz ist diese Praxis bereits im einzelnen er- wiesen ^ Ein Vergleich der Worte des Asterios mit den über- lieferten Reden der beiden Gregore und des Basilios von Cäsarea es kommen nur die eigentlichen Märtyrerreden in Betracht zeigt, daß Asterios vor allem zwei im Auge hat, die durch die von ihm beschriebene Technik geradezu auffallen, nämlich die Rede des Nysseners auf die 40 Märtyrer (M. 46, p. 773 If.j und die des Basilios auf Mamas (M. 31, p. 5S9 ff.). In jener legt Gregor zunächst den Zweck des Festes dar und fährt dann fort: 773 C 'Eaol ös Tigoxeixai di:ilovg äyan> y.al ÖEog, ,«// xadv- ßgioco jLüjv xjjv vnodEOiv xfj äo&evEia xfjg i^ijyijoECog' Eixs ydo EworjOELE xig auxov xov iv yßool TTodyjitaxog x)]v [XEyalo-

') Vgl. Meridier, L'influence de la seconde sophistique sur l'oeuvre de Gregoire de Nysse S. 225 ff. Hürth , De Gregorii Naz. laudationibus funebribus, Üiss. Philolog. Argentor. XII, 1. Bauer, Die Trostredeu des hl. Gregor von Nyssa, Diss. Marb. 1892.

3*

36 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

TioETteinv . . . ehe t6v ttqo f/fuov dia Ti)s favroc oocfiag ote- (parojoavra Tovg ayiovg. Darauf folgt ein hochtönendes Lob der Kunst seines Yorgängers, nämlich des Basilios, der vorher den gleichen Gegenstand in einer Rede behandelt hatte (ävi]Q ov "ßavjua Tfjg oiy.ovjuev^jg xoivov, Ttaiöeiaz ri/g te ffiloooq:iag äya?.jua, ETTioy.OTcoiv Tr.TO? y.al y.ivdvvog, diödoy.akog eoycov y.al Xoycov ov/x- (po)vog usw.); es schließt mit der bei Asterios ähnlich lauten- den Selbstermunterung: 'E/iol de ov öiä xovro oi(jo:^)]teov usw. Noch deutlicher ist die Bezugnahme des Asterios auf die ge- nannte Rede des vielgefeierten Meisters selbst. In seinem En- komion auf Mamas findet nämlich jenes Gefühl der Unfähigkeit wiederholt den stärksten Ausdruck (5S9 B Ovx äyvoco jue- yedog tö}v vtio rrjg 7iav7]yvo£0)g eyy.wfdov, aXV cooTieg tovxo em- ora/uai, ovtoj y.al rrjg äodsveiag rrjg Ejuavrov eTxaioddvo- fiai usw.; 597 D tj)v ijjuereoav äoß £7> siav i^eßidaaro EVJieißeg rijg vfieregag äxoijg usw.); nur hier läßt sich der Redner dazu herab, förmlich um Entschuldigung zu bitten (589 D {]fW)v rfj dodeveia ovyyvcorej.

An diesen Mustern hat sich also Asterios für seine eigene Praxis orientiert. Die Art und der Umfang ihres Einflusses wird klar, wenn wir die Berührungen der beiden Predigten des Asterios und des Basilios weiter verfolgen. Im antiken En- komion schließt sich an die Einleitung die Behandlung der einzelnen rojioi eyy.cojiuaoriy.oi an, und zwar ist zunächst von Familie, Yaterstadt UTid Yolk zu sprechen. Doch ist die Er- wähnung dieser äußeren Yorzüge, welche die Person selbst nicht betreffen, nicht durchaus verbindlich, sie können unter Umständen ganz übergangen werden^. Die Christen erheben nun diese Möglichkeit zum Prinzip, ohne sich freilich strenge daran zu halten. Den Kampfesruf gab Basilios aus in seiner berühmten Programmschrift ül^er die Benützung der heidnischen Autoren (c. 3 M. 31, p. 569 B y.al gijrogojv de rijj' ^legl y^^ev- öeoßai reyvrjv ov juifiyoöjueda). Seine Forderung kehrt in den Enkomien der Kappadokier an der Stelle, wo jene rojioi zu behandeln sind, in verschiedener Fassung immer wieder. In der genannten Rede auf Mamas erscheint sie in folgender Ge- stalt: 592 A ov ydg eyojuev avröv y.ard röv vojiiov röjv e^oidev eyxojjuiojv djiooejLivvveiV ovx eyo/iiev Aeyeiv naregag y.al jtqo- yovovg negicpaveTg . . ., eJiel ö ye rijg aki^deiag {vö/uog) Tdia iydoiov dnairel rd eyy.dof^ua. Asterios variiert dies in folgender

>) Vgl. Walz, Khet. gr. 111, p. 419.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. 37

Weise: 2()5 B Mtjdei^ ö^. /.le ouj&eii/ . . . x<>7<; vojLioig axo^^ovßt'joeiv rfig oocfiag tTjs l'^coOey. od yuo Ttyrij ov/xei/LUV)] y.oXay.eiav utifo- yaQöi.ieda, ukkä ifv/öjv (fiXoOewv noFxijv jueru aXi] d eiag vjiiiv Tragaoifjoai ojiovödCouev. Jio ouojiijä/joerai yevog xai Jiari- (j(ov negic/ dreia usw. Die Alilelimiiii»" dieses unwahren Lobes stützt sich auf die Tatsache, daß sich die Tüchtigkeit nicht ver- erbt. Basilios belegt diesen Satz mit Beispielen aus der Tier- welt: ol're ydg I'tittov rcr/hv noiel fj zov jiaiQog . . . ev/uoiQia ovxe Hvvog iyy.co/iiiov ro by. ray^vxQxoiv cfvvat ... xi Jigög xöv TiaTda y xov naxgog TxeQKfuvELa; Asterios führt den Gedanken etwas breiter aus (205 C Dj und ersetzt die nicht ganz glücklieh gewcählten Beispiele des Basilios durch solche aus dem Menschen- leben (2G5 D yiverai yäo aocoxog 6 tov fj dooorfov y.ai cpiXoaocpog 6 xov q?ih]ö6vov)^ vor allem aber durch solche aus der bib- lischen Geschichte und zwar nicht ohne polemische Färbung des Tones (2ö5 D ovy eoxiv ukXoOev TiolvjiQay f^iovovvxag juadelv dAA' i^ avxfjg xfjg leoäg f/judöv rgaffijg). In der Betonung des eigenen Verdienstes des Märtyrers geht nun Basilios soweit, die herkömmliche Behandlung des ytvog umzukehren: 592 A. Ovxcog ovx elaßev heQW&ev x6 Tcegicpaveg, dX/J avxog xco i(pE^)Jg ßico lauTtx rjou evy.leiag di>fji/'ei' usw. Ahnlich sagt Asterios mit Verwendung des nämlichen Bildes: 26S B ix xcTw jzod^ecov xov viov oejiivvvoj xov yei'V)]odjtievov xai xdxoi'&ev dg^djUEVog im xd avco nagan^iTio) rijv öo^av cootieq et Ivxvol oi vvxxcoo ex xov EÖdcpovg rovg do6q)ovg (pooxiCovxEg. Ebenso wird dann bei Basilios wie bei Asterios ein anderer Maßstab für die Bewertung der äußeren Güter imd des E7xixi]dEi\ua aufgestellt: Basilios fordert 592 C EvoEßEcag Eoydx)]g eoo' avxij ydg xai Eig ovgavöv OE dvoioei und juij dnelßyjg tiXovoiov dai\udCcov, dXXd JZEViav jlcex' EvoeßEiag. Iloijuiji' ovöev jLiEya ovöe oocpbv ejnrijÖEvun. Ovx dv ögyiodEig dvxl övsidovg EiTiEg reo jiaoo^vvavxi ge' :;Toijui]v eI . . , 593 A UoijLiijv xai nEvyjg, xavxa x(o Kgioxiavco xd o£fivoXoy))i.iaxa. Asterios faßt diese Ausführungen zusammen in die Worte: 265 B C Oi'ÖE djib xcbv jiEQiyEiojv xai lyxooiucov rovg ovQavov nolixag xijm'ioojiiEv , dXXd Tidv rovvavxiov TtaxEQoyv dcpavr]g ßiog xai riyvai ßdvavooi xai TCEviag ovofxaQofXEvov övEidog, xavxa xöig EJiaivoig uv}]i.iovEvd})oExaf do^a ydg Xgtoxiarcdv . . . rariEivö- ri]g Eoxiv. Es ist aber bezeichnend, daß von keinem der beiden Redner das Lob in dieser Weise durchgeführt wird. Basilios kann allerdings das Ansehen des Hirtenberufs seines Märtyrers durch den Hinweis auf seine Bedeutung im A. T. und in der

38 Bretz, Studien uud Texte zu Asterios von Amasea.

israelitischen Künigsgeschichte feiern (593 ff.j. Asterios aber, der auf das emT)'jdei\ua des Petrus erst später in einem Ein- wurf zu sprechen kommt, den er sich von einem Gegner machen läßt (276), will nicht zugeben, daß Petrus arm gewesen sei, bloß weil er ein Fischer war, und kann es nicht unterlassen, den Reichtum dieses Berufes zu rühmen fvgl. 276 C ZiydTcooav roivvv . . Ol Tlejoco Tieviav övetdi^orreg usw.). Man erkennt dar- aus leicht, daß dieses wenig gelungene, mit dem vorher auf- gestellten Grundsatz in offenem Widerspruch stehende Lob ebenso wie die Erwähnung dieses Grundsatzes selbst nur durch das literarische Vorbild veranlaßt ist.

jNicht weniger klar liegt dieses Abhängigkeitsverhältnis an. einer anderen Stelle zutage. Basilios schließt seinen Lobpreis des Hirtenberufes mit einer Auslegung des Gleichnisses vom guten Hirten, die ihn auf die christologischen Streitigkeiten seiner Zeit führt. In dem Selbstbekenntnis Jesu, das in diesem Gleichnis niedergelegt ist, und das schon bei den Juden zu einem Schisma Anlaß gab (596 C D), findet er die völlig ausreichende Formel für die Christologie. und in seinem Wort: „Meine Schafe hören meine Stimme usw." sieht er den sichersten Weg zur Gotteserkenntnis. Alle weiteren Fragen wie z. B. Tiöoog Oeög y.al ri juergov auzov y.al jiorajio^ Jip> ovoiav; hält er für unnötige nolvTigay j.ioovvi], ja für gefährlich und unlösbar (597 A). Daher seine Warnung: Mi) juoi jQÖJiovg yevvijoscog jii}]re avrög TeyvoXoysi juvjxe vjto ahiav äväyaye rd jui] aixio- loy)]jLiara . . . "Hy.ovoag Ylöv, voijoov rt]v ngög IlaTSQa öjuoio- Tt]Ta . . (597 B). Diese ganze Invektive gegen die häretischen Erscheinungen in der Theologie des 4. Jahrhunderts nimmt nun Asterios ebenfalls auf; er knüpft sie an das Christusbekenntnis des Petrus an, um dessen klare Einfachheit wirksam hervor- treten zu lassen: 2SI AB ovx änb /laxodg Tivog iJQ^aro negi- vo'icxg oi'ös y.vy./M)' ov?J,oyiojucbi' y.al Tigay/^idrojv neQißaXlofievog UTcey.oivaro Tioog tijv nevoiv , coojieo di] i'vv noieiv sld)ßaoiv ol öeivol oorpiorai y.al reyvokoyoi ryg jrtoTECog, d)JJ ev äjzÄ6r)]ri y.aoöiag ovvzojuov i^sdero ri]v äXrj&eiav ov röv dyevvi]rov öia- ozEiÄag TM yevvi]TCÖ, ov zd tisqI 6/uoiov xai dvojuoiov Äsiixo- Xoyi'joag i/jLTiXrjxzcog ovde zojv vjieg ndvza ovoiöjv jioXvtiq ay- jiiovijoag öiacpoQdv ovde. zi)v d/iEZQi]zov de6z)]za fXEzoijoag oiOdoyiopoTg oia öi] zd 'Aoeiov naiyvia y.al zd Evvojluov Tiagey- yßiQYjfxaxa. Daran schließt sich seine Mahnung: ZijXcoocoiuev zoivvv , (0 Xoioziavoi, cor Tiiazig, ov Txo/.vXoyia z6 yrcbgiofia, zöv

über d. Echtheit d. drei nur d. Pliotios f. Asterios bezeujjt. Reden. ;}9

uXitn . . ., iiF/.FT)'jo(i)tiry /JyFiv ai< fJ XoinTog . ., th dy nkfiorn TOi'TO)}' är/ tti'ni toTs Xoyofiuyoic:.

Asterios folgt also seiner Yorlag-e bis in die Einzelheiten einer theologischen Digression, doch nicht ohne eine gewisse Selbständigkeit zu behaupten. Seine Kritik an der gegnerischen Theologie ist in ihrem Tone merklich schärfer als die des Basilios und richtet sich mehr gegen die Form ihrer dialektischen Spitzfindigkeiten als gegen die Sache selbst^; die Art wie ihre Schlagwörter verwendet werden, zeigt, daB sie Asterios nicht erst aus J^asilios kennt: endlich fügt er bestimmte Xamen, viel- leicht auch bestimmte Buchtitel'-^ bei, wo Basilios die Richtung nur andeutet. Das ist die bewußte Manier des Schülers, der beweisen will, daß er den Meister verstanden hat und über die Fragen, um die es sich handelt, gut unterrichtet ist. In Wahr- heit verrät er aber durch diese deutliche Tendenz nur, daß er dem Kampfe um das Dogma nicht näher steht, wie denn auch die Schlulhvendung seiner Polemik gegen die Theologie eines Areios und eines Eunomios den oifenen Verzicht enthält, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Im ganzen tritt schon hier die geschichtliche Bedeutung des Mannes, wie wir sie oben kurz gekennzeichnet haben i'S. 33 f.), in die Erscheinung: zugleich fällt auf seine Arbeitsweise ein eigentümliches Licht. Das Schrifttum der Kappadokier ist für ihn eine Quelle, aus der er für Form und Inhalt seiner Predigt mehr als bloLie Anregungen schöpft. Wir werden auf diesen ihren geschichtlichen Zusammenhang zu achten haben, wenn "wir nun versuchen, ihre Eigenart im einzelnen zu bestimmen.

III. Der geringe dogmatische Gehalt und das vor- herrschende kultische Interesse.

Die für eine genaue Charakteristik wesentlichen Gesichts- punkte gibt uns der Prediger selbst an die Hand durch folgende

M Ähnlich kritisiert Gregor von Nys.sa in seiner berühmten Streit- schrift gegen Kunomios dessen Sprache in immer neuen Wendungen als leeren ^\'ortschwall: vgl. Meridier, L"influence de la seconde sophistique sur les Oeuvres de Gr. d. N. S. 69 ff.

-) Die wiederholte Bezeichnung ov/./.oyiouoi bestätigt die Ansicht Diekamps, daß eine Schrift des Eunomios diesen Titel getragen habe; vgl. Bj^zant. Ztschr. XVIIi, S. 6. Ebenso weist der Ausdruck Tep-o?.6yot wie auch das zsyroloysTv des Basilios auf ein Wortspiel des Eunomios zurück, der seine Theologie Technologie nannte; vgl. Bardenhewer a. a. 0. III, S. 138.

40 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea,

Unterscheidung eines dreifachen Zweckes der Kanzeh-ede: 194A Koirä rtaidaycoyda tcov ü'v/ßn' ai Tiaviy/voeig ovvdyovTai - , Tva ToTg ovvayouevoig jiaidevxaig vTiodevieg ocg fxddoßev n XQt]- OTOv, ö jiQo ßgayjMg ovx iyivojoxojuev, J) doy/uaTog docfdleiav ij Avoiv äjioQov fjLeviig yQacpfjg rj rtva Xoyov ri]v xwv fi&öjv eTiavog- dovvxa xardoiaoiv.

Der an erster Stelle genannten Aufgabe, die Gemeinde im Glauben zu unterweisen und zu befestigen, genügt nun freilich die eigene Praxis des Asterios sehr wenig; sein dogmatisches Interesse ist erstaunlich gering. Die großen theologischen Streitigkeiten des 4. Jahrhunderts, die noch zu seiner Zeit die Geister in Spannung hielten, berühren ihn nur oberflächlich; wie bereits S. 3Sf. gezeigt wurde, hält er sie mit dem ebenfalls mehr für die Praxis des Christentums eintretenden Basilios für überflüssige Wortklauberei und drängt auf die Rückkehr zu der einfachen Bekenntnisformel der Apostel. Seine Predigt bleibt denn auch in dem Gedankenkreis der Bibel stehen und betont daraus nur einzelne Anschauungen, die in der Lehre der Kappa- dokier eine Rolle spielen: so berührt er sich z. B. mit einer besonders von dem Nyssener vertretenen Ansicht in der Klage, daß die Sünde schuld sei an der Auflösung der ursprünglichen Einheit der Kultur, namentlich an der Sprachenverwirrang ( 1 97 C) ^. Im übrigen stellt er sich auf den Boden des formulierten Dogmas und fordert Orthodoxie, ohne selbst ein inneres Verhältnis zur Glaubenslehre der Kirche zu haben.

Je weniger nun das Bekenntnis der Kirche im Mittelpunkt der Predigt des Asterios steht, desto stärker macht sich in ihr eine Art interkonfessioneller Religiosität geltend: die Mystik, Sie äußert sich in der Wertschätzung persönlicher und kultischer Frömmigkeit als Mittel der Gottesgemeinschaft: ihre Formen beschreibt der Mystagoge bis ins einzelne. So wird in der neu- gefundenen Rede über das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner dem Gebet eine ausführliche Betrachtung gewidmet, die sich deutlich mit den Ausführungen des Klemens von Alexandrien über das Gebet des Gnostikers berührt 2. jS^och mehr als bei Klemens wird bei Asterios die öuui'a .-rodg rör deöv, wie das Gebet seinem Wesen nach bezeichnet wird, als förndiche Ek- stase dargestellt in Ausdrücken und Bildern, die für derartige

') Vg]. Ililt, Des heil. Gregor von Nyssa Lehre vom Menschen S. 25.

-) ^tromat. VII cap. VII und XII bei Stählin III, p. 30 tt'. und 55 ff.;

vgl. dazu E. von der Goltz, Das Gebet in der ältesten Christenheit S. 261 ff.

i

über d. Kclitheit d. drei nur d. l'hutios f. Astoiios bezeugt. Reden. 4 [

ScIlildtMungcii in den hellenistischen Mystci'ienroligioncn typisch sind: -£"«'7// toivvv toüy . . . öini?ua .~To6g deov, öidk^^iq toD /.oyty.ov Qiöüv rrooc tov a/jjßii'ov Aoyov, üvayjöotpi:; y.al h'jDyj xön' yijircov :roay/.idTcor, dfodos -toüs ovoavov , y.aid'i o6vi]oi(; zöjy TxaQÖvjiov, oixeicoois «toos Helkovra ^. Der Beter wird in eine andere. Welt entrückt: I'ti Cöw t^oixiL.erm'^ roö ßiov xal jiancov ov Tzägeon xal iy.öijfieJ •^ tj/v yiiv in ey.eivYjg evvfog, er schaut den Unsichtbaren wi(! in einem Si)iegel (tvoTTioi'Qoiuevog) *. Dabei entspricht seine äußere Stellung- ganz dem inneren Er- leben , ob er nun knieend betet ifj y/Joei rcöv yovdjcov xal fj yv/Ji ovyy.ajax/JrtTfu) oder in der Haltung des Kopfes, der FüUe und der Hände das Bild des (lekreuzigten darstellt {tov oiavQov To jiddog dxgißöjg i^eixovi'QeC) zum sichtbaren Aus- druck seiner inneren „Entwerdung'-* (vgl. den Text S. llTf.)^. Diese für die Ausbildung des griechischen Christentums charakteristische Ästhetik des Übersinnlichen tritt auch da hervor, wo Asterios die Einrichtungen der Kirche, die von ihm haupt- sächlich als Kultgemeinschaft und als Erziehungsanstalt aufgefaßt wird, erklärt und symbolisch deutet. Wie das Grebet sind ihm die Sakramente Mittel der Gottesgemeinschaft; es bedeutet den Yerlust großer Schätze, otciv . . . 6 jiwoT7]g xal dinoojT)]^ Ixxhjdfj Tcov tivozixcin' ä:iolavoecov, denn alle Güter der Welt vermögen jene himmlischen Gnadengüter nicht aufzuwiegen ('unten S. 110, 32ff.). Die Wirkung der Taufe beschreibt er ebenso als Reiniauno- von den Sünden wie als Wiedergeburt und Erleuchtung (or. YH, 257 B, Phot. bibl. p. 502 a 8) •^. Die Bedeutung, die er den Sakra- menten beilegt, kommt auch darin zum Ausdruck, daß er sie

^) Vgl. Clem. AI. cap. XII p. 55 ovzog ... ov yevezai rwr h xöguco y.a).<öv, Tiüvicov zwv ivTavßa xaTaueya/.offOoi'öJv usw.

-) Vgl. Philo: Quis rer. div. her. b'i ed. Wendl. vol. III, p. GO k'^oiy.i- L,Exai ev i)/iiTv 6 vor; usw.

*) Vgl. Paulus : II. Cor. 5. s ; dazu Reitzenstein. Hellen. Mysterieurel. S. 193.

*) Vgl. Koch: Das mystische Schauen beim hl. Gregor von Nyssa, Theolog.Quartalschr. 80 (1898), S. 397 ff.

*i Ähnlich Clem. AI. cap. VII, p. 30 Tavt)/ fscil. rfj ^v/j]) y-ai rrooaava- TEivouEv r/jv ye(fa/.))r xal zag yeToag sig ovoavov al'ooitev zovg ze n^ööag £,t£- ysigoiiEV . . . i.-zayo/.ovüoi'vzeg zfj jtQodviiia zov .-irsvaazog ei; zip' rorjzijv ovoiav xal ovracftazdvEcv /.öyco zo ocöfia zT/g yijg :tEioiöii£vot , fiEzäoaiov :Toit]oäfi£voc xrjv yvyjjv usw.; vgl. ferner TertuUian de orat. cap. XIV bei Öhler I p. 566: nos vero non attollimus tantum. sed etiam expandimus et de do- miuica passione modulati et orantes confitemur Christo, s. darüber auch E. von der Goltz a. a. 0. S. 271 ff.

«) Vgl. Usener, Relig. Unters. 1, S. 165.

42 Bretz. Studien und Texte zu Asterios von Aniasea.

mit den Gleichnissen Jesu in Verbindung bringt: so deutet er als Taufe und Abendmahl den Yermögensanteil, den der ver- lorene Sohn vom A'ater beanspruchen darf (unten S. 109, 2 ff,). So sehr sich in diesen allegorisierenden Neigungen ein Mangel an Wahrheitssinn bekundet, der Geist, in dem er sein Amt als Mystagoge übt, zeugt doch von einer durchaus gesunden sitt- lichen Persönlichkeit, die von dem ehrlichen Bestreben geleitet wird, der Form einen tieferen Gehalt zu geben, und die mit allem Ernste auf eine Yerinnerlichung der Religion hinarbeitet. Dieser Wille verrät sich z. B. in dem Eifer, womit sich Asterios gegen die sonderbare Sitte seiner Zeitgenossen wendet, bildliche Dar- stellungen evangelischer Erzählungen und Gestalten auf den Gewändern zur Schau zu tragen (or. I, 109 A C).

Was er will, ist freilich nichts weniger als die Verbreitung einer Bildungsreligion; erkommtvielmehr dem Bedürfnis der Masse weit entgegen und gibt ihrem religiösen Triebleben neue Ts^ah- rung durch Anpassung christlicher Vorstellungen und Gebräuche an den besonders auf dem Lande tiefgewurzelten heidnischen Volksglauben. Für dieses Eindringen unterchristlicher Elemente in das kirchliche Leben, wie für die Entwicklung des griechisch- orthodoxen Christentums überhaupt, wird er immer als gewich- tiger Zeuge zu nennen sein. Der Heiligenverehrung und dem Reliquienkult redet er kräftig das Wort. Jene verteidigt er gegen die rationalistische Opposition der Eunomianer, die darin eine Kreaturvergötterung sahen, indem er Heiligenkult und Gottes- anbetung ihrem Werte nach streng unterscheidet (or. X, 321 D). Die Gründe der Juden gegen den Reliquiendienst entkräftet er schlagfertig dadurch, daß ei" aus ihrer eigenen Tradition seine Berechtigung herleitet (325 C 328 C)-. Neben der Verteidigung der bereits bestehenden läßt sich Asterios auch die Einführung und Verbreitung neuer Kulte angelegen sein: für die Verehrung eines einheimischen Märtyrers, des Phokas von Sinope, macht er eifrig Propaganda (or. IX) ^. Daß er auch bei der Feier des Peter- Paulfestes* vor einer neuen Auf^-abe steht, deutet

1) Vgl. Lucius-Anrich, Die Anfänge des Heiligenkultes S. 175, 182 ff., 294 f.. 333, 33G.

'') Zur Schilderung des segensreichen Wirkens der Heiligen (321 Cf), vgl. Basil. in Mamas c. 1 M. 31^, 589 C.

*) Der Legende, die er von ihm erzählt, liegt ein antikes Schiffer- märcheu zugrunde. Vgl. Radermacher „St. Phokas", Archiv f. Rel.-Vv^iss. VII, S.417; Kern „Der Robbengott Phokas" ebenda X, S. 82.

*) Vgl. Zöckler bei Hauck, R. E. f. pr. Th. 15, S. 212 ff.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Kodon. 43

er bei der Bezuj^nahme auf die Praxis t^einer Vorgänger an der oben zitierton Srellc selber an (vgl. auch 2S1 A xuv utjdelg ijTaiysTy ror äröoa 7iooth]Tni). An der ganzen Neuordnung des Festkalenders, die die Kirche damals vornehmen mulite, um die festfrohen Christengemeinden von der Teilnahme an heid- nischen Und jüdisclien Lustbarkeiten, ja sogar an ernsten Feiern der Synagoge zurückzuhalten, zeigt er sich stark interessiert; liatte er doch selbst mit dem bezeichneten Mißstand zu kämpfen. In einer besonderen Rede (or. IV) wendet er sich gegen die Beteiligung der Christen am Kaiendenfest. Die erste Bedingung für die Begehung eines Festes, sagt er dort, ist die Erkenntnis seines Zweckes. Xach diesem Grundsatz, den er auch selbst in der Einleitung seiner Märtyrerreden zur Anwendung zu bringen pflegt, erweist sich ihm jenes Volksfest als ein Unsinn gegenüber den christlichen Festen, unter denen er an erster Stelle Weihnachten (Tevf.ß/.tov), dann das Epiphanienfest (^ona) und schließlich Ostern (\AväoTaoi^) nennt (217 C). Eine andere Festfolge deutet er in der Rede auf die Märtyrer (or. X) an durch die Namen XQioxog, ZTE(pavog, 'Icodvvrjg 6 BaTirioxt]?, Id- y.oißog, nhgog, Uavlog, Ocouag^, nachdem er vorher die alt- heidnischen Feste, als deren Ersatz ihm die christlichen gelten, die Feste der Demeter und der Köre , des Dionysos, Herakles und Asklepios aufgezählt hat (324 B). Es sind demnach von allen kirchlichen Fragen hauptsächlich die äußeren des Kultes und der Organisation, die den Amasener Bischof beschäftigen und eine Reihe seiner Kasualreden veranlaßt haben.

IV. Die Art der Exegese.

Eine andere Gruppe von Reden zeigt, inwieweit er der zweiten Aufgabe, die er der Predigt zuweist, nämlich der homi- letischen (Ävoig yoarfi]g) gerecht wird. Form und Art seiner Schrifterklärung ist nicht in allen exegetischen Reden des Asterios die gleiche. Wir finden bei ihm ebenso die analvtische wie die synthetische Methode. Als reinste Vertreter beider Gat- tungen können die neuen Predigten gelten, die von allen die klarste Architektonik aufweisen. Die Überlieferung deutet den Unterschied ihrer Form an, indem sie die eine als köyog, die andere als oui'/Ja bezeichnet. Im Mittelpunkt des Xöyog elg to Av&gcoTioi ovo äreßt]oav xxX. steht eine Betrachtung über das

1) Vgl. Useuer a. a. 0. S. 250.

44 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Gebet; das zu behandelnde Gleichnis dieiit nur als Yeranschau- lichung- der Forderung, daß man mit deinütig-eni Herzen beten soll. Dagegen bildet den Hauptteil der oialia eig robg ovo tnoig robg Tiaga tm Aovy.ä eine fortlaufende Erklärung des Gleichnisses; durch Yoranstellung der zu erklärenden Stelle werden ihre Abschnitte scharf markiert. Sonst sind beide Formen mehr oder weniger gemischt. Doch überwiegt die Neigung für eine systematische Behandlung des Bibeltextes. Ihr zuliebe wird zuweilen ein im Text nicht eigentlich gegebenes Thema behandelt, wie z. B. in der Homilie ek löv olxovojnov rfjg ddixiag (or. II) die These, daß der Mensch nicht Eigen- tümer, nur Verwalter seiner Güter sei: erst gegen den Schluß hin wird als Beispiel für das falsche Verhältnis des Menschen zu seinem Besitz unter anderen auch der oixovöjuog des Gleich- nisses genannt und noch eine kurze Auslegung versucht (t92Df). Den Übergang von der analytischen zur synthetischen Methode lassen auch die nicht seltene Vorausangabe von Thema und Teilen (z. B. or. I elg tov tiIovolov xal Ad^agov 164 B: tov juev xrjv cpiXÖTifiov äziolavoiv, xov de ri]v Te&/Ujujuev)]v i^(jii]v . . y.al xekog äuqoreocov) und die häufigen zurück- und vorausweisenden Übergangsformeln erkennen. Diese ganze auf eine klare Struktur der Rede angelegte Technik erweist den Amasener Bischof wieder als Schüler der Kappadokier. die den loyog auf den Höhepunkt der rhetorischen Kunst führten^; dabei kommt ihm der oben bezeichnete Mangel an theologischem Interesse zu statten: seine Predigt leidet weniger als die seiner Meister an dogmatischen Abschweifungen, höchstens an solchen rhetorischer Natur.

Der Wert der Predigt bestimmt sicli aber mehr nacli dem Maße, in welchem die allegorische oder die grammatisch-histo- rische Interpretationsmethode angewendet wird. In dieser Hinsicht zeigt die Exegese des Asterios eine gewisse Zwiespältigkeit, wie wir sie noch stärker bei den Kappadokiern beobachten. Diese wandten sich wenigstens in der Theorie von der alexan- drinischen Allegorese ab, in der Praxis gelang es ihnen nicht, sie ganz zu überwinden, am wenigens dem Nyssener^. Auch Asterios kennt ihre Gefahr, die Abirrung vom wirklichen Sinn

') Vgl. Christlieb-Schian bei Hauck, Realenzykl. f. pr. Th.' 1.') (1904), S. 631, wo freilich Asterios ohne besondere Begründung als Nach- ahmer des Joh. Chrysostomos genannt wird.

-) Vgl. Meridier a. a. 0. S. 208 ff.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Astorios bezeugt. Reden. 4,")

des Textes (lUliB or yug evy.o'/.or tonr eig d/M]yoQiai' uy.6- lov&o%' jiieTaoxevdoai ko yeyQajuuerco), und nicht ohne Vorsicht, erst nach einer iimständliehen !Motivieran,i?. j^-ehr er einmal daran, den Ansdruck ..Abrahams Schoß-' als Bihl zu erklären [ll'Mi}^. Dann aber gestattet er sich die Annahme einer ziemlich wilden Allegorie: Um nachzuweisen, daB Abraham schon bei Leb- zeiten ein Knecht Christi war. will er unter den drei Männern, die einmal bei dem Patriarchen Einkehr hielten und von ihm bewirtet wurden, die Personen der göttlichen Trinität verstanden wissen (173 Bf). Xoch mehr als in seiner alttestamentlichen Exegese macht sich diese allegorisierende Art in der neutesta- mentlichen l^iljelerkläruns; des Asterios «eltend: für seine Gleich- nisauslegung. die den breitesten Raum seiner homiletischen Tätigkeit einnimmt, hat er sie geradezu zum Prinzip erhoben. Hier entfernt er sich von der Ansicht der Ka|)padokier, daß Jesus seine Gleichnisse zur Verdeutlichung, nicht zur Verdunkelung seiner Lehre gegeben habe; er nennt sie vielmehr noch ganz im Sinne der apostolischen Väter - aivr/para (1 SO A. in fil. prod. unten S. 113. ■2()i oder irrsoxiaouh-ovg /.oyovg (ISl A^ und leitet daraus die Notwendigkeit der allegorischen Ausdeutung des Einzelwortes ab (vgl. in fil. prod. S. I 1 3. 21 ff. racja de rrdvTa ovy cbg dn)yi}na ei' T(o y.oiV(p äreyodq')], d//' k'y.aoTog /.oyog yeuei avGT)'jgia yey.gvuKertjg d/./.)]yoQiag' Tragaßo/.ij ydg eoTiv, cbg Tote' .t«^ de :zagaßo/.iy.dg Äoyog i^ aÄÄcov tcöv cpaivoi^iEvcov ngbg hega uvmaycoyei jd vooY'- jiieva und vorher S. lOS, 18 ff.: ägioxov Tigäyua y.al tm Xoyiy.co ngenov C(6cp xb y.ey.gvf.iiuievi'jv doacpeia yvcbpi]^' STiiue'/Mg dviyvevEiv y.al :rgodyeiv eh q^cög, ferner 173B u.a.). Demgemäß sucht er bei der Erklärunsr des Gleichnisses vom verlorenen Sohn auch

') Er versucht zunächst, den Literalsinn des Wortes yö/^-ro; als un- haltbar zu erweisen; wenn er dann aber zur Verdeutlichung seiner über- tragenen Bedeutung das Bild vom windstillen Hafen verwendet, so nimmt er damit offenbar die Erklärung eines der tiefgründigen Schriftforscher, von denen er vorher sprach (173 B o xal dta-ioo/joso}; oKfoguijv ziaqi/si roT; tjöeto; To. ßdd»] tcov Fgag-öjv ßaoavi^ovoi) , nämlich des Nysseners auf. Vgl. Greg. Nyss. de anima et ressur. M. 46 p. 84 c öjo.-teo oi-r ri;r .Tomr tov :ie- /.dyovg :j£Oiyoa(f>jr sy. y.aTayoi']afoig rifo; dvoi.iaZousv y.6).7tor, ovrco doxsT dus- TQi'jTCOv ixsivcov dvadcov ztjv h'Sfi^iv 6 /.öyo; tw tov y.6}.-iov öiaaTjuaivEiv ovo- fiait, CO rrdvTeg oi di' dgerfig t6%- naoörra öian/.EOvxEg ßiov ,orar ivzsv&ei' d.-Taioojoii\ warreo ir äx aTax/.vozo) "/.iiiiri riö dra§co xö/^jico rag tfvyäg irogui^otTat und Ast. 173 D TÖr ;<C)/..Tor avTov oiov Fvdiör rtra /.iiiira y.al ay.'/.voTOv dva^c ai'T /jQior eivai röjv dty.alcoy qijoi.

2) Vgl. Jülicher, Die Gleichnisreden Jesu I (1899). S. -205 u. S. 227 ff.

46 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

in so nebensäcliliclien Zügen wie in der Beschenkung des Heim- gekehrten mit oToh], day.TvXiog und vjioöiiuara einen mystischen Sinn. Vor allem kommt es ihm darauf an, in den Gleichnissen Andeutungen kirelilicher Institutionen aufzuzeigen. Das ijii- ßdlkov jiugog, auf das der verlorene Sohn Anspruch macht, be- deutet, wie wir früher (S. 42) sahen, nichts anderes als Taufe und Abendmahl. Das Pferd, auf dem der barmherzige Samariter den verunglückten Wanderer in eine Herberge führt, ist das göttliche Wort, das den Sünder zur Kirche leitet CPliot. bibl. p. 500 b f.). Das blutflüssige Weib, das von Jesus geheilt wurde, ist das Bild der Heidenkirche (Mai, NBP p. 673). So trübt eine stellenweise recht willkürliche Allegorese die Klarheit des den biblischen Beispielerzählungen zugrunde liegenden Ge- dankens.

Y. Der ethische, speziell kynische Grundcharakter.

Glücklicher als in der Aufspürung des mystischen Sinnes ist Asterios in der Hervorhebung des moralischen Sinnes; sie verbindet sich bei ihm sofort mit der Feststellung des Literal- sinnes; so findet er in dem nxcoyöq, womit Lazarus im Gleichnis bezeichnet wird, ähnlich wde Gregor von Nyssa in der I . Selig- preisung (M. 44, p. 1205 D) neben der wörtlichen Bedeutung den Begriff der Demut (176A Aurlfj zig eoTiv f] ttsqI top jitco/öv orjjuaoia' fj jnh' drjXovoa tcov ävayxaicov ttjv svdeiav, f] de xrjv jue- roio(pQOovv)jv y.al tov fjdovg tijv Ta^ieivotijTa). Vielfach kennt er überhaupt keine andere als die moralische Ausdeutung einer Schriftstelle; ja er trägt in seiner Vorliebe für solche Exegese moralische Züge in ein Gleichnis ein, die ihm nach dem bibli- schen Wortlaut vollständig fehlen. So wird z, B. der Vater des verlorenen Sohnes, der diesem ohne Zögern das Erbteil heraus- gibt, gerühmt als ov [.uy.ooloyog ovök (feido)/Mg i) ßgaöug elg ti]v xdqiv xrX. (u. S. 109, 6 ff.). Schon daraus geht hervor, daß Asterios seine Hauptaufgabe auf jenem dritten Gebiet sieht, das er der Predigt zuweist, in der ^Nroralisierung der Lebensführung.

In dieser Tendenz vereinigt sich seine homiletische mit seiner panegyrischen Beredsamkeit. Er stellt in den Mittelpunkt seiner Betrachtung entweder die fingierten Personen der Gleich- nisse oder die Gestalten der heiligen Geschichte und Legende, um aus ihrem Verhalten die Grundsätze seiner Nieral abzuleiten und sie dann auf das Leben seiner Zuhörer anzuwenden. Hier

I

über (I. Kchthoit tl. drei nur d. Pliotios f. Asterios bezeugt, b'edon. .] ~

fand >^(Miic dem spekulativen Denken abgeneigte und nur aut's Praktische gerichtete Natur den günstigsten Boden zur p]ntfal- tung^ Auf ihm erwuehs dem Amasener Biseliof, dem jeder Einfluß auf die Entwiekhing der Jjehre selbst versagt blieb, eine Bedeutung nicht bloß für die Greschichte der christlichen Predigt-, sondern auch, was erst in unscrn Tagen richtig ein- geschätzt Avird, für die allgemeine Kulturgeschichte.

Xatürlich ist es kein geschlossenes System in durchsichtiger Begründung, das dieser Predigt zugrunde liegt. Sie zweckt ja nicht eigentlicli auf maximenhaftes Wollen, anf Persönlichkeits- bildung ab, sondern will auf die breiten Massen wirken und ihr Triebleben regulieren. Darum erscheinen ihre Forderungen vor allem als Gebote Gottes, die in Lehre und Musterbild ob- jektiv gegeben sind, als Yorschriften der geoffenbarten Religion, die eine unbestrittene Gültigkeit haben, und der Apparat des Glaubens, besonders die Vorstellung von der Vergeltung im Jenseits, wird in den Dienst dieser Propaganda gestellt. Ein lehrreiches Beispiel dafür bietet die Einleitung der an der Spitze der Migneschen Sammlung stellenden Homilie anf Lazarus. Als Quellen der cliristlichen Ethik werden hier einerseits die djio- q^auxu xal öoyiinTty.d &E07iiojiiaTa und die 7iQ0(pt]Tiy.d y.al Evay- yeXixd orouaia, andererseits die TToaxny.d vjTodeiyuaza erwähnt, unter denen das von Lazarus mit dem Ausblick auf das Los des Armen und des Reichen nach dem Tode als besonders wirkungsvoll hervorgehoben wird (164 AB).

Gleichwohl ist das ethische Denken des Asterios im letzten Grunde nicht spezifisch religiös-christlich. Wie er die öegtioti' y.ol vofiot ohne weiteres mit den äQsrrjg JiaQayyek^uara gleich- setzt (or. II, 1S5A), so faßt er das Christentum überhaupt in erster Linie als Ethik, nicht als Religion anf. Kaum begegnen wir einmal dem im Mittelpunkt des christlichen Glaubens stehen- den Erlösungsgedanken. Seine Predigt läuft immer auf die Forderung hinaus, die Seele von der Einwirkung der W^elt rein zu erhalten und sie aus der Macht der Sinnlichkeit zu lösen.

^) Vgl. or. IX, p. 321 A 'H yäo /.oyixij :jai8£V0ig r»)? :ioay.zixi}g ivsgyscag ijzTcov xal do&eyeoTEQa dibäanalog, eine unendlich oft wiederholte heidnische Sentenz.

-) Neben der glücklichen Teilung des Textes (s. oben S. 44) ist es besonders die fruchtbare Behandlung des Themas, was man an der aste- rianischen Predigt lobt; vgl. Schian-Krüger bei Hauck, Realenzykl. f. pr. Tli. 15, S. 134.

4S Bretz. Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Damit steht er aber noch ganz auf dem Boden der antiken Ethik, oder genauer: er steht an dem Punkte, wo beide Welten, die antik - heidnische und die christliche, ineinander fließen. Man kann sagen: Asterios interpretiert das Christentum im Sinne der Moralphilosophie. Aus ihrem Inventar stammt das Bild des Bettlerphilosophen, das er in dem armen Lazarus zeichnet. Das Gleichnis selbst erscheint ihm nicht anders als wie eine Satire, in der sich Jesus über das Gebaren der Reichen in knappen beißenden Worten lustig macht (164B Jid ovo ovv- röjiiojv dvojiidroji' 6 löyog oxcomei xal y.oj /ncoSeT rijv 7ilad(baav y.al apsTQov tcTjv y.axcog TrlovTOvvrmv öidyvoiv. Ahnlich heißt es in der Auslegung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn vom älteren Bruder y.cojiKpdeT tov ädalcpov tov ß'iov . . . 'deaigiCcov rd egya). Die erste Seligpreisung May.dgioi ol Jixcayol x(b tivev- juart deutet er auf diejenigen, die wie Lazarus die Loslösung von der Welt und ihren Gütern innerlich vollzogen haben (176 B D). Seine Auffassung vom Wesen des Christentums tritt besonders auch in der Art hervor, wie er die Tugenden des Märtyrers aufzählt und als die von seinen Zuhörern uner- reichten Ideale hinstellt (or. X, 313C Et exsTvog evUi]oe <pXöya TivQog rfi xaQTeoiq, oh ncbq TioQveiav ov öajud^eig rfj ocog^QOovvr] ; El 6 jLiaQTvg ovH e?Ji]oe tiXovtov ov ■t](piei, xal '/Qijfiaxa, did ri ov ÖAiyov ov xaxaipQoveig dgyvQtov v:TkQ dtxatoovinjg ; Ei 6 jiido- Tt'g yevog -deov ov 7iooerii.u]oer, d)JJ djreCev'/d)] yvvaixog, jiaidoiv, q)iXTdxo)v, Ticög ov ov xokdi^eig x)]v TiQoojtdd^eiav, did de TtQoooiTia Tvyov o'/eoiv Tiodg oe olxeioxvixog e'yorxa v7TeQ:i:t]däg dixaiov xal xov deov xov q}6ßov jTaQaloy'iQ}] ; El 6 fidoxvg xb ocouu dtd 'deov e^edvoaxo, n&g avxog evög ov xaxacpqoveig yixwvioxov eig oxenip' yvjiivov;). Die hier erhobenen Forderungen der äoxj]oig, des xaoTeQeTv und der dnddeia sind bekanntlich keineswegs genuin christlich; vielmehr setzen sich in ihnen Grundanschau- nngen der heidnischen Moralphilosophie hier haben wir den reinen Kynismus auf dem durch seine dualistische Welt- auffassung dafür vorbereiteten Boden des Christentums durch. Der Verlauf dieser Entwicklung ist im einzelnen noch nicht genügend aufgehellt; im allgemeinen ist erklär^: es zeigt sich, da(;i gerade in der Zeit des Asterios die Berührung zwischen Christentum und Kvnismus selir ena; war. Wäre doch der

') Vgl. die Übersicht bei Weudland, Hellen.-röm. Kultur, Kap. V und IX.

ibor d. Kchthoit d. drei mir d. Photios f. Asterios bezeugt. Kedeii. 4f)

Kynikcr Muxiiuus durch A'crniittelung des Gregor von Xaziaiiz beinahe Bischof von Konstantiuopel geworden ^ Gegner der Kirche wie Julian benützren die Tatsache dieser A'erwandt- sciiat't als WatVe zur Bekämpfung des Christentums, und seine Verteidiger wie Joh. Chrysostomos hatten Mühe, einen Unter- schied aufrecht zu erhalten und die heidnische Konkurrenz aus <3em Felde zu schlagen'-. Asterios steht ihr durchaus freund- lich gegenüber. In dem großen Kampfe, in dem sich damals das Christentum mit der alten "SVelt auseinandersetzte, treffen wir ihn wieder in der Gefolgschaft der Kappadokier, die von dem reichen Erbe der antiken Kultur besonders ihre ethischen "Werte für das Christentum sicher stellten-*. Wie Basilios dem Meister der kynischen Sekte Diogenes wiederholt offene Be- wunderung zollt ^, so gedenkt auch Asterios des bekannten. Sinopeers in einer unzweideutigen Anspielung beim Lobe der TiaiQig des Pliokas, der ebenfalls aus Sinope stammt, mit warmen Worten; es klingt wie eine Verurteilung der kleinlichen Eifer- süchteleien im christlichen Lager, wenn er dabei zu verstehen gibt, daß ihm Sittlichkeit über Religion gehe: 'M)A C I) "Hreyy.s roivvv Tor uyiov äröoa xovrov , jLieya Xgioiiavdn' öq^eko.; fj yehojy 2^ivc6mj , Tto/jg ägyata y.al yvcoQifiog , Evnooog xagiegcöv y.ai cpiloGocfcov ävögiov. MI/ yag uoi ng loyi^eo&co vvv x6 xfjg 'dg)]0y.£iag didq:ogor, d/J.' £i oTiovöakor ö/xog dydgcdr xgocpog y.al jiii'jxijg edeiyOt) ^. Nach diesem Zeugnis kann kein Zweifel mehr darüber sein, daß der kynische Einschlag, den die asterianische Predigt zeigt, auf bewußtem Anschluß des christlichen Bischofs an die heidnischen Moralisten beruht.

Bevor wir nun versuchen, Art und L'mfang dieser Beein- flussung genauer festzustellen, muß ein kurzes Wort über die Abwandelung gesagt werden, die der Kynismus in seinen Aus- drucksformen bis auf die Zeit des Asterios erfahren hat. Das

') E. ScliM-artz. Charakterköpfe 11, S. 2.

=) E. Norden, Fleckeisens Jhrb. Suppl. 19, S. 400 flf.

3) Vgl. dazu jetzt J. GeHcken, Antike Kulturkämpfe, Jhrb. f. d. kl. Alter- tum XXIX (1912), S. 608 ff.

*) Vgl. Büttner, Basileios d. Gr. Mahnworte an die Jugend S. 45.

5) Über das Gegeubild dazu bei TertuUian, der adversus Marciouem I. p. 290f. die Häresie des Sinopeers Marcion mit dem paradoxen Gebahren seines Landsmannes Diogenes in Parallele setzt, vgl. Dr. A. Bill, Zur Er- klärung und Textkritik des 1. Buches Tertullians „Adversus Marcionem", T. U. XXXVIII, 2, S. 9 f.

T. n. U. '13: Bretz. *

50 Bietz, Studien und Texte zu Asterics von Amasea.

altkynische Ideal hatte seine scharfe Ausprägung in der Diatribe oder auch in der pointierten Anekdote, der yoEia erhalten. Beide Formen fanden schon früh auch bei den Stoikern Ein- gang; Diogenes Laertios verzeichnet öimoißai für Kleanthes, Persaios und Sphairos, für die beiden ersteren auch yoelai; ähnlicher Art waren die ofioimamn des Ariston von Chios. Als dann in der Folgezeit mit der fortschreitenden Popularisierung der Philosophie sich die Gegensätze zwischen den verschiedenen Schulen mehr und mehr ausglichen, wurden mit dem Inhalt der nivellierten Moral auch die Ausdrucksmittel und Formen für ihre Verbreitung Gemeingut aller Richtungen. Allerdings büßte dabei die kynische Diatribe viele wirkungsvolle Reize ein. Das allgemeine Charakteristikum der ethischen Massenpropaganda . war nun die no/.vjioayjiioavv)], das aliena negotia curare, wie es Plutarch in einer eigenen Schrift schildert und Iloraz Sat. II. 3 in der Person des Damasipp karikiert. Diese Moralisten sahen ihre Aufgabe darin , das Leben ihrer Mitmenschen zu über- wachen — daher heißen sie sich auch y.ardoy.oTioi , und ihre Fehler aufzudecken: indem sie diese heilen, werden sie zu e^ioy.on:oi ; ihre Tätigkeit ist ein beständiges e?Jy/£tv, vov^ereiv, largeveiv, ihr Ziel in jedem Falle ein oxfEÄelv. Diesem Zwecke dient auch die Unterhaltungsliteratur, die Philosophenaretalogie, die sich an Gestalten wie Apollonios von Tyana oder Euphrates anschließt. Die Träger dieser Bewegung mögen sich vielfach von Art und Sinn des alten Kynismus weit entfernt haben, dennoch faßten sie sich am liebsten mit dem Xamen Kyniker zusammen; die Möglichkeit eines äußeren Anschlusses an diese Richtung war eben von vornherein dadurch gegeben, daß der Kynismus nicht durch feste Dogmen wie die anderen Schulen abgegrenzt war ^

An Tendenzen, Formen und Motive dieser heidnischen Prediger knüpft nun die Kanzelrede des christlichen emaxoTro^ unverkennbar an. Aus ihrem Programm nimmt er die Schlag- wörter auf, um die für ihn selbst vorbildliche Art des Auf- tretens der Apostel zu schildern: vgl. 272 D (Petri Verhalten gegen Ananias und Sapphira) ovh (hjLtug wr y.al cpoviy.ög rijv yvcojurjv, ä?^Xa. y.axa oxotiuv ihcyeleiag, ovrcog laToevoag rjyv

1) Vgl. dazu Norden, Fleck. Jhrb. Suppl. 19, S. 377, 381 *, 392; Ueitzenstein, Hellenist. Wundererzählungen S. 45 und sonst; Wendland, Helleu.-röm. Kultur S. 39ff.; E. Schwartz, Charakterköpfe II, S. 26.

über d. Kclitht'it d. drei nur d. l'hotios f. Asterios bezeugt. Heden. ')!

ajnaorlay . . . Fiy.oToc: h'öiuoFV or tT/^ tx köycov rov i}eniai; u6- voy yo/jC^tv rovg fiaOtjTÜg, (Vi.hi xal fpoßov Jivog EV7XQ<ly.rov . . . xal diu xovTO eXey^ag xi]v ujuagziav ev&vg 'ädvaxov ttjv rifXKOQiav etitj- yayev^. In den Stoffen der Märtyrerrode, die einen Ilauptteil der Beredsamkeit des Asterios ansmacht, setzt sich die hellenistische Wnndererzählung auf christlichem Boden fort 2; wahrscheinlich hat er auch seine Vorliebe für Gleichnisreden von seinen heid- nischen Yorg-äng-ern ererbt. Sicher läßt sich dies von der Auf- fassung-behaupten, die er an die biblischen Gleichnisse heranbringt; erfindet in ihnen, wie bereits S. -48 angedeutet wurde, einen skur- rilen Zug und betont dieses Merkmal öfter. Ja, es ist die Theorie der reizvollen Diatribe eines Bion, die er mit ihrer genauen psychologischen P»egründung und in ihrer rein kynischen Formu- lierung unverändert auf die Gleichnisse Jesu überträgt; so erklärt er in der Auslegung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn: 'Ejreiö)) de rijv ex rov Ttgocpavovg TtaQQYjoinv ovx erpe- Qov cooTieQ näikoi Tiveg äyQioi yeiQog e7iaq^)]v, roig nagaßolixoTg Tci)v köycov xarajui^ag avrfj cöoneg nvl /.leXiri jtixqov xal äi]deg cpag /jiaxov , ovrcog avzwv evjmjxdvcog e^iurai t))v vö- oov^. Inwieweit dieses Prinzip die Form seiner eigenen Pre- digt bestimmt, wird später genauer zu zeigen sein. Aber auch ihr Inhalt verrät immer wieder den kynischen Standpunkt des Verfassers. jSTatürlich begegnen fast ausnahmslos die sog. ky- nischen Torro«, in denen sich die Moral der Popularphilosophie konsolidiert hatte. Für sich allein mögen sie nicht mehr als die kynische „Allerweltsdiatribe" beweisen; in dem Zusammen- hang, in welchem sie bei Asterios erscheinen, scheinen sie mehr zu bedeuten. Sie seien daher zur Charakterisierung der aste- rianischen Moralpredigt hier genannt, zumal diese in der über-

') Mau vergleiche damit die Schilderung der Wirksamkeit des Eu- phrates bei Plinius ep. I, 10. Als rov&sota wird die Ansprache an die Gemeinde bereits in dem bekannten Zeugnis des Justin Apol. I, c. 67 be- zeichnet, und die älteste christliche Predigt, der 2. Klemensbrief, kann als solche gelten. Mit der kynischen Voikspredigt vergleicht auch Ori- genes die christliche Missionsverkündigung.

^) Reitzenstein, Hellenist. Wundererz. S. 37.

^) Ein Spruch des Diogenes freilich von zweifelhafter Echtheit lautet : Ol nkv laTOol rag tojv ExXeiy.roJv (pagj^iäxcov ^tixQiag /.lihri, ol ök oorpol T(i^ Tcöv Svay.oXtozEocov äv&go}:Tcov ofiiUag ÜMQÖrtjxc y}.vy.aivovoiv zitiert bei Gerhard, Phoinix von Kolophon S. 41, wo u. a. auch Themistios als Zeuge für dieses kynische Prinzip genannt wird. Eine andere Gnome des Dio- genes ist: 7'ö alrjOig :ity.o6v iari y.al chjSeg roTg dvoijToig bei Gerh. S. 34.

4*

52 Bretz. Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

reichen Literatur der letzten Jahre über die Diatribe unberück- sichtigt bUeb ^.

Der Maßstab für die kynische Wertung des Lebens ist das dvaytcäiov xal Ivoneleg. Wie Basilios^ legt ihn auch Asterios seinem moralischen Räsonnement zugrunde und regelt nach dieser i^orm die ganze Lebensführung: was darüber hinaus- geht, ist xQvfpvj, xevoÖo^ia oder jileove^ia < 164 C f.. 204 D). Erstere wird in allen ihren Erscheinungen leidenschaftlich be- kämpft: in Kleidung (164 C 16SCj^, in Wohnung und Ilaus- einrichtung (I69A B), in Xahrung 1 169 C; und in der L^nter- haltung (1&8D 189A)*. Andererseits wird die Einfachheit (evreXeia) an Phokas (304 D) wie an Paulus (296 A) rühmend hervorgehoben. Letzterer wird in seinem Bemühen, durch seiner Hände Arbeit sein Brot selbst zu verdienen, als Vorbild auch für die Priester hingestellt und damit dem durch die Kyniker zu Ehren gebrachten Tiövog da« Wort geredet^. Sinnlichen Lüsten gegenüber erscheint die Keuschheit der Susanna in

') Ähnlich zeigt Wendland den Kynismus bei Philon : Beiträge zur Geschichte der griecb. Philos. u. Rel. S. 7 if.

2) no6g veovg c. 8 M. 31, 585 A, jiQog ji?.ovt. c. 2 M. 31, 284 u. a. Ygl. Büttner a. a. 0. S. 44 ^ dazu jetzt Dirking, S. Basilii Magni de divitiis et jjaupertate sententiae S. 18.

^) Er berührt sich dabei besonders auffällig mit Basilios .-toö, tzIovx. M. 31, 289, wie folgende Gegenüberstellung zeigt:

Ast. 165 B '^Av bk y.axahu:iävoii' B?iS.2Sd A avfdyovGi rovg dr-

TTQÖßarov xal x6 egiov . . raig fiaraiaig doßacfEig ... ovdelg s§aQxeT 7i).ov- ETTiroiaig xal i/iJih'jHioig sjTißi\iiiatg ixöiai- zog zatg yvraiy.Eiatg i.Ti&i'fti- rdfisrog xal :7tQ6g xöv dvdößacpov sayo- aig Vjn]oexovuEvog . , . oxav fiEvog . . , Iva xov xöykov kx ■daP.daaijg ojtovSdC^jxai .. . xd ix ßa}.door}g ■drjQEVoag , 6 roiovxog fiaoxlCexai cog ß).d^ ar&i], i) xöyXog, i) :ji'vra vjiko xal d"t]}.vdQ lag xöa/uoig dd/.kov xooaol- x6 ex xtor ^rooßdxcor EQtor. (ov xalXoiJiiCöiiEvog .

*) Die Aufzählung der olxiai für Sommer und Winter, der iodfjXEg nolvxEAEXg für die ßdßga, x/.hai, oxißdÖEg , ßvoai, der oxev)} in Gold und Silber, der oQvidfg, ugcöfiaxa und des öogvqooixdr xf/g xgaTTE^tjg, der xqojxe- CoMoioi, oiroxöoi, xafAiEiai, /lovoixoi, fiovoixal ooytjoxoidEg, avhjxai, yE?.a)XOJtoioi, xö).ax£g .-xagdaixot 169 A C ist in der Diatribe stereotyp; vgl. Gerhard a. a. 0. S. 115 ff., S. 134 ff. ; ergänzt wird sie durch die Beschreibung des reichen und des armen Hauses in einer Schilderung der sozialen Unterschiede auf Erden (209 B^D öoo(foi, lovxod, oixoi cxoixü.oi, axoai, xoTyoi, xQan^E^at, l'.yjrot, Xvyviai, aq^aioai, dlvoEig) und durch die Darstellung menschlicher xEvoöo^la (188 D xö'/.axEg äocoxoi, xaxodai'/ioreg naadoiToi, ßtjotofidyoi, t.T.-roxgoqHai, &av- (^(exojioioi, fiTfioi). Über ähnliche Tiraden bei Philon s.Wendland. Heitr. S. 24ff., 48 f., bei Basilios, bes. jiqö; -ilovx. c. 2 und 4, s. Dirking S. 34 ff. und Büttner S. 44 ff'.

°) Vgl. R. Helm, Lucian und Menipp S. 330.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. 53

glänzendem Lichte (24^Aft'.j; die ooxpooavv)] wird für alle Sinne und Organe des menschlichen Körpers 7-um obersten Gesetz gemacht (185ff.)^ Die Ausartungen des rf(/,i'jSor()^ und des q^dödo^og"^ bei einem sonderbaren Volksfest werden in dem bereits S. 43 angeführten Xoyog xanjyooixög rcov KnXavdcov ge- straft, während ein anderer von den Kynikern scharf gerügter Fest- brauch, der hoog yä/tog^, nur gelegentlich gestreift wird i'324 B). Eine eigene Rede (or. V) behandelt das Verhältnis zwischen Mann und AVeib, eine andere, die nur im Exzerpt des Photios (bibl. 502 b 20 503 a 10) vorliegt, das zwischen Herr und Sklave; diese sozialen Fragen waren immer Thesen der heidnischen MoralplTilosophie*. Den breitesten Raum in der Predigt des Asterios nehmen aber wie in der Diatribe die Betrachtungen über den irdischen Besitz ein. In ihnen tritt die Abhängigkeit des Asterios von jener besonders deutlich in die Erscheinung, wie ein Vergleich im einzelnen zeigen wird.

Um dafür eine sichere Grundlage zu gewinnen, müssen wir uns die zeitgeschichtlichen Voraussetzungen dieses Teiles der asterianischen Predigt klar machen. Darüber orientieren ims die Bestrebungen der anderen Kirchenväter jener Zeit. Auch im Mittelpunkt ihrer Predigt stand neben dem Kampf um das Dogma jene eigentliche soziale Frage ^. Der Gegen- satz von arm und reich hatte damals durch Mißwachs und Teue- rung, aber auch infolge gewissenloser Ausbeutung der wirt- schaftlich Schwachen durch die Reichen besonders krasse Formen angenommen. Hier griffen die Vertreter der Kirche mit Wort und Tat ein. Wenn sie auch nicht wie Basilios ihr eigenes Vermögen hingaben, so versuchten sie doch alle, in scharfen Strafpredigten gegen die Habsucht der Besitzenden und in ein-

1) Ähnlich bekämpft Basib'os die >)dori'i der Sinne (z. ß. .-rgos viovg c. 8), vgl. Büttner S. 46 ff., auch Wendland, Beiträge S. 36,

*) Der To'.To, aegl evysvelag fand bereits oben S. 36 f. Erwähnung.

^) Wendland, Beiträge .S. 44.

*) Vgl. Seneca, epist. 94: Recepit eam partem philosophiae, quae dat propria cuique personae praecepta nee in Universum componit ho- miuem , sed niarito suadet, quomodo se gerat adversus uxorem . . . .•do- mino quomodo servos regat; zitiert bei Wendland, Beitr. S. 6 ^ In der Hochschätzung des Weibes und der Familie läßt freilich der Christ die altkynische Moral weit hinter sich.

^) Darüber liegt jetzt eine eingehende Untersuchung vor von 0. Schil- ling, Reichtum und Eigentum in der altkirchlicheu Literatur (1908). Auf sie hauptsächlich stützen sich die folgenden Ausführungen.

54 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

dringlichen Mahnreden zur Mildherzigkeit der l^ot zu steuern. Sie berufen sich dabei natürlich in erster Linie auf das Haupt- gebot der christlichen Ethik, die Forderung der Xächstenliebe, aber mit den biblischen verbinden sie die Argumente der helle- nischen Sozialphilosophie, namentlich die zur Begründung des Humanitätsgedankens besonders in der Stoa gepredigten Anschau- ungen, daß die Menschen Brüder eines Stammes (öfiöcfvAoi, ovyye- vecgj und daher für einander verpflichtet seiend ferner die weit- verbreiteten Yorstellungen von der sozialen Gleichheit auf Erden am Anfang wie am Ende der Zeiten und die vom Kynismus in die Popularphilosophie übernommene Ansicht, daß der Mensch alle äußeren Güter und das Leben selbst von der IS^atur oder von Gott erhalten hat, also nicht Eigentümer, sondern nur Verwalter dieses Besitzes ist und als solcher den Geboten des wirklichen Herrn untersteht-; diese sind für das Erwerbsleben die gleichen wie für das Genußleben: die formen des dvayy.aiov und des ovjuqpegov: was nicht unter diese fällt, ist unerlaubte jihove^ia. Für den Christen kommt neben dem genannten christ- lichen Hauptgebot als besonders wirksames Motiv der Ausblick auf die Vergeltung beim jüngsten Gericht hinzu. So steigern sich bei einzelnen Kirchenvätern wie z. B. Basilios und Johannes Chrysostomos diese Ideen zum ausgeprägten Pauperismus und Kommunismus, der bei ersterem in der Organisation des köno- bitischen Mönchtums seinen großartigsten Ausdruck findet^.

In dieser Richtung bewegen sich auch die Gedanken des Asterios über den Besitz. Auch für ihn ist der Besitzlose der eigentliche Philosoph* und der vollkommene Christ. So hat nach seiner Auslegung Jesus das christliche Lebensideal in seinen Worten an den reichen Jüngling beschrieben (212 0 tov teXelov exm'ov elvai öiödoncov , og m> ttüvtcov wv eyei, roTg deo- jiih'oig jxaoaycoQrjoag Tigog t)]i> dxr/juora rpiXooocpiav avTOfio/^i'joi], rijv juijrega tj}s äQeT)~]g xai öfiöoxsvov). Die aus dem Kynismus

') Frachter, Hierokles S. 62. Arnim, Fr. St. III, 340 f.. Schilling S. 98 und 105.

-) Guggenheim, N. Jhrb. f. kl. Altert. 9 S. 52 ff., Dirking S. 194 f., 40f. 3) Schilling S. 96 und 118 ff.

*) Beide Begriffe werden fast synonym nebeneinander für die Apostel gebraucht: 176 D xoT? i'rdfy.a :jsvt^oi y.al cpdooöcpoig. Zur Erklärung ihrer Verwandtschaft vgl. Teles 4, 1 H. o 6k jiivijg ovx i/wr xi :jiQäTTi] , :iQ6g x6 (pi).ooo(peTv yivExai. So nennt sich auch Dion von Prusa bald Bettler^ bald Philosoph; vgl. E.Weber, De Dione Chrysostomo Cynicorum secta- lore, Leipz. Studien X, S. 219.

Ülier d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Astcrios bezeugt. Reden. 55

übernoninieneii Begriffe dy.Ti'jfWjy, äoiy.o^, aveonog, mit denen jiucli Basilios das Avmuts- und das Mönchsideal bezeichnet^, sind Ehrentitel für Elisa i;2l;>Bl, Petrus (276.^) u.a.

Aber er will nicht Armut um jeden Preis und in jeder Form: nur die anf freiwilligem Verzicht beruhende und mit Geduld ertragene Armut ist sittlich Avcrtvoll, wie andererseits nicht der Reichtum an sich, sondern nur als Anlaß zur Sünde und wegen der Gefahren des Erwerbs verwerflich ist. Die Auslegung des Gleichnisses von Lazarus und dem Reichen dient ihm dazu, diese Gedanken zu entwickeln und namentlich auch den Gegensatz von arm und reich in grellen Farben zu schildern ^I09C— 173 A, 205B— I), 209 B)2; dabei macht sich mehr die kommunistische als die pauperistische Tendenz geltend: der herrschende Zustand der sozialen Ungleichheit auf Erden {ävi- ooT)]^, äro)ua/ua 209 B) stellt für ihn das Ergebnis einer all- mählichen Entartung der Menscheit dar, die durch die Sünde, vor allem durch die Pleonexie eingetreten sei (212 A C); des- halb drängt er auf einen Ausgleich der sozialen Unterschiede durch Ausrottung dieses Grundübels (212 C).

üies sind die Grundanschauungen über den Besitz, die Asterios mit den großen Kanzelrednern seiner Zeit teilt. In ihrer Darstellung macht sich aber der Einfluß der Diatribe. der auch bei jenen nicht fehlt, bei Asterios in so starkem Maße geltend, daß dadurch der christliche Charakter der Predigt viel- fach verwischt wird. Namentlich sind es zwei Reden, die wegen ihres kynischen Grundcharakters hier eine besondere Beachtung verdienen.

Exkurs über die Reden Eh' TOP oticopöuop Tyjg (cdiyJag und Kcctcc n/.iovi'^iccg.

In der Predigt über das Gleichnis vom ungerechten Haus- halter (or. II) geht der Redner nicht von dem zugrunde ge- legten Schrifttext aus, sondern stellt ganz in kynischer Manier ^

') Dirking S. 36 f.

-) Wie iu der Schilderung des Luxus (s. S. 52 f.). so berührt er sich auch bei diesem verwandten Thema mit den Ausführungen des Basilios in der Rede ngog nlovz.; vgl. z.B. Bas. c. 4, M. 31, p. 288 C Ti a.:xoy.Qi- T^tjot] TCO xQizfj ; ö Tovg xoiyovg dfiq^isvvvg ardgco^rov ovy. irSvsig' 6 rovg i.T:;iovg y.oo/iicöv tov äöe?.(f'öv aoyi] fiovovvza .Tfotoo«? und Ast. 209 C o /nkv yv/iivoTg aaytjuovei ^leleoi y.ai 6 ä'/./.og . . rovg roiyovg irdvsi,

») Weber a. a. 0. S. 91, S. 214.

56 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

die naive landläufige Meinung voran, daß der Mensch Herr und Eigentümer seiner Güter sei, um sie dann als irrig zu erweisen. Die Beziehung ^auf das Gleichnis tritt dabei ganz zurück; eisrentlich wird daraus zunächst nichts weiter als der Begriff des olxovöuog genommen, der für den oder die Grundgedanken des Gleichnisses nebensächlich ist. Dieses alte Bild für die Stellung des Menschen zum Besitz wird nun durch andere er- läutert, die ebenfalls aus der griechischen Moralphilosophie stammen. Besonders dient der bekannte bionische Vergleich des Leibes mit einem Hause, in dem die Seele in Miete wohnt (bei Teles p. 15, 11 H. xa&djieQ xal i^ olxiag, (pi]oiv 6 Biojv, t^oiy.iL.6ßeda, oxav evoiyuov 6 /.iiodcooag ov y.OLu^ojLievog ri]v dvoav äcpeh] . . ., ovrco, (pi]oi, y.al ix rov oojjiiariov i^oiy.i^o/nai, öiav fj /uioßwoaoa cpvoig rovg ocf&aXfiovg äfpaigfjrai) ^, dem christ- lichen Prediger dazu, jenen weitverbreiteten Wahn richtig zu stellen: ISO C ovTe jlitjv f/jueig cbg avüh'iai xal y.vgioi reo ßi<p rovTcp (hg ■^jUETeoa otxia iv(py.io&}]juev, dXX' (bg jidgoixot xal emfjXvdeg xal jLiETavdorai äyöjue^a, ojiov ov -deXojuev xal fjvixa ov jiQoodoxcojuev äcfaioov j^ieda de rcov övrcov, oxav dö^r] xä> XV Q ICO xrjg xT)'jOEO)g. Mit den ^Yorten jiaQOixoi xal enrjlvöeg xal juexavdoTai deutet er ein zweites Gleichnis an, das man ebenfalls auf Bion zurückführt; es ist ausgeführt bei Cic. Cato maior c. 23: Ex vita discedo tamquam ex hospitio, non tam- quam e domo; commorandi enim natura devorsorium nobis, non habitandi dedit und bei Seneca ep. 120, 14 nee domum esse hoc corpus, sedhospitium etquidem bre ve hospitium, quod relinquendum est. ubi te gravem esse hospiti videas. Asterios läßt diesen Yergleich in breiterer Ausmalung und in dop- pelter Fassung folgen: ISI C MäXlov de eitisq äxQißcog ßovlei xaxiöeTv, xivi jiaQOjuoiog 6 ßl.og fjfxcbv, iuvi]ju6v€voov, el' noxe ojqo. 'deoovg oÖoijioqojv e&edoco devdoov äiLKfidaXkg im noXv xov jiXd- rovg xal rov jiujxovg dtfjxov, ixavöv rfj oxiä olxiag JiXy^gcooai ygeiav. Tovro) reQcpdelg vnfiX^eg xal tcp" ooov e^rjv , exeioe xarijueiveg. 'EjieI ök eöei ndhv änäoai xal oov ßovXevo/uevov [ßovXojiievov M.J ri]v äg?i^ir, exegog ödoiJiöoog e:n£oxi] . . . xal eV devdoov enl fxiäg ^juegag eyevexo xdya dexa ^evoiv dXiyoygöviov xaraydj- yiov xal ndvxcov yevofievov evog i)v, xov övxcog xvQiov

*) jS'ach anderer Richtung ist das Bild bei Theophrast ausgemalt; vgl. Plut. Mor. VII, p. 3 Bern. OeoqpgaaTog . , . k'q^t] tw oMuan :io/./.ov ttjv yjvx^jv ivoixeiv öUyov xQÖvov ßageig /^iiodovg v:toiE}.ovoav etc.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. 57

und 184A ^Edeäoo) y.al -raräo'/Hor, t(p' ov nävrcoQ oöfvon' xarä- Äroas' k'?.nliec: dt-- fxf7»7f»' rro/.Äu lidOTdCov lOjöh', xAirip', 70u.7it'C.av, txTKÖnarn, niraxd, (illa oxevi] navioöaTxu. OvdeJioj de tiov Jigög nvTnoy.tiav yQijoajtierov i)xev äXlos nrevoTiMv, y.exoviajxevog, y.aTeTxelyior oe y.al t^eioyon' [P^eigcov M.J tov ndvöoytloi^ y.al ^i]rtOi' rd tiaioera.

Hier hat der christliche Moralist das Eigentum und den Stil des „geistreichen Feuilletonisten" Bion reiner bewahrt als seine heidnischen A'orgängcr^ Zugleich zeigt sich hier eine bemerkenswerte Abweichung von IJasilios. Dieser kommt in der dem Asterios vielleicht nicht unbekannten^ Auslegung des Gleichnisses vom törichten Reichen ebenfalls auf das Verhältnis des Menschen zu seinem Besitz zu sprechen und beschreibt es in folgendem Bilde: c. 7 M. 31 p. 276 B cooTieg av el' ng ev ded- Tocp dmv xaraXaßiov e'na l^eigyoi Tovg Ijieioiövxag l'diov eavxov xQi'rcov xotvwg Jidoi xaxd rtp' XQyjGiv jrgoxei/nevov toiovtoi £101 xal Ol TiAovotoi. Die Yorstellungen sind so verwandt, daß wir kein Bedenken tragen, statt des schwer verständlichen t^ei- Qcov des Migneschen Asteriostextes auf Grund der Basiliosstelle i^eioyan' zu lesen ; der Unterschied ist nur, daß der dem Bilde zugrunde liegende Gegensatz bei Asterios mit den Begriffen i'diog—dVMTQiog, bei dem Begründer des könobitischen Mönch- tums durch löiog xoirög ausgedrückt wird. Die letztere Auf- fassung trifft auch allein den genauen Sinn der Gleich- niserzählungen bei Asterios ; wenn er trotzdem den Schatten des Baumes und das Tiavdoyeiov mit seiner Einrichtung als dXlÖTQia, nicht als xoivd bezeichnet, so gibt er damit das ältere kynische Urteil über den Wert der Güter wieder. Das Bild vom Theater stammt aus der Stoa und war schon von Rie- mens von Alexandrien übernommen worden^. Als eio:entlicher

') Hense, prolegg. ad Tel. p. CXIV tt'. behauptet, Cicero habe a. a. 0. den Gedanken seiner Vorlage etwas erweitert; die Asteriosstelle spricht aber dafür, daß er ihn verkürzt hat. Das zweite Bild verwendet auch Epiktet in seinen von Bions Sprache beeinflußten Dissertationen, um daran den Wert der rhetorischen Bildung als eines Durchgangsstadiums zur Tugend zu veranschaulichen: diss. III, 23, 36 ff.

-) Noch ehe er auf das Gleichnis vom ungerechten Haushalter ein- geht, hebt er an jenem Reichen des andern Gleichnisses wie Basilios seine Eigenschaft als y.axog oiy.orö/tto; und seine falschen ßov/.evftara hervor; auch das Bild von xo'/.jtoi rTjg .-ihove^iag gebraucht er dabei; vgl. M. 31 p. 276 C und 40 p. 192 B.

3) Dirkina S. G6.

58 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Schöpfer der Bühncnvergleiche gilt aber Bion. der ßeaxQixog; durch ihn wurde der mimus vitae in der Diatribe fast eine sprichwörtliche Redensart. Asterios verwendet ihn in folgender Fassung: 184B 'Qg yäg ra tojv §avfiaro7ioi(bv Jiooocojieia e'xfi jukv ovdelg xar e^aigerov, jidrzeg de emzißevzai ol röjv öoajudTCOv VTioxouai, ovTO) T}]v yi]v xal rag an exsivijg vXag äXkoi i^ ä'/Mov ojg uKjLTia jiieTevdvovTai^. Mit dem Bild von der Maske ver- bindet sich hier wie auch öfters in derbionischen Diatribe^ sofort ein verwandtes, das weiter unten ausführlicher wiederholt wird : 1 93 A "ExaoTog yäo r)]v Idiav jzo/jTeiav cbg ijudrioi' 7iegißeß/.i]Ta( ehe AafiTTQor xal xiuiov eire qavkov xal Trjg jiTCO/txijg e(fsoToiöog ofxoiov Exövoaodai de avrö ovx eonv ovxe änaXld^ai xal öia/isi- ^'ao§ai Txoog ejeoov ovts xxL So drängt sich in dieser Predigt eine Reihe wirkungsvoller Vergleiche zusammen, die alle den gleichen Gedanken veranschaulichen: auch seine ethische Kon- sequenz wird schließlich in eine Form gekleidet, die ihren kyni- schen Ursprung ebenfalls deutlich verrät: 154 D öxi Tigoofjxev cbg €(pr]juegovg fjpäg öia'Q}]v dvajuevovxag x)~]g e^oöov ovrdijua ^.

In der zweiten Rede, der Sjui/Ja xaxä TTÄeore^iag treten zu diesen Erscheinungen andere, die den kynischen Einschlag in der Predigt des Asterios noch klarer erkennen lassen. Hier ist die enge Beziehung auf die heilige Schrift, worin man das einzige äußere Merkmal sieht, das die christliche Kanzelrede im Gegensatz zur Diatribe immer bewahrt habe*, aufgegeben. Der Prediger erinnert nur kurz in einem aus dem Zusammen- hang der vorher und nachher entwickelten Gedanken heraus- tretenden Teile an die vorausgegangenen Lektionen, die mit dem Thema in keiner Verbindung stehen, um dann zu diesem selbst überzugehen. Seiner Predigt gibt er die Form einer Anklagerede gegen die personifizierte Ilkeove'^ia ; voraus geht die Aufforderung: 196 A 'Ajiooxgdqpijxe avxtjv cog äxoofxov exai- giöa jigooye/.öjoav xcö 7i?j]-&ei xnlg äXloxgiaig vXaig xaXXco7iil^oixevt]v y.al xoTg ävdeoi xov (pagfiaxoTTcoX.ov. Ist jene Kunst der Per-

^) Vgl. Seneca epist. 120, 22: uiutamus subinde personam et contrariam ei sumimus, quam exuimus; dieses und andere Beispiele bei Büttner S. 55. Asterios gebraucht es noch einmal, um die Unbeständigkeit des :iaoaßä- TTjg Julian zu beschreiben: 208 A.

-) Vgl. darüber 0. Hense, Teletis reliquiae' p. XLVI, CVII, CXIII.

^) Vgl. Diog. L. VI 2. 38 äjtoXig, äoixog, ^targlöog ioiegri/^ievo;, nxoiyßg, jt?-art]Tijg ßiov f/ojv xovq?^ rjiiSQav.

*) Norden, Die antike Kunstprosa II, S. 514.

i'ber d. P^ehtheit d. drei luu- d. Thotios f. Arteriös bezeugt. Kedt-ii. 59

sonifikation des Lastors kynische Techtiik, so erinnert dieser A'ergleicli wiederum an die schriftstellerische Eigenart des Borystheniten, von dem Eratosthenes sagt: ngcörog tijv qilooo- qi'ar (h'ßtvd treövosv (bei Diog. L. lY, 52;. Eine weitere Eigen- tümlichkeit der Rede ist die bei Asterios sonst nicht gewöhn- liche Verwendung einer paganen Fabel, die als solche ausdrücklich gekennzeichnet wird (11)7 C toT- nao' "EÄhjoi /u'dovi. Inhaltlich berührt sie sich vielfach mit jenen Predigten des Basilios, die von der Diatribe stark beeinflußt sind, namentlich mit der llo- milie .toöc .-j/.ovTovrTng (Mol, ]i. 277 fl\), die Asterios wahr- scheinlich kannte (vgl. oben S. 52 ^, 55 ^j. Doch weisen andere Bestandteile der Schrift auf eine unmittelbare Abhängigkeit von dem kynisch- stoischen Schrifttum, insbesondere ist eine enge Beziehung zAir ersten Satire des Horaz nicht zu verkennen. Alle diese Besonderheiten der Rede erfordern eine genauere Analyse ihres Inhalts.

Wir beobachten eine fortlaufende Berührung mit der Dia- tribe, die bald nach der langen Einleitung beginnt. Der Redner geht von der Aufzählung biblischer Beispiele des Geizes über zu einer Betrachtung des täglichen Lebens. Diesem Teil schickt er die in der Moralpredigt gern verwendete ovyy.oioig der Laster voraus, um die nlEove^ia als das schlimmste zu erweisen: dem (fi).oyo)']ij,aTOQ stellt er die schon erwähnten Typen des qih)- doros und des (pdödo^og gegenüber, wobei er die Genußsucht in die Untugenden des (j~(}.oo(öuarog und des yaoroi\iiaoyos scheidet (200 C). Seiner Einteilung liegt somit das vielbenutzte Schema des stoischen Lasterkatalogs zugrunde mit den Kategorien rr/fo- re^ia, (fi/.oöoiia, (fih]d'ovia ^. Dann setzt der •/aoay.T)]giou6^ des rcleo- rey.Ti]g ein: 201 A To7g oiy.doii 6 TiAeovexri]? iouv ä}]di)g, oixhaig ßagvg, cpiXoig ä/grjoiog, ^eroig dvoevievy.xog , yeiiooiv 6'/h]g6g, yv- vaiy.l uo'/dijgog ovvoixog, naidcov (peiöcolog y.al uiy.golöyog rgoqpevg. Das Verhältnis des Geizhalses zu seiner Umgebung ist ein der Diatribe sehr geläufiges Motiv, das z. B. auch wieder Phoinix von Kolophon beweist iv. 35 f.: vgl. Gerhard S. 14 IS): auch Basilios beschreibt es öfters, z. T. mit Verwendung der gleichen Ausdrücke (z. B. M 31. p. 293 B—C. p. 276)2. Aber in dieser Vollständigkeit werden die Beziehungen des :T).eov. selten auf-

*) Vgl. Norden. Fleck. Jbrb. Suppl. 18. 8.358: dazu Lietziuanu zu Eöm. 1, 3i, Hdb. d. X. T. III, 1. S. 11.

-) Auch das seltene dvoevTsvy.TOi begegnet bei ihm (^I 31, p. 276). wo- für Plutarch .t. fft/.o.-r/.ovT. 526 c drsvTevxTo; hat: vgl. Dirking S. 65.

ßO Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

gezählt; so bei Hör. Sat. T, 1. Doch formt der Dichter die vielen Einzelbilder, die sich bei Asterios drängen. 7,11 einer ein- heitliehen Anschauung, indem er den Geizhals in einer be- stimmten Situation vorführt: er läßt ihn krank sein und zeigt uns nur den Reflex seines mürrischen Wesens in der Stimmung der familia, die um ihn ist: v. S4 f. non uxor salvum te volt, non filius: omnes vicini oderunt, noti, pueri atque puellae^.

In der weiteren Schilderung bei Asterios wird nun die Ge- stalt des jiXeov. von seiner Umgebung isoliert: iavrov y.axog imoTdzt]^, vvxrcoQ (pgovTiCcov, jue^' fjfieQav Jiejivxvcojuevog, öiaXe- yojuevog eavTcp xaxa rovq e^eoTi]xÖTag ») Tiagacpegovrag. Auch diese Züge sind alle bekannt: der avarus, der seine eigene Person vernachlässigt, wird uns gleich noch einmal bei Asterios und Hör. begegnen^; seine Sorge um sein Geld, die ihm Tag- und Nacht keine Ruhe läßt^ er heißt deshalb nachher (204 B) fji.ddvi]rog kennen wir wieder aus Hör. Sat. I, 1, 76: an vigi- lare metu exanimem noctesque diesque. IS^eu mutet uns nur das Selbstgespräch des Geizhalses als Symptom seiner Verrücktheit an. Abgesehen von Basilios, der es an dem Yerhalten des- törichten Reichen im Gleichnis wiederholt hervorhebt (c. 2, M31, p. 265 B rfi y'v/jj dieXJyero, c. 6, p. 276 C h' XQvnro) Xaleig oeavrcp) können wir es nur bei Bion belegen, wenn anders Henses Ver- mutung richtig ist. daß auf diesen folgende Philodemstelle zurück- geht: col. XA^, 16 ff. fpoiviy.a yovv TO(X>xri]v , og eva yaXxovv UTioßaXcov avTOv Jivelyet , ,,ydoxojv ßaöi'Qeig, ov Ttoooeyeig oavjM Ae/cü)'"*. Der Yers deutet darauf hin, daß diese äußerst wir- kungsvolle Figur aus der Komödie stammt, aus der Bions Dia- tribe für die Charakteristik schöpfte. Es werden weitere Anzeichen der jiiavia an dem widerspruchsvollem Gebahren des jiXeov. nachgewiesen: jidvicov evßi]voi'juevog xal oievcov cbg h- öefjg , xmv naoövxcov ovx äjioXavwv xal rd djiövra i^t]iwv , xolg iöioig ov xexQrjjLievog, l7io(pdaXfjLiü)v de rdig äXdoTQioig. Auch der

') Das Gegenbild dazu zeichnet er iu der Person des verrückten Ar- givers epist. II, 2, 131 f.

bonus sane vicinus, amabilis hospes comis in uxoreni, posset qui ignoscere servis. «) Vgl. Dirking S. 52.

*) Den dafür beliebten Terminus dyQVTtvsT hat schon Aristipp bei Plut. :rcegi (pdonL c.3; ferner öfter Basilios (z.B. ^J.;51, p. 265A), vgl. Dirking 8. 57.

*) Vgl. Hense, Teles-, prol. S. LXXI '.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. (> l

To.TOs von der Bedürftigkeit des knauserigen Reichen ist in der Dintribe stehend; am passendsten vergleicht sich wieder eine Stelle bei Teles mit bionischem Gedankengut: 3b, 3 ff. OTiavi- Covoi y.al £}' irdeia eloiv , tjndvfiovrre'; fth' tto/Mov, yQiiodaL de

ov övrdjuet'oi ßicooij dgxovjuevog toT-; Tiagovoi, tmv änovrcov

ovx L-Ti'ßi'jinor. Bei Asterios kommt aber mit den Worten inorp- '&akuKov etc. ein neues ^fotiv hinzu: der Xeid wird zu den Äußerungen der nXeove^ia gerechnet, eine Verbindung, die sich ebenso aus Teles, Plutarch und Horaz. und noch häufiger bei Späteren belegen läßt^. Die Übereinstimmung mit Horaz fällt besonders auf, wenn wir weiter bei Asterios folgendes Beispiel für den Xeid des TiXeov. lesen: Ilokvaovov toc roiocxov Troi/Lwiov. oievovv lovg o)]}covg, eq^cbv y.axay.AeieTai, y.akvjixov jrt- diddag, er a/V rhierai. Käv evoaoy.or ocf Ofj tov rrooooiy.ov ttoo- ßaiov , äqelg tIjv löiav äyehp' , reo evl y.al d/./.oTgko xfj enidv/nia 7ioooy.ddt]xaf xb avxo im xcöv ßocöv öj^ioicog eni x(bv 'i'titiojv ovx ä/Mog im Tj)s yfjg- Sofort erinnert man sich der Horazverse am Schluß der I.Satire: 110 f. quodque aliena capella gerat di- stentius über, tabescat. Hier ist einmal die gemeinsame Quelle greifbar: sie bestätigt auch Plutarchs bereits genannter Traktat .-7£Of (pdoTxXovxiag , dessen Verwandtschaft mit der horazischen Satire festgestellt ist-, mit dem Passus c. 3: xov TxAeko xcov ly.a- vcor eyovxa y.al TtXeiorcov ogeyoueyor ov yovoiov ioxh' ovo' dg- yvgiov xb "degamvov ovo' Tirrnoi y.al ngößaxa y.al ßoeg. Horaz weicht nur darin von der griechischen Vorlage ab. daß er sich in dem Schlullresume seiner Satire mit einem Beispiel begDÜgt; wenn er statt des Schafes die Ziege nennt, so überträgt er als ein Meister der ji(iu)]oig das Griechische auf italische A'erhält- nisse und in die lateinische Ausdrucksweise ^. In den sich anschließenden diatribenartigen Betrachtungen löst ein mehr oder weniger scharfes Bild des nkeov. das andere ab; aber keines ist original. Der Kranke, der lieber sein Leben hergibt als ein paar Groschen für eine rettende Arznei, ist aus Hör.

*) Vgl. R. Heinze . De Horatio Bionis iniitatore S. 21 und Dirking S. 47 , der zu Basil. .toö, .t/.oit. c. 5 ... obvvön-zai Sri sv6; ^ov P) dsi'Tsoov Tcör v:jeoa}.ovTOvvzcov a.::io).iu:iävovTai. "Oiav tovtov t6%' n).ovoior xaTa/.äßcooiv , svdvg TM nXovoicojEooi :Taoioa>dijvai qüorsinovoi die Horazverse anführt: Sat. 1, 1, 111 ff. (avarus) neque se maiori pauperiorum

turbae comparet. hunc atque hunc superare laboret, Sic festiuanti semper locupletior obst.it. *) R. Heinze a. a. 0. S. 18 f. ») Vgl. Porphyrius S. 2oO Holder.

62 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Sat. II, 3 bekannt. Die folgenden Typen geben eine gute Illu- stration zu jener Pleonexie, die in der Abliandlung des Phitarch c. 6 mit den Worten naoaloyil^ofiev)] xal :noÄvn:oayiiorovaa cha- rakterisiert wird. Da ist zunächst die Gestalt des Wucheres, der aus der jS^ot des Nebenmenschen seinen Vorteil zieht, in jener Zeit eine Tageserscheinung, deren gewinnsüchtige Speku- lationen von allen Kanzelrednern scharf aufs Korn genommen wurden'; dann der reiche Kornbauer, der alles doppelt und dreifach verschließt, eine Figur, die ebenso bei Plutarch a. a. 0. p. 525 A und im Anschluß daran bei Basilios in der Auslegung des Gleichnisses vom törichten Reichen (c. 2, M 31, p. 265 A) gezeichnet ist 2. Asterios vereinigt mit den genannten noch andere traditionelle Züge des nXeov. in diesem Bilde; er zeigt, wie ihn die Sorge um das Geld noch in Traumphantasien be- schäftigt (201 D), wie die geringste Gefahr, die seinen Getreide- feldern droht, ein Wölkchen am Himmel, oder ein leichter Regen ihn ängstigt, wie ein Platzregen ihn ganz aus der Fas- sung bringt (201 D f.), wie er sich keinen Rat weiß und nichts unversucht läßt, um das Getreide vor Fäulnis oder vor der schädlichen Einwirkung der Sonnenhitze zu schützen (204 A). Es ist genau jene Pleonexie, als deren Begleiterscheinungen Basilios in der genannten Rede oievay^uovg, (pQovriöag y.al IvTtag xai djLUjxaviav denn)}' anführt, ohne sie im einzelnen und mit so lebendiger Anschaulichkeit wie Asterios zu beschreiben. Man darf wohl in diesem Verhältnis einen Fingerzeig dafür erblicken, daß Asterios hier den gleichen populär-philosophischen Traktat benützte wie Basilios^, sich aber an seine Quelle enger anschloß als jener. Er hat auch ihre Anlage übernommen, wie der nun beginnende Abschnitt deutlich erkennen läßt.

Asterios geht nämlich dazu über, der xiTjoig die XQrjOig gegenüberzustellen. Das ist eine beliebte Einteilung, die durch die Unterbegriffe jener beiden Termini noch weiter gegliedert wird; sie sind in folgender Definition des Aristoteles gegeben: etil, p. 1120 a S XQyjOig <5' elvai öoy.fl yorj/ndTO)}' öuTimn] y.al öooig, fj de Xfjyjig xal 1) (pvluK)] xrfjoig jiiu?dov *. Unter dem Gesichts- punkt der hjipig und der cpvlaxy) hat Asterios in dem voran- gehenden Teil die Pleonexie geschildert, die folgende Darstellung

>) Dirkiug S. 61 f. -) Dirking S. 57 f.

^) Dirking S. 68.

■*) Eine ähnliche Unterscheidung macht der Verfasser der vom Ky- insmus beeinflußten Demonicea [Isoer. IJ § 27 28.

über d. Echtheit d. drei nur d. l'hotios f. Asterios bezeugt. Reden. (jl}

handelt von der Verwendung des Besitzes für andere und für die eigene Person, also von der döoi^ und der ö<i7Täv}j. Es liegt demnach der Predigt ein traditionelles Schema zugrunde, das zweifellos der A'orlage angehört.

Aber Asterios hat dies ergibt eine aufmerksame 15e- traohtulig des mit den Worten: Tarra ahü) TaÄfuncDoovi'ii o rrei'ijg TxeoiloTarm 204 \\ beginnenden neuen Abschnittes den Gedanken seiner Quelle nicht unverändert gelassen, sondern ihn der damals in der Kirche herrschenden sozialen Lebensauffas- sung angepaßt, die ihren bestimmtesten Ausdruck in dem Grund- satz des Basilios erhalten hat: Ja.-ravijTixöv tt^ovtov fj ßega^ieta Tcö)' deojnh'oii' {ngog ttIovx. c. 1 , M 31, p. 2Sl B). Demgemäß wird hier fast ausschließlich das Almosengeben gefordert und hauptsächlich das Knickertum, das dem Armen die Gabe ver- sagt, recht als solches gekennzeichnet (ov didcooi, (peidcoXwg yaQi'Qejai y.al fj/itdv)]Tog). "Der Gedanke der dandvi] im gewöhn- lichen Sinn wird nicht ganz übergangen, aber er wird nur an- gedeutet in der Aufforderung: Ml] jolvvv äTieoavia i^ioyßei y.al yaXeTid, 6 roiovTog, Tiagay.a/xT), um gleich darauf in der Kritik des rgvqxot' Ttleov. zurückgenommen zu werden: ^EXeov jtiev ydo ä^iog y.al 6 Tovq)cbv nleovey.D^g 6 ifj yaorol y.al raig aXXaig fj- öovaTg Treoiooi^cov rbv ßiov , tovto Tf/oc vouiCcov rTjg ävdgcoTio- T)jTog. Zur Herstellung eines logischen Zusammenhangs zwischen beiden Sätzen ist er aber durchaus erforderlich. Fraglich ist nur die Form, in der wir ihn ergänzen. Sie gibt ims ein Ver- gleich mit Iloraz in die Hand. Auch in der l. Satire wird das frui paratis nicht so laut gepriesen wie sonst, aber es ist doch bestimmt enthalten in der Mahnung v. 92 denique sit linis quae- rendi usw. und in dem sich anschließenden Beispiel des Um- midius. Der avarus versteht dies auch sofort, aber er deutet es als eine Aufforderung zur Schlemmerei: v. 101 ff. Quid mi igitur suades? ut vivam Xaevius aut sie ut Jfomentanus?, eine Auslegung, gegen die sich der Dichter sofort verwahrt. Dieser Einwand des Interlokutors und seine Widerlegung durch den Kyniker ist nun gerade das, was in die bei Asterios beobachtete Lücke vortrefflich paßt. An den Gedanken, daß nicht das andere Extrem empfohlen werden solle, schließt sich der Satz: 'EXeov jLtev ydg usw. als, Begründung gut an.

Der eigentliche Gegner des Predigers ist aber der Knauser, der weder sich noch andern etwas gönnt. An ihm hatte schon Bion gerne seinen Witz ireübt. Die Bezeichnung luy.ooXoyog

64 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea-

(201 A-, 204 Bj ist bionischen Ursprungs ^ Sein glänzendes Elend wird in folgenden Worten gemalt: 'O de juiy.goTiQejiijg y.ai ojiu- xooXöyog ovde juergoi' eyei Ti]g dS/j6n]Tog , /..a^ußdrojv tu t(ov TioXXön' y.ui iavTco jui] didovg, £ig ovdev de xma^jp/cov zfjg onov- öijg djtoze?ieojLia. Tig ydg ovx oldev cog ovdev to)v yivojuevoji' 7iXi]v T(bv doer&v avzö Öl eavrb yiverai, dAA' ereQOv ii Tiodirofiev, l'v' äXXo xaroQ^diocoj-iev ; OvÖeig nXecov öl amö :i:leh' dakaxrevei ovöe yeojoyoiv öl amb x6 yecoQyelv zoig Tiovoig ov^i] , dX'/Ä ttoo- ör\lov (hg roig kvnt^QÖig eyxaQxeQovoiv dju^öregoi, 6 juev iva tj)j' ejiiy.aoTiiav Trjg yfjg^ 6 öe Tra rov Jikovxov xijg vavxixtjg e/ujxooiag Hojuioijxai. Tn Frage steht hier das xeXog der Mühen des Er- werbs : die y.xvjoig soll in der rechten XQijoig ihren Zweck und das ist die zweite Bedeutung des griechischen xelog"^ ihr Ende finden. Allerdings wird dieses Schlußurteil nicht so klar ausgesprochen ; die Argumentation bleibt stehen bei dem Satze, daß Plage nirgends Selbstzweck sei. Sie schließt sich an eine vielbenützte Platostelle an (Gorg. p. 467D ovxovv y.ai oi jiXtovxeg xe y.ai rov äl'/.ov yoi]jnaxiojuöv yQ}]/iaxiCöjLiei'oi ov xovxo eoxiv , o ßovXovxai, b ttoiovoiv ey.doxoxe' xig ydo ßovlexai nleiv xe y.ai yivövveveiv y.ai Tiody/nax' eyeiv d/A' exelvo oIjLiai, ov evexa nkeovoiv, 7T?.ovxeTr), nennt aber neben dem Seefahrer noch den Landmann; es sind die aus Iloraz bekannten typischen Ver- treter eines mühevollen Lebensberufes. In der horazischen Satire kommt auch der Zweck ihrer Plage, die Absicht auf die öajrdin], klarer zum Ausdruck in den Worten: v. 31 senes ut in otia tuta recedant. Der Dichter läßt dies allerdings nur als Yor- wand gelten und erweist als die eigentliche Triebfeder ihres ruhelosen Erwerbens den Neid, der sich bei dem Blick auf den besser situierten Nebenmenschen immer wieder entzündet (v. 40 nil obstet tibi, dum ne sit ditior alter). „^Yas hat man nun aber vom Sammeln, wenn man das Gesammelte nicht genießt?^' ist die weitere Frage, die bei Horaz und Asterios erörtert wird.

ij Gerhard: a. a. 0. S. 60^

-) über die Verwendung und Bedeutung dieses Begrifles und der damit verwandten oy.ojrög, jzfQag, ooog in der Popularphilosophie und bei Basilios vgl. Büttner S. 39. Auch ßasilios niahnt von dem anigavta fio/- deXv ab (M 31, p. 296 A) und nennt diese vielgeplagten Reichen mit den herkömmlichen Bezeichnungen udhoi und eleetroi (M31, p. 384 C). Mit der Asteriosstelle berührt sich besonders M 31, p. 452 A eleeivol rij? rgv- rpfjg, IXeeivözEQOi xwv er Ji£?.dyei /siftaCofievcov und 380 B et" aoi JtgosßaXe Jiö- vovg yscogytxovg y roi'g i^ e/njrooiag xivörvovg ij ooa ä}J.a rotg /ot],aari^ofievoig nQÖoEOTir ijrijTora, edst oe P.i'jrtjdyrai. Vgl. Dirking S. 33 und S. 57'.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. 65

Der Dichter berührt sie mit den Worten: Quid iuvat da tritt ihm einen Augenblick das l>ild des Geizhalses dazwischen, der seine Schätze vergräbt: aber gleich nimmt er die Frage wieder in bestimmterer Form auf: Quid habet pulchri constructus acer- vus? Es handelt sich also nm den Sinn eines rein ästhetischen Genusses. Genau dieses Thema wird bei Asterios ausgeführt und zwar in einem interessanten Wechsel von Frage und Ant- wort, in dem sich der Diatribenstil ungetrübt erhalten hat. Der Prediger fragt: Zb de t/ to oov Tiegag, ei:ne, i'va ovvayuy)]^, xal Tioiov rovTO TO jf/.oq ro äyQ)}OTOv vh]v ocogevoarra ßUTxeiv; Dar- auf der ungenannte, durch ein bloßes qi^oi eingeführte Partner: Teqttsi jue, q:i]oi, y.ai fj dea. K^un wieder der Prediger: Ovhovv äXXoK TO oavTov voatjjLia /.lETslde usw. Er führt den Gegner ab mit dem Hinweis, dali er seine Schaulust ebenso gut an fremden Schätzen befriedigen könne, so beim Silberschmied, auf dem Markte und an den Tischen der AYechsler. Horaz gibt die Antwort in anderer Weise: er malt diesen Typus in verschie- denen Gestalten, die ihn lächerlich machen. Einmal ist es einer, der am liebsten aus dem vollen schöpft und so in steter Gefahr ist, vom Flusse mit fortgerissen zu werden (v. 51 ff.): dann ist es der filzige Athener, der sich zum Tröste für erlittene Schmäh- ungen am Anblick seines Geldes weidet ( v. 65 f. i : schließlich ist es jeder, der mit seinem Gelde nichts anzufangen weiß als es anzuschauen wie gemalte Leinwand (\. 72).

Im folgenden hören die stärkeren Berührungen der Predigt mit der Satire auf: dagegen läßt sich eine Übereinstimmung mit Gedanken der Abhandlung des Plutarch und der daraus schöpfenden Homilie des Basilios :iob<; TikonovvTaq auch weiter- hin erkennen. Asterios lenkt den Blick des :ikeov. auf die Zeit nach seinem Tode und erinnert an das Wenige, was er dann braucht, an das kleine Stück Erde und die ein paar Spannen breite Bretter : 204 D "YTregxvyov tm /.oyio/iicp elg t6v i^iig XqÖvov , öre ovy. eot], öte juiy.gd yT/ y.ade^ei oov do]JT/.ojiuerov z6 ocoua ävaiod)]TOV , .T/ä| öh ö/Jyojv 07iidaf.udv y.aXvii'Ei ib ?,Eiy'a- vov. Uov TOTE 6 TT/MVTog yMi TU ovvayß^EVJa XEiju/jkiia ; Es folgt mm ganz passend, aber unvermittelt der Hinweis auf die Erben, der auch in der Rede des Basilios wiederkehrt: hier ist einmal wieder die Quelle sichtbar; sie bezeugt Plutarch rr. (piXonk. c. 7. Auch dort motiviert der Geizhals seine Sammelwut mit der Sorge für den Erben. Dieser Grund wird mit dem Hinweis entkräftet, daß die Testamentsbestimmungen vielfach mit List

T. u. U. 13: Bretz. 5

66 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

oder Gewalt, durch einen ovy.oq^dm]g oder einen zvgavvog um- gestoßen werden, oder falls das Vermögen in der Familie ver- bleibt, ein schurkenhaftes Glied alles an sich reißt und durch- bringt. Beide Fälle, nur in umgekehrter Abfolge, beschreibt auch Asterios: 204 D Tig 6 töjv y.ara'/.eiq^devxojv 6 y.XtjQovojuog ; ov yoLQ ndvTcog ixeivog soxai Öiddoyog, ov ov jioooöoxäg. "Av rraTdag y.araleiTtijg, rvybv yoydv/uod)]oovrai oi^iorooTJog oov 7iAE0viy.Tt]g ßg}]vovvTag aviovg t>}s olxiag rr/g Tiaxoiy.iig aTiekdoei.. Kdv äjiaig em riva töjv (fi/xov TTagajiejuif'fjg rbv y.lrioov , jui) :xo6oEyE oov rf] diaihjy.r/ cbg ay.ivrjrco vöum, d)g 7iQdyi.iaxi av- avxtoo/jxq) y.al lo/vgco. 'ÖÄiyt] o:zoi'd)) ay.voov Tioieiv xijv ygacpijv. "H ovy ögäg xovg ovvexcög ev xoig dty.aoxi]Qioig xaxd xcöv Öia'&r]- xcov äywviCojiievovg , öjxojg avxdg Tiöiy.iXoLg iyyeiorjjULaoi naoa- xoovovxai xovg xcov vojumv xeyvixag jTooioxdjueroi ovvr/yogovg, xovg ösivovg gi'jxogag eTiayouevoi ßoijdovg, ii'evdoudgxvgag xgecpovxeg, diy.aox})gia öcacf&eigovxeg ; Auch Basilios unterscheidet den Vor- wand did xovg jiaiöag und den der äxexvoi (c S eTgt]xai jigög xovg Tiaxegag, d e]'gi]xm' oi äxey.voi, xiva fjfnv evngoownov alxiav xfjg (fetdo)/uag :xgoßd/üovxai ;), aber er macht dagegen zunächst nur religiöse Gründe geltend, indem er die Pflicht, für das Heil der Seele zu sorgen, und das Gebot des Almosengebens über alle anderen Sorgen stellt; nur am Schluß erinnert auch er an die Unsicherheit der Testamentsbestimmungen (M31. p. 301 B Kaixoi ei y.al Tcdvra cfavegcög eyeyganxo etc.). Bei Asterios hat sich demnach die Quelle reiner erhalten.

Die bei Asterios folgende Ausmalung der Intriguen bei Erbschaftsprozessen bildet einen passenden Übergang zu dem Abschnitt über die Laster, welche die Pleonexie im Gefolge hat. Diese Schilderung schließt sich aber nicht unmittelbar an, sondern es schiebt sich eine kurze Beti-achtung des vorher ver- lesenen Gleichnisses vom reichen Mann und armen Lazarus dazwischen, die an dem Schicksal des Reichen im Jenseits gerade seine Sünde als die Macht erweisen will, die den Menschen von Gott trennt: der Satz wird dann weiter durch Beispiele aus der Kirchengeschichte beleuchtet, indem die Pleonexie auch als Triebfeder für den Abfall der Christen in den Verfolgungen hingestellt wird (20öB-20SC). Damit gewinnt der Prediger zugleich die Möglichkeit, die Idololatrie als die ärgste Sünde an die Spitze jener Laster zu stellen, die in der heidnischen Moralpredigt als Erscheinungsweisen der Habsucht aufgezählt werden ; zu diesen herkömmlichen Darstellungen kehrt er mit

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der Erwälimmg des Vatermörders und der Beschreibung seines unnatürlichen Treibens zAirück {2*\H C).

Wieder schimmert in dieser Anordnung die feste Disposition der YorUige des Asterios durch ; zugleich wiederholt sich hier die früher 'S. 63) beobachtete Erscheinung, daß Asterios beim Über- gang zu'einem neuen Haui»tteil. eigene Anschauungen zur Geltung bringt, ohne seine Gedanken mit den übernommenen zu völliger Einheit zu verbinden. So vergißt er, in einem zusammenfassen- den Urteil über die Pleonexie auf das in jenem christlichen Bestandteil der Predigt gegen sie Vorgebrachte Bezug zu nehmen, während er die vorher und nachher bezeichneten, aus dem Grundübel hervorgegangenen Schlechtigkeiten kurz regi- striert, zugleich ein Beweis dafür, daß dieses Urteil unverändert aus der Quelle übernommen ist: 209 B Zog ovxog, co aiaoi] nXeove^ia, y.aoTiog' naoä oov y.evToa /.außdvojv 6 naTg tioM- fiiog yiverai xov ysvvtjoavxog' ov :jh]ooTg xrjv yi]v hjoxwv xal (fovevxcov , xaxan:orx(ox(7)y Ök dd'/.aooar , xäg rco/.eig doovßov, öixaoxi']gia i^'evöojuagxvocov, ovy.ocfavxcov , noodoxcov , ovvrjyögcov, diy.aoxcov ixet oeTiövxcov, ötcov d'äv ov xad^ekxvoijg. UXeove^ia, u)']X)]g xTjg äyio6x)]xog, a.v}]le)']g, uwüvdgcoTiog, (huoxdxt]. Derartige Häufungen von Vorwürfen gegen ein Laster sind in der antiken Popularphilosophie nicht selten; sie sind auch schon in der christ- lichen Vulgärpoesie nachgewiesen worden^. Doch bietet für Form und Inhalt der leidenschaftlichen Invektive bei Asterios nur Seneca die genaue Parallele, allerdings an zwei verschiedenen Stellen: de benef. A"II. 10 läßt er den Kyniker Demetrius die personi- fizierte avaritia anfahren: Quid agis, Avaritia? Quot rerum caritate aurum tuum victum est etc.; und de ira III. 33 beschreibt er die verderbliche Macht des Geldes folgendermaßen: Fora defatigat. tribunalia magistratuum premit turba; patres liberos- que committit . . .. gladios tam percussoribus quam legionibus committit. reges saeviunt rapiuntque et civitates longo saecu- lorum labore constructas evertunt.

Eine weitere Zusammenstellung von Reminiszensen aus der Diatribe könnte das bisher Gesagte nur bestätigen; wir brechen deshalb hier die Untersuchung ab und fassen ihr Ergebnis kurz zusammen: Asterios hat in der Predigt xaxd nÄeove^tag auf

') Z. B. Orac. Sibyll. Vif. 24 ff., vgl. Geffcken, Cynica und Verwandtes S. 41: Gerhard a. a. 0. S. 16-, 17 ^ 16 ^

6S Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

weite Strecken das Gredankenmaterial der heidnischen Mora- listen benützt; ihre Anschauungen. Grundsätze. Gemeinplätze, Beispiele und Bilder finden sich in ihr nicht wie in vielen andern christlichen Predigten aus jener Zeit vereinzelt wieder, sondern in systematischer Anordnung, der ein traditionelles Schema zugrunde liegt. Asterios schöpft also aus einer festen literarischen Quelle. Am nächsten berührt sich ihr Inhalt mit der ersten Satire des Horaz und einem damit verwandten Traktate des Plutarch, ferner mit zwei Predigten des Basilios, die ihrerseits diesem Traktate nahestehen. Auch für die Ausprägung und die Verbindung der Gedanken in der Vorlage des Asterios können diese Schriften als Zeugen genannt werden, wenn sie manchmal auch nur andeuten, was bei Asterios ausgeführt wird. So wird in der horazischen Satire ebenso wie in unserer Pre- digt der Neid in der Gestalt des auf die Herde des Xachbarn lauernden Geizhalses gezeichnet und in seiner Person dieses Motiv mit dem des Geizes verknüpft; nach einer nicht bestimmt ausgesprochenen Mahnung zum Genuß des Erworbenen wird der rein ästhetische Genuß eines großen Yermögens erörtert, die Form hierfür ist ein Zwiegespräch mit einem fingierten Gegner; schließlich steht im Hintergrunde des ganzen moralischen Rä- sonnements bei Asterios wie bei Horaz die Frage nach dem Glück des jiIeovext}]^ , die an jeder seiner Lebensäußerungen geprüft und jedesmal verneint wird. Für diese Art der Über- einstimmung reicht die durch vorsichtige Erwägung zunächst gebotene Erklärung nicht aus. daß in moralischen Betrachtungen über so alltägliche Themata die gleichen Gedankenreihen sich aus dem gleichen Gegenstand unabhängig voneinander ergeben; sie erklärt sich vielmehr nur durch die Anuahme, daß die A'^or- lage des Asterios, eine in ihrer Anlage noch gut erkennbare Diatribe. auch von Horaz. Plutarch und Basilios direkt oder durch Zwischenquellen benützt ist. Genauer läßt sich der Grad dieser literarischen Verwandtschaft nicht mehr bestimmen, eben- sowenig der Verfasser der kynischen Grundschrift. Es liegt nahe, sie mit Bion in Verbindung zu bringen, der als das Vor- bild des Horaz gilt; wir konnten auch in der asterianischen Pre- digt einen stärkeren Einschlag der bionischen Diatribe beob- achten und zwar, was gewiß nicht zufällig ist, immer bei dem gleichen Thema über die Stellung des Menschen zum irdischen Besitz. Aber gerade jene Züge, welche die Predigt mit der Satire gemeinsam hat, lassen sich für Bion nicht belegen; über-

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dies ist seine Benützung- durch Tloraz durcliaus niclit so sicher wie sie behauptet wird ^

Für die horazisclie Satire liat aber die beobaclitete Ver- wandtschaft mit der Predigt des Asterios eine weitere Be- deutung: wir gewinnen aus ihr ein neues Kriterium für die noch immer umstrittene Frage der Komposition dieser Satire; sie kann durch R. Heinzes Urteil, das er zuerst in seiner Disser- tation, dann wiederholt in Kießlings Kommentar ausgesprochen hat. nicht als gelöst betrachtet werden. Seine Annahme, daß Horaz in der ersten Satire zwei griechische Diatriben ganz ver- schiedenen Inhalts, eine negl ^ueuyiaoigiag und eine ^egi rpiXo- Tikoviiag, in unglücklicher Weise kontaminiert habe, stützt sich hauptsächlich auf den Unterschied dieser Begriffe, die nach seiner Ansicht nichts miteinander gemein haben ■'^. Diese Vor- aussetzung erweist sich jedoch als irrig, sobald man für das lateinische avaritia. das nach des Dichters Intention unverkenn- bar das Thema der ganzen Satire bildet, den entsprechenden griechischen Terminus einsetzt. Dieser ist, wie schon Reitzen- stein gesehen hat^, nicht (pdoTikoviia, sondern der viel weitere Begriff Ti'Aeove^ia. Seinen Umfang beschreibt uns Asterios in einer genauen Definition: 197B Illeove^ia toIvvv ionv ov juovov Tfö ägyvgicp ovr roTg ä/./.oig xx/juaotr eTtiuaiveoßai y.al ßovkeo^ai ToTg rragovoi rd lü] Tigooovxa ovvdTixeiv, u/.Äd yevixojxegov el- neTr xo erri Tiavxbg Tigdyjiiaxog nliov eyeiv ßovkeo'&ai xov 6(1 eikoaerov y.al e.-xtßd/.Äovxog^. Eben diese allgemeinere Bedeutung des Wortes .-rÄeoveiia hat der Dichter im Auge, wenn er im Eingang der Satire als ihr Thema angibt: qui fit, ut nemo quam sibi sortem seu ratio dederit seu fors obie- cerit, illa contentus vivat; er übersetzt damit nur das 7i?Jov eyjiv ßovkeo&ai xov öq:eUojuevov y.al tTiißdkdovxog^. Es hat

^) Vgl. Reitzenstein. Hellenist. Wundererz. S. 22^

^) De Horatio Bionis imitatore diss. p. 15, p. 20 fF.

^) Hellenist. Wundererz. S. 25 Anru. 2. „Von einer solchen (Aretalogie) nimmt das erste Gedicht seinen Lauf; sie bildet nicht einen eigenen Teil, sondern gibt mit ihrem Schlußton (o urßoco.Toc ovSh tcöv iavTov da:zä^ETai, dAA' del :tXeov e/Etv ßi/.ei, was mit avarus allerdings ungeschickt übersetzt ist) nur den allbekannten Haui^tsatz. an den sich das Einzelbeispiel in der Ausführung auschliefät."

*) Über andere Definitionen bei Basilios vgl. Dirking S. 67 f.

^) Dabei scheint er zu übersehen, daß der juristische Terminus ETTtßd/J.ov gleichbedeutend mit öcpEÜ.ousvov ist; vgl. Ebeling, Grieeh.- deutsches Wörterbuch z. X. T. S. 16:3.

70 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

demnach die im ersten Teil der Satire dargestellte juejui^'ijuoigia, die Unzufriedenheit der Menschen mit ihrer Lebenslage, durch- aus eine Stelle im Rahmen eines Sermons über die Tileove^ia, ohne im geringsten dessen Einheit zu stören. Tatsächlich fehlt es nicht an Anzeichen, daß diese Verbindung, die sich in der lateinischen Bearbeitung infolge der unzulänglichen Terminologie der lateinischen Sprache als ungeschickte Kontamination darstellen mag, in der griechischen Torlage des Horaz bereits vorgenommen worden war. Maximus von Tyrus. der diese Vorlage bezeugt, leitet nämlich die aus der Satire bekannte burleske Szene, in der die fxejuynuoigia geschildert wird, mit den bisher kaum beachteten Worten ein: diss. XXI. l y.al jT/.eorexxei eregog eregov, otöj äv iXdrro) tol ölovxa f]. Die gleiche Auffassung deutet Horaz in der Zusammenfassung am Schluß seiner Satire an. wo er die Frage nach der Ursache der allgemeinen Unzufriedenheit auf Erden, von der die Satire ihren Ausgang nimmt, wiederholt: v. lOSsqq. qui nemo se probet . . . potius landet . . neque se comparet, .... superare laboret. Mit diesen Verben registriert er noch einmal kurz die beschriebenen Erscheinungen der jueiiytuotgia. Die Antwort gibt er mit dem begründenden Zusatz : ut avarus. Die Tileove'^ia ist also das Grundübel, an der die Menschheit krankt; sie erscheint bald in dieser, bald in jener Form: alle Unzufriedenheit, aller Neid, alle Habsucht, das ganze Unglück auf Erden hat in ihr seine Quelle. Mit diesem Gedanken ge- winnt die Satire von selbst ihre künstlerische Einheit, ohne jene Kunstgriffe, die man dem Dichter insinuiert hat: er hat keine Lücke zu verdecken. Allerdings führt er sein Thema nicht gleichmäßig durch die ganze Satire durch : auf eine Abweichung weist er selbst deutlich hin mit den Worten: v. 108 illuc unde abii, redeo. Die Digression beginnt aber nicht schon v. 22, wo Heinze den großen Bruch in der Komposition ansetzt. Mit der dort gezeichneten amyooyJoÖF.ia wird nur ein weiteres Symptom des gleichen Fehlers, der bisher beschrieben wurde, behandelt. Dieses Gedankenverhältnis deutet die Verwendung von praeterea an; mit dieser Konjunktion führt Lucrez. aus dessen Schreib- weise sie stammt, neue Argumente für das gleiche Thema ein^. Noch klarer weisen die Worte, mit denen der Abschnitt schließt, darauf hin, daß der Dichter immer noch das gleiche Motiv wie

') Z. B. de rerum nat. 1, 503—511 principio quoniam praeterea quo- niam etc.; ähnlich 11,342. 367 und sonst.; v?!. R. Heinzes Kommentar zum HI. Buch S. 98.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. ~ \

vorher, nämlich das Thema der fieui^'iuoiota behamielt: v. 41 nil obstet tibi, dum ne sit te ditior alter, ein Gedanke, der in dem zurückblickenden Schlußteil der Satire wiederkehrt in der Wen- dung: V. 113 sie festinanti semper Incupletior obstat. Nach des Dichters eigenen Andeutungen liegt also der Übergang zu einem andern Teil bei v. 42. wo er die am Anfang aufgeworfene Frage nach der Ursache der Unzufriedenheit der Menschen zurücktreten läßt, um einige Typen der avaritia im engeren Sinne zu schildern.

Doch kehren wir zu Asterios zurück; der Exkurs, den wir hier machten, möge um der Rechtfertigung willen, die Horazens künstlerisches Schaffen dadurch erfahren haben dürfte, er- laubt sein.

3. Kapitel: Beweis der Echtheit der Reden.

In der Abhängigkeit der asterianischen Predigt von dem moralphilosophischen Schrifttum der Griechen, die sich, wie zu- letzt der Begriff der n/.eore^ia zeigte, sogar auf die Übernahme einer festgeprägten Terminologie erstreckt, und in ihrem früher (S. 34ff.j beleuchteten Yerhältnis zu den Reden der Kappadokier sind die beiden Wurzeln bloßgelegt, aus der sie fast ebenso reich- lich wie aus ihrer Hauptwurzel, der Bibel und der kirchlichen Tradition, ihre IS'ahrung zog. In der Art. wie Asterios diese Quellen benützt, dann in seiner selbständigen Haltung gegen- über den Fragen des innerkirchlichen Lebens, in seiner starren, für theologische Kontroversen unzugänglichen Orthodoxie, in seinem lebendigen Interesse an der Gestaltung des kirchlichen Kultes, in seiner ästhetisierenden Mystik und seiner allegori- sierenden Exegese prägt sich die besondere Eigenart des Ama- sener Bischofs in deutlich umrissener Gestalt aus. Halten wir nun das Bild daneben, das wir aus den drei nur von Photios für Asterios bezeugten Reden von ihrem Yerfasser gewinnen, so werden wir leicht die Übereinstimmung in den wesentlichen Zügen erkennen.

I. Die Lobrede auf Stephanus.

Die handschriftliche Überlieferung, welche das Enkomion auf Stephanus unter dem Namen des Patriarchen Proklos bringt.

72 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

ist. wie früher (S. 10 f./ gezeigt wurde, spärlich und unsicher; zu den sprachlichen Bedenken, welche gegen diese Zuweisung schon der erste Herausgeber geltend machte, kommt die Be- obachtung Useners. daß das Wort ßecxfdvia, welches im kappa- dokischen Kreis zur Bezeichnung des Weihnachtsfestes in Um- lauf gesetzt wurde und in dieser Bedeutung auch in unserer Rede gebraucht wird (349 Di. bei Proklos wie bei Chrysosto- mos in ausgesprochenem Gegensatz dazu steht (M 65. 757 C) ^ Mit mehr Recht wird die Rede in andern Hdss. Gregor von Nyssa zugeschrieben. Sie zeigt in der Tat eine auffallende Verwandtschaft mit dem l. Enkomion Gregors auf den gleichen Märtyrer. Sie setzt dieses voraus, erhebt aber auch einmal gegen eine dort vorgebrachte Erklärung offenen Widerspruch, der deutlich erkennen läßt, daß sie einen andern Verfasser hat. An vier Stellen treten diese Beziehungen besonders klar hervor: in der Einleitung, in der Verwendung des Bildes vom Ago- nisten. in der Erklärung der Fürbitte des Stephanus und in der Polemik gegen die Pneumatomachen.

1 . Das Exordium ist nach Inhalt und Form dem der Rede Gregors nachgebildet, wie aus folgender Gegenüberstellung er- sichtlich ist:

Greg. Nyss. M 46 p. 701 E TJg M 40 p. 337 D-340 B 'Qg

xaki] Tchv äya^öjv t] äy.o/.ovdia. leoog ähjßcTjg y.ai xakög xcbv

'Qg yXvxeia T>)g ev(fQOovv)]g t) öia- evcpQaivövrojv fji.iäg :;toayfxd-

doxi], 'Idov ydo iooxijV i^ ioQTfjg ] zcov 6 y.vxXog. 'Eoox)] ydg

y.ai xägir drTUaußdvouer ydonog. diaöeyeiai xi]v ioox)]r xai

X^eg ijjudg 6 xov :xavr6g Aeond- Tzaryjyvoig yaia/Mjußdvei Jia-

xt]g eioxiaoev, or/ueoov 6 iu(jia]Ti]g , vrjyvoiv . . . Xd^eg jxev ovv

Tov Aeotzotov. Ilöjg ovxog ]] :nö)g ijuddouei' oxt . . . o UGaoHog

ixsivog ; iy.eJvog xor ärdgojjTor i'jTeo xljv i)uf/idoaro odoy.a y.ai 6

rilxCiv kvbvodixEvog , ovxog xov äv- doojjuaTog ivedvoazo ocojua . . ,

^ocoTiov i'jieg iy.eivov äjTodvod- orif.ieoov Öe ß/J^couev xov yev-

juevog. valov dyon'ioxijv vjieo iy.eivov

y.axa/d&oviievov etc.

Die Art, wie der fein pointierte Gedanke, womit der Nys- sener einen inneren Zusammenhansr zwischen den beiden auf-

^) Usener, Das Weibnachtsfest S. 244; daneben verwendet Asterios auch die genauere Bezeichnung ev oagy.i i)eo(fdria or. IV p. 217 C, so auch in der Fastenpredigt or. XIV p. 389 A. Außerdem steht das Wort im allge- meinen Sinn =:: Vision in unserer Rede p. 349 C.

über d. Echtheit d. drei nur d. l'hotios f. Asterios bezeugt. Reden. 73

einanderfolgcnden Festen lierstellt. in der candern liede abge- stumpft wird, verrät den Nachahmer. Doch genügte offenbar den Abschreibern diese Übereinstimmung der Proöniien, um die zweite Rede unter den Namen des gleiclien Autors zu setzen wie die erste.

2. Ein ähuHches Verliältnis zwischen deu beiden Reden läßt das nun folgende Bild vom Agonisten erkennen. Bei Gregor ist es zweifellos original: er spinnt es aus der Bedeutung des Namens ^TfV/ nvog heraus (704 A ^Lzeq avog nocoxoi; ibv oxe(favov T)jg ö/uo- Äoyiag aradijod/.iei'og^ und führt es durch die ganze Rede durch. In unserm Enkomion dagegen ist es schon verblaßt. Ausdrücke wie ädh]r)]g sind fast gleichbedeutend mit judoTvg. Anderer- seits wird es um einige Züge bereichert, wenn von den Tiooad- kijoavTeg (341 C) oder von einem äyo)vodeTi]q (== Gott 344 D) gesprochen w"ird: auch gibt das devreoeveiv Gregors f705 C) zu einer ausführlichen ovyy.oioig in unserer Rede Veranlassung (340 C 341 C). Doch ist das Bild gerade da aufgegeben, wo es bei Gregor am wirkungsvollsten erscheint, in der Darstellung des Kampfes des Stephanus mit dem Teufel, der in den Liber- tinern, Alexandrinern usw. ihm entgegentrat (344 A).

3. Mit besonderer Liebe malt Gregor jene Szene aus, wo der Märtyrer für seine Verfolger betet (709 D). Er wird nicht müde, ihn als ein erhabenes Vorbild für die Feindesliebe zu rühmen; vgl. bes. 716 A Jio y.al ev/.oyia rovg jtaaKfovovg duv- veTUi ovy. ä^iwv rrgog mg ivavTiag ixßdoeig r)]v sti' avTco ngä^iv y.aTaLieoi'Qeadai , cog iy.eivcp juev xijv ^0)rjv , roig de ävrty.eijuevoig r/eostv Tov ÖAedoov, d/Ä" cbv avjog f]^Uoro, y.al rovg noÄeatovg cbg äyadwv ai'xcb ovvaixiovg /.it] ey.neoeTv etc. Gegen diese Auf- fassung wendet sich nun der Verfasser der andern Lobrede in energischer Polemik: 34S C D ov ydg cbg oi'orxai xireg y.ay.wg /.oyi'CouEvoi dxti.iojo)jXOi' y.al dvevdvvov evyexai yeveoßai xow iy- ßocov xb djiidgT)]ita. Diese Deutung widerspricht nach seiner Meinung der Gerechtigkeit Gottes, wie sie in seiner Gesetz- gebung zum Ausdruck kommt. Die Fürbitte des Märtyrers enthalte nichts weiter als den ^Vunsch. Gott möge die Verfolger zur Buße leiten; erst wenn sie durch diese besser geworden seien, trete die göttliche Gnade in ihr Recht. Man sieht, welche Schwierigkeiten dem Verfasser die Vorstellung eines gnädigen Gottes macht; sein Moralismus verschließt ihm das Verständnis für den religiösen Grundcharakter des Christenturas und veranlaßt ihn zu einer völligen Verkehrung des an sich klaren Sinnes einer

74 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Bibelstelle. Und doch ist diese Haltung ehrlicher und auch für den Frommen leichter zu ertragen als das Pathos des recht- gläubigen Nysseners, der auf den schwärmerischen Lobpreis der Feindesliebe des Stephanus eine scharfe Invektive gegen die Häretiker folgen läßt, die ausklingt in ein Gebet um den heiligen Geist „zur Ausrottung der Widersacher" (sig y.aüaige- oiv roiv ävridiy.on').

4. Am Schluß kommen beide Enkomien auf die Erzähluns: von der Vision des Märtyrers zurück, um daraus genommene theologische Argumente zu entkräften. Die Pneumatomachen berufen sich nämlich darauf, daß Stephanus in seiner Ekstase nur den Yater und den Sohn, nicht aber den hl. Geist sieht, ohne zu beachten, daß dessen BeteiHgung schon vorher be- schrieben ist in den Worten: Zreqavog de Tih'joijg cor Urev/ua- Tog ayi'ov. Der Nachahmer schließt sich diesem Exkurs nach Inhalt und Sprache an (Vgl. bes. Greg. 716 C und [Ast.] 349Df.): ja er steigert den stark persönlichen Ton, durch welchen Gregor die Schwäche seiner Beweisführung zu verdecken sich bemüht, ins Ironische, indem er über das kurze Gedächtnis der Gegner spottet (^352 A). Schließlich macht er gegen ihren Einwand eigene Beobachtungen über den Sprachgebrauch der biblischen Schriftsteller geltend.

Gregor läßt dieser Polemik eine zweite gegen die Xotoro- jiidyoi folgen, die ebenfalls auf Grund der Stephanusvision die Inferiorität^ des Sohnes gegenüber dem Vater behaupten, da der Märtyrer diesen sitzen, jenen stehen sah (717 C). Er nimmt damit die alte monarchianische Kontroverse auf, die zu seiner Zeit kaum mehr als geschichtliches Interesse hatte ^ um sie mit dürren Spekulationen aufzulösen. Der Verfasser unseres Enkomions folgt ihm darin nicht: offenbar war er mit dieser Frage zu wenig vertraut und ihre Behandlung bei Gregor für ihn zu subtil: er bringt dafür und zwar vor der pneumato- logischen eine andere christologische Frage, den der kirch- lichen Hypostasenlehre widersprechenden Hauptsatz des moda- listischen Monarchianismus von der AVesenseinheit von Vater, Sohn und Geist. Diese vielerörterte Grundfrage des Sabellia- nismus, der noch zur Zeit des Basilios in Xeocäsarea, also in der Nähe von Amasea, eine Gemeinde hatte -, wird in unserer

>) Vgl. Harnack bei Hauck RE. 13, S. 303 ff. ^) Vgl. Harnack a. a. 0.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Keden. 75

Rede in ihrer ointaclisten Form erwähnt und mit dem kurzen Hinweis (hirauf, daß der Märtyrer die Personen des Yaters und des Sohnes deutlich unterscheide. abo;etan. Der Verfasser ist theologisch nicht gebildet genug, um die bekämpfte Anschau- ung genau darzustellen, er bezeichnet sie lieber kurz durch einen Namen Sabellios aus Libyen^ , ganz so wie es Asterios im Unterschied zu Basilios in seiner Polemik gegen Areios und Eunomios tut (vgl. oben S. 38 f.).

Zu diesen Abweichungen, die kleine, aber unbedingt echte Züge der asterianischen Predigt in dem Enkomion auf Stephanos hervortreten lassen, kommen andere, in denen sich der ky- nische Standpunkt des Verfassers geltend macht. Ähnlich wie Petrus, dessen Bild bei Asterios uns an Gestalten wie Euphrates erinnerte i vs:!. S. 50 f.). oder wie Jesus in der asterianischen Auf-

o

fassung der Gleichnisse (vgl. S. 4S, S. 51) erscheint Stephanus geradezu als Typus des kynischen Wanderpredigers, der zuerst mit sanften Tönen die Hörer zu gewinnen versucht, wie er aber auf Widerstand stößt, die volle naog)]oia des Kynikers ent- faltet: 344 A Teyvr]v svoer evjii)]xavov^ koyov i/u/ueh'] xal noäov. Ovdkr ydo (pdguay.ov toiovtov elg d^eoajieiav ■&vjnov xal xivrjoecog olov jiagaireaig 7roooi]v)]g xal evdgfioorog etc. Es duldet dem- nach keinen Zweifel, daß uns in diesem Enkomion eine echte Rede des Asterios erhalten ist.

n. Die Bußpredigt.

Durch den Titel Tigojgenxixog, den die Rede :x£gl i^uiavoiag in den meisten Hdss. führt, wird sie zu einer Literaturgattung gerechnet, die bereits in der alten Sophistik ausgebildet, dann besonders in der Moralphilosophie gepflegt und bereits durch Klemens von Alexandrien in die christliche Literatur eingeführt wurde. Es waren nicht Einzelthemata, für die sie zur An- wendung kam, sondern meist allgemeine Bildungs- und Lebens- fragen, welche die prinzipielle Stellung zur Rhetorik, Philosophie oder Moral betrafen 2. Die Absicht des Redners ist dann immer, den Willen des Hörers zu bestimmen (neideiv). Die Form da- für ist im einzelnen nicht einheitlich festgelegt. Die antike

1) Die Nachricht von seiner Herkunft taucht erst bei Basilios auf; vgl. Harnack a. a. 0. S. 333.

•-) Vgl. darüber P. Hartlich. De exhortationum a Graecis Romanisque scriptarum historia et indole, Leipz. Stud. f. kl. Phil. XI, 2, S. 209 flf.. S. 802.

76 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

Theorie^, mit der die Praxis am meisten übereinstimmt, ist gewonnen durch einen A'ergleich mit der Tätigkeit des Arztes, der dem Patienten erst seinen Zustand klar machen muß, um ihn zur Annahme der Heilmittel zu bewegen. Demnach zer- fällt der Protreptikos in zwei Haupteile : der eine beschäftigt sich mit den Vertretern der zu bekämpfenden Lebensrichtung und soll die Verkehrtheit ihres Denkens und Handelns erweisen (änoToeTniy.öq, ä:je/.£yy.Tiy.6c, auch Txadokoyiy.o^ /.oyo^): der andere soll sie für das bessere Prinzip erwärmen und gewinnen (der eigentliche T[oojOE:niy.6^, auch naody./.)]otgr, wird dieses dann auf besondere Fälle oder verschiedene Lebenslagen angewendet, so folgt noch eine Aufzählung von Einzelvorschriften fvnoßeri- xög Äöyog, auch Tiaoayye'/.ixara) ~.

Auch die Anlage unserer Bußpredigt ist deutlich durch diese Gesichtspunkte bestimmt. Als rrgoToey.Tiy.og erweist sie sich schon durch die in der Einleitung ausgesprochene Absicht auf das Treideiv (353 A v/^iäg :TQoofJHov neideoÜai). Ihr Thema ist die ueravoia im weitesten Sinne, nicht sowohl als Bußübung als vielmehr in der Bedeutung: bußfertige, demütige Gesinnimg. Ihr steht gegenüber der ivffog, die hochmütige Selbstüberhebung, die sich namentlich in unbarmherzigem Eichten und Verurteilen des Xebenmenschen geltend macht. Mit der Beschreibung und der Bekämpfung dieses Fehlers befaßt sich der erste Hauptteil des Protreptikos i352 C 365 A ; nach ihm führt die ganze Predigt in der Überlieferung gelegentlich den Titel: adversus eos. qui alios iudicant et conversione indigent (im Paris, gr. suppl. 399 fol. Sl). Auf diesen negativen folgt der positive Teil, in welchem die Formen der uerävoia beschrieben werden (365 B 369 C). Beide Teile münden in eine Art Kasuistik aus: im ersten wird eine niedere und eine höhere Sittlichkeit unterschieden (353 A, 356 A) und demgemäß ein besonderer Appell an die Durchschnitts- und an die Idealmenschen gerichtet *353 C, 356 A;, die dann wieder als Laien und Priester erscheinen (361 A C). Die

^) Bei Philo von Larissa, Eudoros u.a.; vgl. Hartlich S. 300 ff.

-) Damit berührt sich sichtlich die Anweisung, die in unserer Pre- digt mit Verwendung des Bildes vom Baumgärtuer irfVToy.öjnogJ dem Priester für die Methode seiner ethischen Propaganda gegeben wird: 364 A ^y.äsire roTg i/.ey/_oig, dä/.cie wg Hocigoi zaig naQax Xi'ioeo iv , .Toruf xfi e:tioooia rwv _ua{fi]fiäT(üv, :tEQi(foaooe zoTg :joo(fvÄa>izixoTg tc5»' :Taoay'y ekudKov (hg Xaoay.oji.iaTi. Den Vergleich mit dem cy.ä:nstv hat auch Bion bei Plut. de adul. et am. 16 p. 59, vgl. Gerh. S. 43.

über d. Echtheit cl. drei nur d. l'liotios f. Asterios bezeugt. Reden. 77

eigentliclie liußpredigt aber stellt ein ganzes Sündenregister mit der Angabe der entsprechenden Sühneleistungen auf ('."{OS C- D).

Diese Teclinik der Rede zeigt ihren Verfasser als einen rhetorisch geschulten Moralisten. Mit Gregor von Nyssa konnte sie sehr wohl in Verbindung gebracht werden; hat sich doch gerade er wie sein Bruder Basilios eingehend mit der Rege- lung der kirchlichen Bußordnung beschäftigt^. Aber mit dieser Buhidisziplin hat unsere Predigt nichts zu tun. Jene erstreckt sich nur auf Kapitalsünden, während hier nur von solchen Sün- den die Rede ist, für w^elche die gewöhnlichen Sühnemittel wie Beten, Fasten. Almosengeben ausreichten.

Die zeitgeschichtliche Bedeutung unserer Predigt liegt viel- mehr in ihrer antinovatianischen Tendenz, die namentlich im ersten Teil unverhüllt hervortritt. Die Gesamtkirche lehnte bekanntlich die rigorose Bußmoral der Novatianer. die um jene Zeit in Konstantinopel wieder einen starken Einfluß gewannen 2, für die Allgemeinheit ab: doch war bereits im Mönchtum ein neuer Träger des urchristlichen Lebensideals, dessen Ver- wirklichung sie forderten, erstanden. Auch die Entwicklung dieser doppelten Moral setzt unsere Predigt voraus^.

Ich hebe nun die besonderen Berührungen der Rede mit der asterianischen Predigt hervor:

1. Der Prediger geht von der verlesenen Perikope über die große Sünderin aus. Ohne sich auf eine eigentliche Er- klärung einzulassen, erinnert er nur kurz an ihren Eingang, wo

\) Siehe darüber jetzt E. Schwartz, Bußstufen und Katechumenats- klassen. Schriften der tVissensch. Gesellsch. iu Straßburg Nr. 7. Die Buß- kanones des Basilios stimmen teilweise mit denen der 2. ökumenischen Sj'node von Konstantinopel (381) überein. ¥Ane Sammlung dieser Kanones veranstaltete Palladios, der Nachfolger des Asterios. Von diesem y.arony.ov liegt in einem Patmensis eine Teilrezension vor, die mit einem Verzeichnis der Teiluebmer an jener Synode schließt. An erster Stelle i.«t dort, wie Schwartz (S. 31 f.) erkannt hat. der Bischof von Amasea genannt. Dies kann schon deshalb nicht Palladios sein, weil er um 381 noch nicht Bischof von Amasea war; al.so ist damit wahrscheinlich sein Vorgänger Asterios bezeichnet Wenn nun Schwartz meint, von ihm habe Palladios sein Interesse für die Bußdisziplin überkommen (S. 33), so darf er sich wohl dafür nicht auf unsere Bußpredigt berufen, die sich doch mit den Fragen, um die es sich in den Kanones handelt, eigentlich nicht beschäftigt.

-) Vgl. Harnack bei Hauck R. E. ^4 S. 242. Der bedeutend.ste Vor- kämpfer des Novatianismus war damals der Bischof Sisinnius (395 407), der sogar die Bußlehre des Chrysostomos angriü".

') Vgl. Schwartz. a. a. 0. S. 52.

78 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

das Yerhalten Jesu zu dem Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, beschrieben wird, um sofort als ihren einzigen Sinn ihren mo- ralischen Grundgedanken hervorzuheben: sie richtet sich gegen die selbstgerechten und eingebildeten Toren (353 A cpikatnoL y.al avrdgeoxoi, iv v7iokrjy)ei dia y.evov (f govY] juarog (hy- xcojiievoi vgl. 356 C cbg ejue Tio'/JAxig vtto xov rvcpov xai trjg äXa^oveiag äjiOTTi'iyojLm'or ein:eh') als ein cfdguayov zcov vooovv- xwv Tip avddöeiar (353 B). Damit hat der Kyniker als solchen kennzeichnet ihn die Benennung des Fehlers, gegen den er sich richtet sein Thema und seinen oppositionellen Stand- punkt gewonnen und laut nun nach einem flüchtigen Hinweis auf das Yorbild Jesu die Beziehung zu der biblischen Geschichte fallen, wie wir es wiederholt bei Asterios beobachteten (S. 55 f., S. 5S). Die Beweismittel, die zur Anwendung kommen, sind zu- nächst die der heidnischen Moralpredigt, mit denen auch Asterios gerne operiert: Beispiele aus der Natur (353 B C), der Grund- satz der antiken Humanität von der natürlichen Verwandtschaft der Menschen (^353 C roig rrjg imäg xal Tyjg avxiig y.oivcovovoi (pv- oecog) und andere in der Diatribe vielgebrauchte Schlagwörter wie des ocorfgoinjooy , yvcödt oavrov (368 C), endlich die be- liebten Vergleiche des widerspruchsvollen Gebahrens bei Krank- heiten des Leibes und solchen der Seele (353 D, 360 D, 368 A bis B, 369B-C\

2. Dazu kommen für den christlichen Prediger die bib- lischen Beispiele. Es sind die gleichen, die auch in andern Bußpredigten aus jener Zeit, besonders in der Homilienreihe des Chrysostomos (M 49, p. 271 ff.) begegnen: Hiob, Petrus, Judas, Paulus, die Gleichnisse vom Zöllner, vom verlorenen Sohn, vom verlorenen Schaf und verlorenen Groschen. In ihrer Ausführung im Protreptikos macht sich eine eigentümliche Werk- und Kultgerechtigkeit des Verfassers geltend. Während z. B. Chrysostomos De poen. I, M 46, 282 von den Juden, die Jesus kreuzigten, in evangelischer Schlichtheit sagt: „Jesus hat ihnen vergeben", lesen wir hier „sie wurden durch die Taufe rein" (357 B). Dort heißt es von Paulus „er bereute und wurde ein Apostel" ; hier wird die sühnende Kraft seiner Leiden gerühmt ^ (357 C ex xfjg xavxoTiarJEiag elvoe xd Eyy.h)f.iaxa ?ußao&Eig e^rjleixpe xd nXi] 1^1.1 eh] j^ia.) Auch die Teilnahme an den My-

^) Vgl. dazu Hellmanns. Wertschätzung des Martyriums als eines Rechtfertigungsmittels in der altchristlicheu Kirche S. 82, S. 114.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Keden. 7*J

storien wird als Büß- und Sühnemittel betont (365D . Zweifellos redet hier der nämliche Mann, der im Enkomion auf Stephanus die Forderung erhebt ygii rij TarTeurraßeia Avods rrjs; uunoTÜi:: t6 l'yy./jjiia i :i49 B) und die antinomistisehe Auslegung der Für- bitte des Märtyrers schroff zurückweist (8. 73).

In' diesem Christen lebt noch ungebrochen und durcli den Mysteriengedanken nur scheinbar getrübt der Glaube an die Kraft der Persönlichkeit zur Selbsterlösung, wie er in dem antiken Moralismus lebendig ist. Er tritt vor allem auch in der kasuistischen Bußmoral hervor, worin er den Sündern An- weisungen gibt, wie jeder seine besondere Sünde, sei es Tovfp), uxo/Mola, n/.eove^ia oder schließlich sogar Häresie, durch Übung der entgegengesetzten Tugend wieder gut machen kann f^368CD). Neben diesen Sühneleistungen ^ ist ihm die äußere Haltung des Pönitenten durchaus nicht gleichgültig. Als Vorbild dafür stellt er die große Sünderin hin und beschreibt mit der gleichen Kunst, mit der Asterios die Gebetsstellung des Pharisäers und des Zöllners oder die ocorfooovri] der Sinne malt (vgl. oben S. 4 1 und S. 53). ihr ganzes Benehmen als Ausdruck ihrer reu- mütigen Gesinnung.

3. Die asterianische Herkunft des Protreptikos wird be- sonders klar in der Anführung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn (364 C— 365 A), das von Asterios in einer eigenen Homilie behandelt ist. Auf Grund der dort ausgesprochenen Theorie der Gleichnisse als atviyjiiara, die auch hier angedeutet wird (361 B er TcaQußo/Mls y-<ii ToTg eneoy.iaouh'Oi^ JÖiv /.oycov, rb roh airiy/iaoiv eyyov^TTO/iievov), kam dort die Allegorese stark zur Anwendung. Ihre Ergebnisse werden hier kurz aufgenommen, ohne weiter begründet zu werden: 364 D löyog sgt'i Tiaoaßo/uy.og vnavoiycov (hg rrarory.ijr emiav tijv 'Eyybjolav y.al öeyojLievog cfdo- (poövcog, \'va /ni] cboi ö/uodlanoi To7g yoigoig, roig daiuooir etc. So redet einer nur, wenn er sich selbst zitiert. Es bleibt also nur die Annahme der Echtheit des Protreptikos übrig.

') Dazu kommt als weitere freiwillige Leistung die persönlic4]e Beichte vor Gesinnungsgenossen {6^i6ii<vyot ofiH A) und vor dem Priester, die mit der- jenigen, die Basilios von den Mönchen fordert, große Ähnlichkeit hat: vgl. HoU, Enthusiasmus und Bufsgewalt im griech. Mönchtum, S. 2631f.

§0 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

III. Die Fastenpredigt.

Die Rede zum Eintritt in die Fastenzeit /.6yog eig Hjv jrageloßaoiv tcov vrjorewyv ist ihr Titel in den meisten und besten Hdss. ist durch alle handschriftlichen Zeugnisse ebenfalls für Gregor von Xyssa beansprucht. Ihr im Unterschied zu den meisten Asteriosreden stark hervortretender kontemplativer Charakter und einzelne der in ihr vertretenen Anschauungen wie die von der äjioy.axdoraoig :ia.vToyv (373 C; scheinen die Glaubwürdigkeit dieser Überlieferung zu stützen. Eine Ent- scheidung ist aber auch hier nur durch eine Einzelinterpretation möglich.

1. Das Thema der Predigt, die Forderung der iyy.Qareia, ist ein in der Moralphilosophie unendlich oft behandelter TÖJiog. In seiner Ausführung fällt nur auf, daß das Fastengebot auf einer ungewöhnlich breiten physiologischen und psychologischen Erörterung basiert ist, die deutlich den EinfluhJ der zeitgenössi- schen Theologie zeigt. Die Frage nach der Natur des Menschen, von der die Rede ihren Ausgang nimmt, hatte ApoUinaris von Laodicea aufgeworfen, um von ihr aus in der endlosen Dis- kussion über die zwei Personen in Christo eine Entscheidung zu finden^. Die Auffassung, die in unserer Predigt wiederholt zum Ausdruck kommt, ist im Grunde der Dualismus, wie ihn Gregor von Nyssa in jenem Kampfe geltend machte: der Mensch besteht aus einem sichtbaren, irdischen Leib und einer unsicht- baren und unvergänglichen Seele, der die Führerschaft zu- kommt f369D, 380 A'-. Mit dieser Anschauung vermischen sich aber Züge aus dem platonischen AVeltbild: als ein weiteres Organ wird der vovg genannt, von dem die y^vyj] die Fähigkeit zu intuitiver Erfassung des Göttlichen erhält (372 A). Doch wird das Verhältnis zwischen beiden nicht klarer daro^eleort. Der Verfasser tritt also hier dem Standpunkt des Gregor von Nazianz und ApoUinaris nahe, die eine trichotomische Gliede- rung der menschlichen Xatur behaupten^. Ein solches Schwan- ken zwischen zwei o-egeneinander stehenden Theorien über ein

^) Vgl. Pohlenz, Vom Zorne Gottes S. 63fF. ; Loofs, Leitfaden der Dogmeugeschichte * S. 257.

^) Vgl. Hilt, Des heil. Gregor von Nyssa Lehre vom Menschen S. 36 ff., S. 64 f.

^) Vgl. Gottwald, De Gregorio Naz. Platouico, diss. Vratisl. (1906), S.31.

über (.1. Echtheit d. drei mir d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. 81

wichtiges theologisches Pioblcni wird man einem mitten in diesem Streite stehenden Kirchenvater von phitonisciier Geistes- tiet'e nicht zutrauen dürfen, auch wenn er selbst gelegentlich den Unterschied zwischen seiner nnd der gegnerischen Ansicht nicht stark findet ^ Wohl aber ist diese Unsicherheit mit der Haltung' des an der Dogmabildung unbeteiligten Amasener Bischofs vereinbar, wie wir sie gerade in seinen psychologischen Betrachtungen beobachten. Im allgemeinen teilt er die dua- listische Auffassung vom Menschen mit dem Nyssener (169 C, 3t)0 D). AVo er aber die Affekte als Teile der yv/j) betrachtet, trennt er von dieser den vov^ ab (so 332 C mit Verwendung des berühmten Bildes aus Piatons Phaidros. ähnlich 313 D;. Demnach können jene Übereinstimmungen mit Gregor nur als Entlehnungen eines unselbständigen Denkers beurteilt werden; als solchen haben wir aber Asterios gerade in seinem Verhältnis zu den Kappadokiern mehrfach kennen gelernt (vgl. S. 34 ff.). 2. Dagegen gehören die sich anschließenden Ausführungen über den Nutzen des Fastens für die Gesundheit von Leib und Seele dem besonderen Interessensgebiet des Asterios an. der z. B. in der Physiologie der Sinnesorgane vortreffliche Kennt- nisse besitzt, wie u. a. die scharfe Detailbeschreibung des Auges (2r)3 D i.) beweist. Yieles muß freilich zu dem Erbe aus der antiken Moralphilosophie gerechnet werden, das ja die asteria- nische Predigt in reichem Maße in sich aufgenommen hat. Es ist interessant zu sehen, wie z. B. in der Begründung der kirch- lichen Fastenjiflicht. die der Prediger hier versucht, die Ge- danken der ältesten Predigt, die wir aus der griechischen Literatur kennen, wiederkehren: in einer so engen Terknüpfung der ethischen mit der physiologischen Auffassung hat schon Demokrit die eyy.oäxeia, das altgriechische Gesetz des Maßes, für den Lebensgenuß gepredigt; auch er sah das Ziel des sitt- lichen Strebens in jener vollkommenen Ruhe, in welcher der Körper ungehindert seine Funktionen verrichten kann und der Geist „dem Unvergänglichen geöffnet ist und die Dinge sub specie aeterni betrachtend, selber des Ewigen teilhaftig wird" -. Auch der in unserer Predigt verwendete Tergleich dieses Zu- standes mit der Meeresstille (yah'jvi], evoiäßeia 372 BDj und der Affekte mit den Stürmen (372 B) geht ebenso wie eine später zu besprechende Erscheinung der allegorischen Synkrisis in

1) Adv. Apollin. cap. 8. M 45, 1140 AB.

-) P. Natorp. Die Ethika des Demokrit S. 109 f.

T. u.U. '13: Brotz. 6

82 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

letzter Linie auf Demokrit zurück; den Weg, auf dem dieses Gedankengut aus seinen Ethika über die spätere Moralpredigt in die christliche Literatur gelangte, können wir freilich nicht mehr so genau verfolgen, wie es uns bei jenem stark poetischen Kunstmittel der Synkrisis noch möghch ist (vgl. unten S. 95ff.). 3. Die Möglichkeit, die Fastenpredigt in jene literarischen Beziehungen einzustellen, die sich uns in der Predigt des Asterios als wirksam erwiesen, bietet eine wertvolle Stütze für die An- nahme des gleichen Ursprungs. Neben dem Einfluß der antiken Moralpredigt macht sich in der Tat auch derjenige des Schrifttums der Kappadokier in unserer Rede, namentlich in ihren christ- lichen Bestandteilen, geltend. So läßt sich die Art, wie im folgenden das Fastengebot mit biblischen Argumenten gestützt wird, nur unter der Voraussetzung daß dem Verfasser die be- rühmte erste Predigt des Basilios über das Fasten vorlag, völlig verstehen. Zum Beweis, daß das Genußleben das größte Hin- dernis für sittliches Wachstum und für die Erlangung der himm- lischen Seligkeit sei, erinnert unser Redner an das Beispiel der ersten Menschen; er führt es mit den Worten ein: ovx av yäo fjfXiv hedrj vöjuog vi]OTEiag, el ^m) Tiaoeßddi] Trjg Jiocort]? eyy.ga- TEiag o voixog (373 C); dann erst folgt die erwartete Erklärung, daß sie durch ihre Genußsucht das Paradies verloren. Jener Satz vom La'sprung des Fastengebots paßt nicht recht in diesen Zusam- menhang und ist schwerlich dem Hörer ohne weitere Erläuterung verständlich. Wie kommt er hierher? In der Rede des Basilios stellt er das Ergebnis einer Betrachtung über das Alter des Fastens dar : diese Einrichtung geht zurück auf das göttliche Verbot an die ersten Menschen (M 31 p. 16&B öh ,ov (pdyeo&e . . .' vrjozeiag ion y.al eyxgareiag voaoßeoia); seine Übertretung machte aber ein neuesFastengebot nötig (ei h')'/oTEvoev utiö tov ^v'/.ov ff'Eva,ovy. UV Tumiig vvv eÖeöfxeda Ti]g vrjoreiagj. Denn das Glück des Para- dieseszustandes besteht in der Bedürfnislosigkeit; den ersten Men- schen war das Trinken und andere Genüsse mit schädlichen Wir- kungen völlig unbekannt; ihr Leben war ein Abbild des Fastens (rnjoxeiag eixcov). Daraus ergibt sich von selbst die Forderung: vrjOTSVocofiev toivvv, Iva jigög avröv ejiaveX'&ojfj.ev. Von diesem letzteren Gedanken geht der Verfasser unserer Rede aus; er beo;ründet ihn mit dem Hinweis auf den Sündenfall, wobei er die Auffassung des Basilios, daß damit das erste Fastengebot übertreten worden sei, mehr voraussetzt als erklärt. Er lehnt sich dann noch weiter an Basilios an in der Schilderung des

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über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. §3

zukünftiii^cn Lehens (bes. in dem Yorgleich A'//arf/« t>)c fif/J.ot'- o}]s CfoTjg eiy.iov mit dem abgebrochenen Schluß exeX ovx eiai TioToi ovde djioXai>oetg 373 D) und endlich in der folgenden Auf- zäiilung biblischer Beispiele für den Nutzen des Fastens, indem er fast die gleichen Xamen von Noah bis Jesus nennt, die bei Basilios begegnen. Der Anschluß ist sogar in den Übergangs- formeln, die er wählt, zu bemerken: wenn z. B. Basilios sich von den ersten ^[enschen zu den späteren Generationen wendet mit der Einladung an den Hörer xaTußa 6öö) ßaörc,(ov tTii xa y.('na) (172A), heißt es hier im gleichen Bilde taoor tov Tigänov uvOgconov 6d(b (373D); vgl. auch die Wendungen Basil. 165C eäv juingoy äva- ueivTjg, evo/jofig . . und [Ast.] 380 A ardo/ov dt' luy.oov y.ai . . . An andern Stellen bietet die Basiliosrede unserm Prediger in nur flüchtig berührten Gedanken Anregungen zu selbstän- diger Betrachtung; auch diese Art, seine Vorlage zu benützen, fanden wir für die Arbeitsweise des Asterios bezeichnend (S. 39, S. 63, S. 67). Ein Beispiel macht dies Verhältnis deutlich. Basilios beginnt seine Rede mit dem Festgruß des Psalmisten zum Neumondtage (ZaXjiioaje iv vEoui]via od?,siiyyi) und fährt dann fort: „Uns aber künden lauter als jene Posaunen die ver- lesenen Schriftworte die Feier an, welche jenen Tagen voraus- geht; haben wir doch die Gnade der Fasten aus dem Jesaias kennen gelernt, der die jüdische Art zu fasten verworfen und uns das wahre Fasten gezeigt hat.'' Es folgt eine Auslegung des bekannten Prophetenwortes Jes. 58,4, an die sich der Hauptteil der Rede anschließt mit dem Nachweis, daß das Fasten keine mosaische Einrichtung sei, daß es älter sei als das Gesetz, älter auch als das jüdische Versöhnuugsfest am 10. Tag des 7. Monats. Diese Reminiszensen aus der Basilios- rede nimmt nun der Verfasser unserer Predigt mit ihrer leicht- verhüllten antijüdischen Tendenz auf, um sie zu einer lauten und scharfen Invektive nicht bloß gegen das Fasten, sondern gegen den ganzen Festkult der Juden zu erweitern 1 385 C f.). Er bestreitet ihnen das Recht zur Feier ihrer Feste, da diesen erst der Glaube an Christus ihren wahren Sinn gebe. Dies versucht er mit starker Verwendung der allegorisierenden Me- thode, wie sie Asterios beliebt, im einzelnen nachzuweisen für das Versöhnungs-, das Laubhütten- und das Posaunenfest. Ersteres soll nach seiner wunderlichen Konstruktion auf die Todesstimde Jesu vorausweisen: der 7. Monat bedeute den 7. Tag, der 10. Tag die 10. Stunde, in der Jesus verschied. In der

§4 Bretz, Studien und Texte zu Asteiios von Amasea.

Errichtung der Laubhütten sei der Bau der Kirche vorgebildet. Unter den 2!ä?i7Tiyyeg müßten die Posaunen des jüngsten Ge- richtes verstanden werden (388 B C). Mit derartigen Um- deutungen spielen gelegentlich auch die Kappadokier (vgl. Greg. Nyss. bei M46 p. 1128B, p. 1129B\ Damit verglichen erscheint aber die Manier unseres Predigers als recht plump und schüler- haft; er und seine Gemeinde stehen auf einem tieferen geistigen Niveau. Und vor allem unterscheidet er sich von jenen durch die klare Absicht, den jüdischen Festkult auf jede Weise ver- ächtlich zu machen. Dieses Motiv bietet einen weiteren An- haltspunkt für die Person des A^erfassers. Seine Ausführungen werden uns erst bei einem Blick auf ihren zeitgeschichtlichen Hintergrund verständlich, wie ihn uns Chrysostomos in seinen Judenpredigten aufrollt (M 48 p. 843 ff.). Die Feste der starken jüdischen Gemeinde in Antiochia übten eine große Anziehungs- kraft auf die Christen; nicht bloß solche, die mit Lustbarkeiten verbunden waren und der Schaulust der Menge Nahrung boten wie das Posaunenfest des jüdischen Neujahrs, sondern auch solche, die, wie das Versöhnungsfest, zu strengem Fasten riefen, hatten zahlreiche Teilnehmer aus der Christengemeinde ^. Ähn- liche Yerirrungen konnten auch in der Gemeinde des Asterios vorkommen, die auch pagane Feste gerne mitfeierte, wie die Rede gegen das Kaiendenfest beweist (vgl. oben S. 43). Da- von ist aber in unserer Predigt nichts gesagt: auch fehlt die eindringliche Abmahnung, die jene Rede beherrscht. Dem- nach scheint es, als ob der Prediger Vorgänge im Auge habe, die er aus anderen Orten kennt. Nun sind uns direkte Be- ziehungen des Asterios zu Antiochia bezeugt: er selbst berichtet in einer verlorenen, von Photios ausgezogenen Predigt, daß er von dem Sklaven eines antiochenischen Bürgers, also doch wohl in Antiochia selbst, unterrichtet worden sei fPhot. bibl. cod. 27 1 , vgl. oben S. 3). Kombinieren wir dies Zeugnis mit unserer Beob- achtung über Lihalt und Ton des bezeichneten Predigtabschnittes, so ist die Annahme nicht abzuweisen, daß es Asterios ist, der hier redet, bestimmt durch Erinnerungen an Selbsterlebtes, die durch die Eingangsworte der Fastenpredigt des Basilios in ihm geweckt wurden.

4. Im Zusammenhang mit diesen Beweisen für die Echtheit unserer Rede gewinnt eine Stelle die Bedeutung eines Selbst-

1) üseuer, Kelig. Unters. I, S. 227 ff.

über cl. Echtheit d. chei nur d. Pliotios f. Asterios bezeugt. Reden. 85

zitatos. In der bereits erwähnten Synkrisis orgreift der Pre- diger für die Psyche wie für ein mißhandeltes Weib Partei (HbO A 'Eyco röv vjieg tfjg Wv/ijg Xoyov noiY\ooi-iai (bg yvvaixl jnmev(ido)j oi'i'tjyooi'ay, iq^' o7g a(iiy.eTaOai /Jyei xal xad v ßoiCeadai \ . Seine Worte khngen wie eine Anspielung auf die Rede über die Ehescheidung < or. Y), wo das Weib gegen die unberechtigten Anschuldigungen des Mannes in Schutz genommen und die treue Geduld einer schlechtbeliandelten Gattin in ein helles Licht gesetzt wird (bes. 229 D und 233 A).

Nach dem Ergebnis der inneren Kritik ist somit für alle drei Reden, die Photios im Gegensatz zu der sonstigen Über- lieferung dem Asterios zuweist, die Frage der Echtheit durch- aus zu bejahen. Das Urteil bestätigt sich durch die P»eobach- tung, daß die beiden durch die Überlieferung unterschiedenen Predigtgruppen auch in formaler Hinsicht eine Reihe charak- teristischer Eigentümliclikeiten gemeinsam haben. Indem wir diese im folgenden zusammenstellen, hoffen wir zugleich damit das Bild der asterianischen Beredsamkeit nach dieser Seite hin abzurunden: auf eine vollständige Analyse der Sprache und des Stils müssen wir jedoch verzichten; eine solche könnte nur auf Grund genauer Kejmtnis der Überlieferung vorgenommen werden und müßte, da die Form der Predigt durch ihren Inhalt und ihren Anlaß bestimmt ist, sorgfältig zwischen den epideiktischen, exegetischen und paränetischen Teilen der Predigt des Asterios unterscheiden, was im Rahmen dieser Untersuchung nicht mög- lich ist.

Die sprachlichen Grundsätze des Asterios, von denen eine Beschreibung seiner Praxis als Kanzelredner ausgehen muß, ergeben sich teils aus seinem Verhältnis zur Rhetorik, teils aus seiner Abhängigkeit von seinen heidnischen Vorgängern, die die Formen der popularphilosophischen Propaganda ausgebildet haben.

4. Kapitel: Die Stellung des Asterios zur paganen Rhetorik

und der in Sprache und Stil erkennbare Diatribencharakter

seiner Predigt.

Wie die zeitgenössischen Kanzelredner legt der Amasener Bischof auf rednerische Fertigkeit o-roßen Wert. Dies beweist der Eifer, mit dem er sie an den von ihm gefeierten Aposteln

86 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

und Märtyrern hervorhebt: Petrus übertraf in der Überredungs- kunst sogar einen Demosthenes (269 CD); Paulus, ^vie\vohl ein ldidni]g Ttjg e^w&er oocfiag, beleidigte nicht im geringsten den ver- wöhnten Geschmack seiner Zuhörer in Athen (291^ B C)^; ebenso machte Stephanus auch als äieyrog xai avToo/JÖtog g/jxcoo durch sein Redegeschick auf die Menge einen tiefen Eindruck (S 344 B C). Aber indem der Prediger wie schon Origines^ diese Kunst nicht als Ergebnis einer gründlichen rhetorischen Schulung, sondern ausdrücklich im Gegensatz dazu als Wirkung des Geistes hin- stellt, deutet er an, daß er von der herrschenden Moderhetorik nicht viel wissen will. In offener Invektivc lehnt er denn auch in seiner Lobrede auf Petrus und Paulus die Usancen der welt- lichen Redner als Mittel einer unwahren Kunst ab (265 B, vgl. dazu S 344 C). Daß er in dieser Stellungnahme von den Kappa- dokiern abhängig ist, wm'de oben (S. 36 ff.j dargelegt; dabei ergab sich bereits, daß er in noch höherem Maße als Basilios, dessen Rede auf Mamas er benützt, die Praxis, die er ver- wirft, selbst befolgt. Sein Gerede dient also nur dazu, seinen Anschluß an die pagane Redekunst zu verdecken; er verwendet das alte artificium, die ars zu bekämpfen, um sich ihr zu er- geben. Die stark rhetorische Haltung, die gerade die erwähnte Predigt in der Gestaltung ihrer Einleitung und in ihrem Auf- bau zeigt, ist ein lehrreiches Beispiel für diese Zwiespältigkeit. Der Redner beginnt damit, die Schwierigkeit seiner Auf- gabe hervorzuheben; dies entspricht der Forderung der av^i]otg, wofür die antike Technik mehrere Mittel angibt. Das nächst- liegende ist die Erhabenheit des Gegenstandes im Verhältnis zur unzulänglichen eigenen Kraft zu betonen (Meuander jiegl ImdeixT. III. bei Spengel rhet. gr. III. p. 368 h'm^j jiqooi- juia . . . djio rijs av^)]oecog jiieyedog Ttegnißelg jf] vTio&soei, öu dvo€(piy.Tog 6 Xöyog nal y.aß'fjjnäg ov gadiov etc.). Verdeutlicht kann dies werden durch Beis])iele mit dem Merkmal der Un- begrenztheit öjojzeg jrehlyovg äriEioov zoTg oqßakuoig jueroor ovx k'on kaßeiv. Man kann aber auch auf die Vorgänger Bezug nehmen, die trotz ihrer unerreichbaren Kunst ihrer Aufgabe

') Auch er stellt Paulus und Plato eiuander gegenüber und hebt die bessere Bildung des Aj^ostels hervor, ähnlich wie es in dem Disput zwischen einem Heiden und Christen geschieht, von dem Cbrysostonios berichtet (zu I. Cor. ;3, 4, M. Gl, p. '2Tj; vgl. Norden, Die antike Kunstprosa II, S. 521 f.

2) Contra Cels. 1, 62; vgl. Norden a. a. 0 S. 521.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Reden. 87

nicht vollkoinnuMi gerecht wurden. Von allen diesen Mitteln macht Aöteriüs gleichzeitig ausgiebigen Gebrauch: er erinnert an die Praxis der TiQOEdooi tojv exxhioiön', die sich ihrer Auf- gabe nicht gewachsen fühlten, wiewohl sie es leichter hatten als er: er zeij^t dann die besonderen Schwierijjkeiten seines Themas; trotzdem will er den Versuch wagen, da mit Schweigen nichts ausgerichtet ist; hier übernimmt er auch mit einer kleinen Umbiegung jenen Vergleich vom Meere aus der rhetorischen Technik (264 B Ov juijv i7TEid)j liav vynjP^og 6 }.öyog xal övoe- q ly.Toq ij tyy/lo)]otg, rijv aoyip' y.al ä:iQay.Tov owjTiijv äyaji)'ioa>f.tev ojOTieo Ol öeilo\ y.al äTjeioo&dkarroi oi ngög ju6vi]v rrjv öxpiv rfjg üah'iTTtjg ä.yayoosi'ovTfg etc.): schließlich benützt er noch ein- mal die bereits verwendete Form der av^)]oig, indem er an der lledekraft der Apostelfürsten, die er feiern will, die geringe eigene Begabung mißt.

Nach dieser Einleitung reiht Asterios das ganze Lob des Petrus an dem Faden der überlieferten tö:toi lyy.coaiaoriyoi auf: er behandelt zunächst noch im Anschluß an seine Vorlage das ysvog, freilich in der paradoxen kynischen Manier, die niedrige Abkunft und die Armut zur Ehre anzurechnen (265 B bis 26S B) , daß er damit nur der Forderung Menanders jue- doöoi Tivi y.Qvii'a( to äöo^ov (p. 1^70) entsprechen will, zeigt am deutlichsten der Widerspruch, in den er hinterher mit sich selbst gerät (vgl. oben S. 34) , dann verbreitet er sich über das övo/iia (26S C 269 A), hierauf bespricht er ausführlich die .Tod|f/? und zwar unterscheidet er mit deutlicher Bezeichnung der Übergänge, die Menander ebenfalls fordert (p. 372 dei Tinooi- jiitdCeodai .-reol ov jiie/J.eig ey/eiosTr etc.) die öiöaoy.a/.ia f 269 A bis 269 D) und die Txoay.Tiyj] dvva/ug (272A— 273D). hierauf läßt er mit einem Seitenblick auf das emT)'jdevjua (276 B—D) die ovyy.gioig des Petrus mit Gestalten der heiligen Geschichte folgen (277 A C). dann führt er die uoerai auf (277 D 2S1 C), schildert den ddvarog (28lC 2S4D) und berührt kurz die Tiixai (284 B); den Schluß bildet die :zgoo(po)vi]oig (284 B~i.

In dieser Anlage des Enkomions weicht Asterios von der Praxis der Kappadokier. von der er ausgeht, nicht unwesentlich ab. Diese beschränken sich in ihren Enkomien meist auf ein- zelne der genannten to.to«, teils weil ihnen der Stoff für die andern fehlt, teils um zu theologischen Fragen übergehen zu können; so verliert sich Basilios in der Rede, die Asterios als Vorlage diente, bei der Besprechung des eTiiDjdevua des Mamas

88 Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

in eine christologische Diskussion. AVo sie aber eine strengere Technik befolgen, halten sie sich gewöhnlich an das etwas ver- änderte Schema des y.adaoöv tyy.coniov oder des köyog naoa- uvd}]Tix6^^. Asterios dagegen schließt, wie die Behandlung der zuletzt erwähnten ronoi des ßuraiog und der tiqooci o)v)]oig, aber auch die Bezugnalime auf die Praxis, die er ablehnt, nämlich auf die Gewohnheit der paganen Redner, an den Gräbern zu sprechen (265 C jliutijv Tolg TÜcfoig jigoorfevyovoi etc.), be- weist, die Märtyrerrede an das Muster des köyog ijicrdfpiog an, eine Gattung, die auch als solche ebenso wie die der Trost- rede in der christlichen Beredsamkeit bereits Eingang und Pflege gefunden hatte 2.

Asterios kennt also das rhetorische Schema genau; allein er hat sich nicht bloß in der Theorie, sondern auch in der Praxis davon freizumachen versucht. Schon im 2. Teil der ge- nannten Rede, der sich mit dem Lobpreis des Paulus befaßt, kehren von den im 1. Teil behandelten Gemeinplätzen nur 3 wieder: die ovyxoioig f 269 B 297 C). der ßdvaxog (297 C bis 300 A; und die Tiooocpdwijoig (300 Bi. In den Enkomien auf die eigentlichen Märtyrer nimmt dann naturgemäß der ^dvarog den breitesten Raum ein. So in der laudatio des Phokas, wo er den größeren ersten Teil bildet; voraus geht eine kurze ovyy.oioig und das Lob der Tiaroig und des i:TtT}]dei\ua ^304 CD), nachher werden ausführlicher die evsQyeotm (308 C D) und die Ti^uai des Märtyrers (309 A 313 C) behandelt. In der Lobrede auf Stephanus endlich hat neben dem ßärazog nur noch die ovyxQioig eine Stelle (340B 34lC). Es kennzeichnet das aus- gezeichnete Gefühl des Asterios für die Kunstform, wenn er im Gegensatz zu seiner Vorlage auf diesen roTJog für das Enkomion nicht verzichten zu können glaubt: Gregor von Nyssa läßt näm- lich in seiner Lobrede auf Stephanos, die Asterios benützte (s. oben S. 72 ff.), das rhetorische Schema völlig beiseite^. Doch zeigt auch bei Asterios die Entwicklung der Märtyrerrede eine

1) Meridier a. a. 0. S. 226.

-) Vgl. Bauer, Die Trostreden des Gregor von Xyssa; Hürth, De Gre- gorii Naz. laudationibus funebribus; Meridier a. a. 0. S. 225 ff.

') Vgl. Meridier a. a. 0. S. 228 f. Ein Ansatz zur avyxgtoig kann in dem Vergleich des Stephanstages mit dem Geburtsfest Christi erblickt werden, der die von Asterios nachgeahmte Einleitung bildet; Meridier sieht jedoch darin eine av^tjoig.

über cl. Echtheit tl. drei nur d. Photios f. A&terios bezeugt. Reden. h9

deutliche Atniähernng an den /.oyo.; nryygarfiy.6^, in ^Yolchom die zuletzt genaiuiten to.toi längst heimisch waren ^

Asterios hat aber noch andere Formen für die ^lärtyrcr- rede gefunden, in denen sich seine rhetorische Schulung eben- falls deutlich abspiegelt. Sein iyy.co/nior f.lg rovg uyiov^ <""?" Ti'^as (or. X^i gehört nicht eigentlich zur epideiktischen Gattung; es ist vielmehr eine Verteidigungsrede, die teils die y.Ff/ d/.aia jeXixd der beratenden Rede verwendet so den Gesichtspunkt des öixniov (316 C— 317 B), des ovuf,eoov |317C— 320 Ai und des k'röo^ov (320B-321 A) , teils die Technik der Gerichts- rede benützt so die Methode der doppelten Widerlegung des Gegners, indem man zuerst seine Behauptung in Abrede stellt {/.voig xaz" ävaxoo7ir]v: 321 D 324 A) und dann sein Ilauptargument gegen ihn selbst kehrt ('/.voig y.mä zieovcooTiriv: 324B-D)2.

Ein rhetorisches Meisterstück anderer Art ist endlich seine e'y.cfonotg eh juagrvotov t/}^ navevcf/juov //dorroos Ev(fi]üiav. Diese vielbewunderte Beschreibung verrät am stärksten den Einfluß der jüngeren Sophistik, zu deren beliebtesten Schul- theniata solche malende Schilderungen gehören^. Asterios flicht sie sonst gerne in seine Predigten ein*, wie es auch die Kappa- dokier mit Vorliebe tun; hier aber pflegt er diese Kunst in einer eigenen Rede. Wie er dabei beständig die bildende Kunst mit der redenden vergleicht und die Wirkungen von \Vort und Bild gegeneinander abwägt (346A C)\ wie er das Gemälde den besten Kunstwerken des Altertums, den Bildern eines Euphranor und anderer, die die Kunst auf die Höhe führten, indem sie nahezu belebte Werke schufen >euif>i"/ovg ioyaodueroi ^rt'vay.ag 336 X>. an die Seite stellt, wie er nament- lich den gewaltigen Eindruck zu schildern weiß, den er von dem Bild empfing sein Anblick rührte ihn zu Tränen (337B)'',

*) Vgl. Leo, Die grieeh.-röm. Biographie S. 149 ff.

=*) Vgl. Volkmanu, Die Rhetorik der Griechen und Römer S. 242 f.

') Über die Bedeutung der sophistischen iy.q:oäaei; von Schrecknissen und Foltern für die christlichen Martyrien vgl. Norden, Kunstprosa II, S. 408 f., S. 651.

*) Die ey.ffoaoi; des Auges (253 D) wird in der Stilkritik des Photios geradezu zum Kennzeichen asteriauischer Kunst gemacht; vgl. oben S. 19.

'") Derartige Betrachtungen sind auih in der Predigt der Kappa- dokier nicht selten; vgl. darüber K. Weiß, Die Erziehungslehre der Kappa- dokier, Strafäb. theol. Stud. V. 3 und 4, S. 191 ff.

*) Das gleiche Motiv begegnet bei Gregor von Xvssa in der Be-

<)() Bretz, Studien und Texte zu Asterios von Amasea.

das alles erweist ihn als Meister in der sophistischen Klein- kunst.

Die tiefe Wirkung, die das Gemälde auf den Beschauer übt. beruht nach der Auffassung des Asterios in erster Linie auf der Anschaulichkeit, mit welcher der Künstler nicht bloß den Schmerz (ib nd&og)^ sondern auch den Charakter (tö rjd-og) der Heldin in ihrer Haltung zum Ausdruck gebracht hat (337 AB). Damit nennt er ein Kunstprinzip, das seinen eigenen Stil und zwar nicht bloß in der Charakterschilderung in hohem Maße beherrscht. Dem Geschmack der jüngeren Sophistik entsprechend, zeigen auch die Kappadokier das Bestreben, den Grundsatz der iväoyeia von der bildenden auf die redende Kunst mehr und mehr zu übertragen^. Bei Asterios erklärt sich aber die starke Schätzung der Anschauung mehr aus dem Wesen und der Ab- sicht der Sittenpredigt, als die sich seine Beredsamkeit in der Hauptsache darstellt, und weist so auf einen andern geschicht- lichen Zusammenhang hin, auf die Verwandtschaft dieser Pre- digt mit dem popularphilosophischen Schrifttum des Altertums.

Der Erfolg der Predigt, die auf die Massen wirken will, in der Absicht, ihren Willen zu bewegen, beruht zum kleinsten Teil auf ihrem Inhalt; die gewinnende, aufrührende und packende Kraft geht vielmehr von ihrer Form aus. Mit genauer Berech- nung ihrer psychologischen Wirkung stellte man daher die Kunstmittel der epideiktischen Beredsamkeit und das deklama- torische Element der Rhetorenschule in den Dienst der raoral- philosophischen Propaganda. So wurde besonders die evdo- yeia, die seit dem 4. Jahrhundert zu den äoejal /J^ecog gehört, ein Hauptgesetz für die Sprache der Sittenpredigt; sowohl dem Auge als auch dem Ohr soll die Lehre sinnfällig gemacht werden. Damit verbindet sich die Kunst, den mora- lischen Gedanken erst von dem Hörer erraten oder erarbeiten zu lassen, statt ihn geklärt und fertig darzubieten. Der Sitten- prediger fühlt sich also in stetigem Gedankenaustausch mit dem Publikum, bald mit einzelnen, bald mit der Gesamtheit der Zu- hörer. Bisweilen geht er von dem Standpunkt aus, den er bei

Schreibung eines Bildes von Isaaks Opferung: De Deitate Filii et S. Spir. M 46 p. 572 C. Die Ähnlichkeit fiel schon den Vätern des 2. Nicänums auf, vor denen beide e^tq^gdastg verlesen wurden; Basilios von Ancyra erklärte: o drayvMoßEig jiazijg aviä h'jia^s rcb öoiwrärro rotjyoou;)' ufiqörsQOi im zaT; elxöoi (iaxovwdsig iysrorzo. Mansi Conc. Coli. XllI, S. 9. >) Meridier a. a. 0. S. 277 ff.; K. Weiß a. a. 0. S. 191 ff.

über d. Echtheit d. drei nur d. Photios f. Asterios bezeugt. Redt-n. «)1

ihnen vormntet insofern sieh dieser in ihrer Lcbensfiihiiinji^ offenbart, bihlet auch diese häutig einen Ausgangspunkt . um sie langsam imd sicher auf seine Meinung überzuführen. Öfters aber sucht er diese Beziehung zu den Hörern dadurch iierzu- stellen, daß er sich mit selbstgemachten Einwäiulen und Fragen unterbricht oder einen Tnterlokutor sich gegenüberstellt ^

Diese ganze Technik der Heelenleitung übernahm mit den Aufgaben der antiken Moralpredigt die christliche Kanzelrede. Asterios verleugnet allerdings diesen Zusammenhang, indem er öfters die einzigartige Darstellungsweise der Bibel nachdrücklich hervorhebt und als vorbildlich rühmt. Aber selbst in diesen stilkritischen Bemerkungen, die er bisweilen einflielien lälit, verrät er. was auch ein flüchtiger Überblick über die Formen luid die Sprache seiner Sittenpredigt lehrt, daß er weniger bei den Evangelisten als bei den heidnischen Moralisten in die Schule gegangen ist.

Zumeist sind es die biblischen Gleichnisse, deren schrift- stellerische Form ihn nicht weniger als ihr Inhalt beschäftigt. Seinem Urteil über ihre Bedeutung als Büttel zur Gewinnung der anfangs widerstrebenden Zuhörer liegt der Maßstab des a:iovdn(o- ye/.oiov und die Theorie der Diatribe mit der genauen psycholo- gischen Bewertung ihres epideiktischen Charakters zugrunde (vgl. oben S. 51 u. S. 75j. Die ivdoyeta, das stilistische Hauptgesetz der Diatribe, sieht er in den Gleichnissen am stärksten ausgeprägt; ihre anschauliche Kraft beruht hauptsächlich auf der Verwen- dung des Beispiels, die in der göttlichen Pädagogik neben die theoretische Belehrung tritt: 1Ü4A Ov to2? äjio(pany.oig xai doyfianxoJg t^iorov ßeomojnaoiv 6 Oeog fjfwn' xal 2!cot)]o nai- öevH Tovg ärßoo'jrcovg, cöore juioeTr y.ay.lav xal äyanuv a.oeTi)v, olIao. xal ToTg evagyeot tcüv vrcodeiy i^idrojv oaq^ij jiaoabiötooi rd T>]s äyadi]g Tiohzeiag jiia&tjjuaxa etc. und 177C AoajuattxMg ydo fjixiv 6 Xoyog rijv vovßeoiav etzI jiQoocbnoyv (bgtojuevojv i^edsTo, i'ra iayi'yoig xal d et xtix co g rraidevüevTeg etc. Kommt